Der Rap-Sänger Pablo Hasél (M) wird von Polizeibeamten an der Universität von Lleida festgehalten.  | dpa

Spanischer Rapper Hasél - für viele eine Symbolfigur

Stand: 22.02.2021 04:01 Uhr

Künstler solidarisieren sich mit dem spanischen Rapper Hasél nach dessen Festnahme. Gleichzeitig feiern ihn Extremisten und Radikale. Was macht Hasél zur Symbolfigur?

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Mehr als 200 Künstlerinnen und Künstler haben unter dem Hashtag #ElArteConPabloHasel ein Manifest unterzeichnet. Es geht also um "die Kunst mit Pablo Hasél". Die zentrale Forderung lautet: Freiheit für den Rapper und Abschaffung von Straftatbeständen, die die Meinungsfreiheit einschränken können. Gemeint ist vor allem das so genannte "Gesetz zur Sicherheit der Bürger".

Reinhard Spiegelhauer

Im Manifest heißt es: "Die Verfolgung von Rappern, Personen auf Twitter, Journalisten sowie anderen Vertretern von Kunst und Kultur wegen des Versuchs, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung auszuüben, ist ein Dauerzustand geworden."

Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören neben vor allem in Spanien bekannten Künstlerinnen und Künstlern auch Regisseur Pedro Almódovar und der Hollywood-Schauspieler Javier Bardem. Beide haben sich schon in der Vergangenheit für Freiheitsrechte engagiert.

Javier Bardem sieht sich an die Franco-Diktatur erinnert

Bardem setzte sich vor knapp drei Jahren öffentlich für den Schauspieler und Produzenten Willy Toledo ein. Dieser hatte einen blasphemischen Facebook-Eintrag verfasst. "Dass man für freie Meinungsäußerung, in diesem Fall bezogen auf eine Religion, im Gefängnis landen kann, das erinnert an die Franco-Diktatur", sagte Bardem.

Toledo war damals wegen Verletzung religiöser Gefühle angeklagt. Zur Verteidigung einer feministischen Aktion bei einer Osterprozession hatte er gesagt: "Ich scheiße auf Gott und die Geschichte von der unbefleckten Empfängnis." Vergangenes Jahr ist Toledo freigesprochen worden, jetzt ist er einer der Mitinitiatoren des Unterstützungsaufrufes für asél.

Ministerpräsident Sánchez lenkt ein

Tausende haben nach der Verhaftung des Rappers Hasél in vielen Städten Spaniens demonstriert. Viele von ihnen, weil sie das "Gesetz zur Sicherheit der Bürger" aus dem Jahr 2015 als Knebelgesetz empfinden und ablehnen. Die konservative Regierung Rajoy hatte es als Reaktion auf Demonstrationen und Proteste gegen die Regierungspolitik erlassen.

Die spanische Regierungskoalition von Sozialisten und Linkspartei Podemos will das Gesetz nun ändern. So gesehen ist Ministerpräsident Pedro Sánchez sogar ein Unterstützer Haséls: Es stehe an, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu stärken, sagte Sánchez.

 "Ein dauerhafter, schlagkräftiger Straßenkampf"

Wahr ist aber auch: Bei den Demonstrationen der vergangenen Tage geht es nicht allen um Meinungsfreiheit. Stinkefinger gegen die Presse und der Angriff auf das Büro einer großen Zeitung zeigen das ebenso wie Stein- und Flaschenwürfe auf Polizeibeamte und brennende Müllcontainer. Einige verunglimpften die Polizisten als Folterknechte und Mörder.

Nicht nur in Madrid oder Barcelona nutzen gewaltbereite Radikale die Gelegenheit zur Aufruhr. Antikapitalistische Gruppierungen und auch Personen aus der Hausbesetzerszene sind durch die Verurteilung und Verhaftung von Hasél mobilisiert. Die "Antisistemas" sehen sich im Kampf gegen den "Schweinestaat". "Sie haben ihn verhaftet, weil er die Ungerechtigkeiten benennt, die täglich unter diesem Regime stattfinden", sagt ein Demonstrant. "In Spanien gibt es keine Demokratie, wir leben weiter in einem faschistischen Staat. Uns bleibt nur ein dauerhafter, schlagkräftiger Straßenkampf."

Proteste gegen die Inhaftierung der spanischen Rappers Pablo Hasél in Barcelona. | REUTERS

Bei den Protesten gegen die Inhaftierung Haséls ist es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Ausschreitungen gekommen. Bild: REUTERS

Symbolfigur in Katalonien

Eine echte Symbolfigur ist Hasél aber vor allem in Katalonien, speziell für die radikalen Separatisten: als katalanischer Rapper, der sich an der Krone abarbeitet, die für viele in Katalonien wie kaum etwas anderes den verhassten Zentralstaat repräsentiert. Wenn er in den Knast geht und seinen Unterstützern zuruft, - "Der Kampf geht weiter, wir werden siegen!" - dann sehen sie in ihm einen Märtyrer. Und dann ist das aus ihrer Sicht wieder einmal ein Beweis, dass Katalonien systematisch unterdrückt werde.

Meinungsfreiheit, Systemkritik, vermeintliche Unterdrückung Kataloniens - es sind dies die zentralen Beweggründe, weshalb Menschen zur Zeit für Hasél auf die Straßen gehen. Kein Thema sind hingegen frühere sexistische Tweets und die Verherrlichung von Terrorgruppen, darunter auch die deutsche RAF. Auch Haséls Drohgebärden werden ignoriert. Vor ein paar Tagen hat ein Gericht ein Urteil gegen ihn wegen Bedrohung von Zeugen in einem früheren Prozess bestätigt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Februar 2021 um 04:48 Uhr.