Valérie Pécresse | REUTERS
Porträt

Valérie Pécresse Vorzeige-Konservative mit wenig Chancen

Stand: 06.12.2021 18:45 Uhr

Als Kandidatin der französischen Republikaner will Pécresse in Nizza ihren Wahlkampf aufnehmen. Die Wirtschaftsliberale mit der konservativen Idealbiographie steht vor der Aufgabe, auch den rechten Parteirand einzubinden.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

"Valérie Présidente" - "Präsidentin Valérie" riefen die Anhänger von Valérie Pécresse, die bei der Verkündung der Spitzenkandidatin in der Parteizentrale der französischen Konservativen anwesend waren. Überraschend hatte es die Präsidentin der Pariser Großregion Ile de France in die Stichwahl um die Kandidatenkür geschafft, hatte Favoriten wie den Ex-Brexit-Chefunterhändler Michel Barnier ausgestochen. Nun ist sie die strahlende Siegerin der Mitgliederbefragung: "Zum ersten Mal in der Geschichte der Partei von Charles de Gaulle, von Georges Pompidou oder Nicolas Sarkozy tritt eine Frau für uns bei den Präsidentschaftswahlen an" verkündete sie selbst.

Sabine Wachs ARD-Studio Paris

Eine Frau mit mehr als 20 Jahren politischer auch auf nationaler Ebene. Pécresse, in der französischen Presse oft als das Ziehkind des ehemaligen Präsidenten Jaques Chirac bezeichnet, arbeitete Ende der 1990er-Jahre als seine Beraterin im Elysée-Palast. 2007, nach der Wahl von Nicolas Sarkozy zum Präsidenten hatte sie zwei Ministerposten inne, jetzt will sie selbst ins höchste politische Amt: "Ich habe mich auf diese Präsidentschaftswahlen vorbereitet. Ich will einen eindeutigen Bruch. Ich habe den Mut, das zu sagen und den Willen zu handeln."

"Soziale Brüche kitten"

Die 54-Jährige Pécresse gilt als extrem ehrgeizig und verkörpert eine Art Ideal der traditionell französischen Konservativen. Geboren im noblen Pariser Vorort Neuilly, besuchte Pécresse ein katholisches Gymnasium, anschließend die Elite-Universität ENA, die sie als Zweitbeste ihres Jahrgangs abschloss. Sie ist wirtschaftsliberal und gilt als gemäßigte Konservative.

Sie wolle die Reformen durchführen, die der amtierende Präsident Emmanuel Macron nicht gemacht hat, erklärte Pécresse in ihrer ersten Rede: "Gemeinsam werden wir den öffentliche Dienst retten, von den Krankenhäusern über die Schulen bis hin zum Justizsystem. Gemeinsam werden wir die soziale Gerechtigkeit verteidigen, den Wert der Arbeit steigern und die sozialen Brüche in unserer Gesellschaft kitten."

Valérie Pécresse, die erste Präsidentschaftskandidatin der Republikaner | AP

Valérie Pécresse, die erste Präsidentschaftskandidatin der Republikaner, nach ihrer Nominierung. Bild: AP

Laut Umfragen keine Chance

Außerdem versprach Pécresse die Partei, die sich lange im Richtungsstreit zwischen dem rechten und den gemäßigteren Flügeln befand, wieder zu einen. "Ich spüre die Wut eines Volkes, das sich angesichts der Gewalt machtlos fühlt, das islamistische Parallelgesellschaften fürchtet, das sich in seinen Werten bedroht fühlt, durch eine unkontrollierte Einwanderung", sagte sie - dieselbe Pécresse, die 2019 wegen rechtslastiger Positionen des damaligen Vorsitzenden der Konservativen aus der Partei ausgetreten war. Erst im Oktober dieses Jahres, kurz vor der Mitgliederbefragung, trat sie wieder ein.

Als Präsidentschaftskandidatin der französischen Konservativen braucht Pécresse die gesamte Partei hinter sich - geschlossen und nicht gespalten. Nur so kann es gelingen, Wähler zurückzugewinnen, die zum rechten Rand, aber auch zur präsidentiellen macronistischen Mitte abgewandert sind.

Laut Umfragen hat Pécresse derzeit noch keine Chance, in die Stichwahl der Präsidentschaftswahlen einzuziehen: Sie liegt hinter Amtsinhaber Macron und den beiden extrem rechten Kandidaten Marine Le Pen und Eric Zemmour auf Platz vier.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Dezember 2021 um 13:22 Uhr.