Tote Fische schwimmen an der Wasseroberfläche der Oder | REUTERS

Fischsterben in der Oder Polen wirft Deutschland "Fake News" vor

Stand: 21.08.2022 14:22 Uhr

Die polnische Umweltministerin sagt, dass in Deutschland im Zusammenhang mit dem Fischsterben "Fake News" verbreitet werden. Brandenburgs Umweltministerium hatte mitgeteilt, dass erhöhte Pestizid-Werte im Fluss nachgewiesen worden seien.

Das Fischsterben in der Oder entwickelt sich immer mehr auch zu einem Politikum: Polens Umweltministerin Anna Moskwa wirft dem brandenburgischen Umweltministerium nun die Verbreitung von Falschmeldungen vor. "Achtung, eine weitere Fake News wird in Deutschland verbreitet!!! Pestizide und Herbizide. In Polen wurde der Stoff getestet und unterhalb der Bestimmungsgrenze nachgewiesen, d. h. ohne Auswirkungen auf Fische oder andere Tiere, und ohne Verbindung zum Fischsterben", schrieb Moskwa auf Twitter.

Die Substanzen seien in Fischen nicht entdeckt worden, so Moskwa in einem weiteren Tweet: "Ein ungerechtfertigter Angriff auf die Landwirtschaft. Erst die Industrie, jetzt die Landwirtschaft? Was kommt als Nächstes?"

Erhöhte Pestizid-Werte nachgewiesen

In der Oder wurden auf polnischer und deutscher Seite in den vergangenen Tagen massenhaft tote Fische entdeckt. Bis zum Samstag wurden in Polen und Deutschland rund 200 Tonnen Kadaver eingesammelt. Die polnische Feuerwehr bezifferte die Menge auf 158 Tonnen. In Brandenburg waren es nach einer früheren Mitteilung des Umweltministeriums mindestens 36 Tonnen. Die genaue Ursache für das Fischsterben ist noch nicht geklärt.

Brandenburgs Umweltministerium hatte gestern mitgeteilt, dass bei Proben, die an der Messstelle Frankfurt (Oder) in der Zeit vom 7. bis 9. August entnommen wurden, hohe Konzentrationen eines Pestizids mit dem Wirkstoff 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure gefunden worden seien. Es sei aber davon auszugehen, dass die nachgewiesene Dosis nicht unmittelbar tödlich für Fische gewesen sei. Der Wirkstoff wird etwa zur Bekämpfung von Unkraut eingesetzt.

Die überhöhte Konzentration des Pestizids über mehrere Tage habe sicherlich Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen gehabt. Möglicherweise sei das Herbizid am Oberlauf der Oder in noch höheren Konzentrationen vorhanden und am Messpunkt Frankfurt (Oder) bereits stark verdünnt gewesen, hieß es vom Umweltministerium weiter.

Wieder lebende Fische entdeckt

Polens nationalkonservative PiS-Regierung steht unter Druck, weil polnische Behörden nur zögerlich auf erste Hinweise zu dem Fischsterben reagierten. Auch in Deutschland wurde bemängelt, dass polnische Behörden die international vereinbarten Informationsketten nicht eingehalten hätten. Vertreter der PiS reagierten darauf wiederholt mit antideutschen Tönen - und mit Attacken gegen die polnische Opposition. Dieser unterstellen sie, das deutsche Narrativ über mögliche Ursachen der Umweltkatastrophe willig zu übernehmen.

Etwas Hoffnung machte derweil eine Äußerung des Gebietschefs der Woiwodschaft Westpommern, Zbiegniew Bogucki. Demnach seien wieder lebende Fische zu sehen. "Dort, wo wir vor ein paar Tagen tonnenweise tote Fische geborgen haben, sind jetzt lebende Fische aufgetaucht", schrieb Boguckiauf Twitter. Aufgrund von Sauerstoffmangel im Wasser seien aber viele Fische kurz vor dem Ersticken und würden nahe der Oberfläche schwimmen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. August 2022 um 13:00 Uhr.