Papst Franziskus fährt im Papamobil vorbei an jubelnden Menschen in Budapest. | dpa

Papstbesuch in Ungarn Versöhnliche Worte in Budapest

Stand: 12.09.2021 17:47 Uhr

Als "herzlich" beschreibt der Vatikan das Treffen zwischen Papst Franziskus und dem ungarischen Regierungschef Orban. Dabei hatten Orban-Unterstützer im Vorfeld viel Stimmung gegen den Pontifex gemacht.

Oliver Soos, ARD-Studio Studio Wien, zzt. Budapest

Ungarn gehört nicht zu den Kernländern der katholischen Kirche, etwa die Hälfte der Bevölkerung ist katholisch getauft. Doch der Auftritt des Papstes ist bombastisch, wie man es von vielen anderen Orten kennt. Franziskus fährt mit dem Papamobil durch die Budapester Innenstadt, vorbei an Zehntausenden winkenden Menschen. Auf dem Heldenplatz ist eine riesige Bühne aufgebaut mit Tausenden Stühlen davor. Der vor dem Heldenplatz abgehende Boulevard Andrassy ut ist auch gut gefüllt mit Menschen. Laut den Veranstaltern hatten sich mehr als 70.000 für das Event registriert. Die Coronaregeln hat die Regierung komplett außer Kraft gesetzt.

Tausende nehmen an einer Messe auf dem Heldenplatz in Budapest teil. | dpa

Tausende nehmen an einer Messe auf dem Heldenplatz in Budapest teil, die Papst Franziskus zum Abschluss des Internationalen Eucharistischen Kongresses zelebriert. Er ist auf seiner ersten Auslandsreise nach einer schweren Darmoperation im Juli. Bild: dpa

Ein Treffen wider Willen?

Bei seiner Predigt stellte Papst Franziskus Jesus und seinen Weg in den Mittelpunkt. "Wir würden heute lieber einen mächtigen Messias haben als einen gekreuzigten Knecht. Wir können viel Zeremonie machen, aber die Eucharistie zeigt uns Gott als gebrochenes Brot, als gekreuzigte und dargebrachte Liebe."

Der Papst fordert Bescheidenheit, Nächstenliebe und Gastfreundschaft. Eigenschaften, die viele dem autoritären ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban nicht zuschreiben. Der Papst traf sich mit ihm vor der Messe zu einem halbstündigen Gespräch - widerwillig, wie einige Medien vorab berichteten. Der Vatikan meldete anschließend, dass es unter anderem um die Rolle der Kirche in Ungarn und um den Schutz der Umwelt ging.

Kritik am "komischen Papst"

Ministerpräsident Orban veröffentlichte kurz danach auf Facebook ein Statement, das nur so vor Selbstbewusstsein strotzte. Er schrieb: "Ich habe Papst Franziskus gebeten, das christliche Ungarn nicht zugrunde gehen zu lassen." Ungarische Regierungsmedien hatten den Papst immer wieder heftig kritisiert, so zum Beispiel der Chefredakteur der Wochenzeitschrift Demokrata, Andras Bencsik, als es zwischenzeitlich hieß, der Papst wolle Orban nicht treffen.

Momentan ist das Verhalten des Papstes christenfeindlich. Ich bete dafür, dass der eigentliche Papst Benedikt, der zum Glück noch lebt, diesen komischen anderen Papst erleuchtet und ihm klarmacht, welche Verantwortungen und Pflichten er als Leiter der christlichen Welt hat.

Papst Franziskus wurde zuvor auch schon als dement und als Schurke beschimpft, vom Publizisten und Mitglied der Regierungspartei Fidesz, Zsolt Bayer. "Seine Heiligkeit der Papst twittert wie ein braves, liberales, gendergläubiges Vieh", sagte Bayer außerdem.

Papst strebt Versöhnung an

Bei seiner Ankunft am Budapester Flughafen kommentierte der Papst diese Streitigkeiten nur kurz und sagte, dass man ineinander keine Feinde, sondern Brüder sehen solle. Viele Besucher der Papstmesse auf dem Budapester Heldenplatz haben ein zwiegespaltenes Verhältnis zu den Konflikten der ungarischen Regierung mit Franziskus.

"Wenn ich ehrlich bin, der Papst spaltet. Aber ich will lieber nichts dazu sagen, denn er ist das Oberhaupt der Kirche und das akzeptiere ich absolut", sagt eine ältere Frau. Ein Mann fügt hinzu: "Der Papst ist Gottes Stellvertreter auf Erden, seinen Worten muss man folgen. Die kritischen Untertöne - das kann man machen, aber ich schließe mich dem nicht an." Eine weitere Frau sagt, dass Johannes Paul II. der größte Papst für sie gewesen sei.

Sonntagnachmittag ist der Papst weitergeflogen nach Bratislava, zu einem viertägigen Besuch der Slowakei.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Sisyphos3 12.09.2021 • 23:24 Uhr

21:00 von État DE gauche

Wenn Bescheidenheit, Nächstenliebe und Gastfreundschaft persönliche Entscheidungen und persönliche Leistungen sind, dann alles gut. Es ist jedoch zutiefst autoritär, diese von anderen Menschen zu fordern ------------------ soll Leute geben die fordern das bei Dingen die (für uns) selbstverständlich sind wie etwa Menschenrechten