Boris Johnson geht mit gesenktem Kopf | REUTERS

"Partygate" Neue Fotos belasten Johnson

Stand: 23.05.2022 20:45 Uhr

Gefüllte Gläser, sich zuprostende Menschen und mittendrin Boris Johnson: Neue Fotos des TV-Senders ITV von einer Party während eines Corona-Lockdowns im November 2020 setzen den britischen Premier noch mehr unter Druck.

Kurz vor der erwarteten Veröffentlichung des ungekürzten Untersuchungsberichts über illegale Lockdown-Partys in der Downing Street hat der Fernsehsender ITV neue Fotos des britischen Premierministers Boris Johnson bei einer Party während eines Corona-Lockdowns im November 2020 veröffentlicht.

Die vier Bilder zeigen Johnson mit einem gefüllten Glas in der Hand, mehrere andere Anwesende recken ihre Hände mit Gläsern zum Zuprosten in die Luft. Auf dem Tisch, der in der Mitte der Fotos zu sehen ist, stehen mehrere geöffnete Wein- und Sektflaschen.

Die Bilder sollen ITV zufolge bei der Abschiedsfeier für Johnsons ehemaligen Kommunikationschef Lee Cain im November 2020 entstanden sein. Sie stellen Johnsons Verteidigung infrage, bei den Zusammenkünften nicht erkannt zu haben, dass es sich um Partys handelte.

Foto des britischen Senders ITV vom Boris Johnson von einer Feier während des Lockdowns in der Corona-Pandemie | VIA REUTERS

Ein von ITV veröffentlichtes Foto: "Partygate" holt Johnson erneut ein. Bild: VIA REUTERS

Finaler Bericht erwartet

In den nächsten Tagen wird die Veröffentlichung des finalen Untersuchungsberichts zu der "Partygate"-Affäre um verbotene Partys in der Downing Street während des Corona-Lockdowns veröffentlicht werden. Oppositionsführer Keir Starmer warf der Regierung vor, den Bericht der Spitzenbeamtin Sue Gray schon jetzt zu untergraben. Johnson wollte Fragen zu dem bevorstehenden Bericht und seinen Konsequenzen nicht kommentieren und verwies darauf, er wolle nach der Veröffentlichung mehr sagen.

Downing Street räumt Treffen ein

In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass es zwischen der Beamtin Gray und Johnson mindestens ein Treffen gegeben hat, bei dem über den Bericht gesprochen wurde. Beide Seiten schoben sich zunächst gegenseitig die Verantwortung zu, das Treffen einberufen zu haben. Zuletzt räumte Downing Street ein, einen solchen Termin veranlasst zu haben.

Ein Staatssekretär der Regierung verteidigte das Gespräch mit dem Hinweis, es habe geklärt werden müssen, welche Namen und Fotos in dem Bericht veröffentlicht werden dürften.

120 Strafgelder

Die polizeilichen Ermittlungen zu den Lockdown-Partys wurden inzwischen abgeschlossen. Zwar wurden rund 120 Strafgelder verhängt, Premier Johnson musste jedoch nur für eine Party zahlen - 50 Pfund -, obwohl er bei mehreren Veranstaltungen anwesend war.

Der Untersuchungsbericht könnte seine Position in seiner Partei und im Amt weiter schwächen. Sollte Gray darin Johnson heftig rügen, könnten die Forderungen nach seinem Rücktritt wieder zunehmen. Regierungsmitarbeiter befürchten, dass der Bericht Fotos und andere deutliche Beweise für Feierlichkeiten am Regierungssitz in der Downing Street enthält. Bereits eine gekürzte Version des Berichts, die vor einigen Monaten veröffentlicht wurde, hatte den Verantwortlichen Führungsversagen und schwere Verfehlungen vorgeworfen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. April 2022 um 08:52 Uhr.