Alexander Van der Bellen vor seinem Wahlkampf-Kleinbus | dpa

Präsidentenwahl in Österreich Van der Bellens Kampf um die Heimat

Stand: 09.10.2022 08:03 Uhr

Österreichs Bundespräsident Van der Bellen stellt sich heute zur Wahl für eine zweite Amtszeit. Im Wahlkampf setzte er auf das Thema "Heimat" - und konnte es den Konkurrenten rechts der Mitte regelrecht wegnehmen.

Von Wolfgang Vichtl, ARD-Studio Wien

Eigentlich hat der Mann schon Geschichte geschrieben, bevor er zum zweiten Mal zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt werden kann: Alexander Van der Bellen, ehemals Grünen-Politiker, geborener Wiener, aufgewachsener Tiroler. Seine Eltern flohen mit dem Säugling Alexander vor der Roten Armee ins Tiroler Kaunertal. Die Vorfahren Van der Bellens weisen gleich mehrfach Migrationshintergrund auf: Holland, Russland, Estland, Würzburg - schließlich Wien und Tirol. Und so ist "Heimat" das Kernthema, mit dem Van der Bellen auch in diesen Wahlkampf ging.

Wolfgang Vichtl ARD-Studio Wien

Das war schon beim ersten Mal so: 2016, damals im Duell gegen den Kandidaten der rechtspopulistischen FPÖ, dessen zentrales Thema ebenfalls "Heimat" war: "Österreich zuerst!" lautete die Devise von Nobert Hofer - der Markenkern aller Populisten.

Aber es gewann, wenn auch knapp, Van der Bellen - vor heimeligen Holzhütten und sattgrünem Bergwald. Die Plakate von damals hängen inzwischen im "Haus der Geschichte Österreich". So hat van der Bellen Geschichte geschrieben: Wie man Rechtspopulisten aus der "Heimat" vertreibt.

In der Pose des Tiroler Großvaters

So macht es Van der Bellen auch jetzt - diesmal gegen sechs Gegenkandidaten, vier davon deutlich rechts der Mitte. Eine Tiroler Blaskapelle, die "Schupfermusi" aus dem Kaunertal, begleitet ihn dabei.

Die Wahlplakate 2022 des Amtsinhabers und Hofburgverteidigers zeigen viel Rot-Weiß-Rot, die österreichischen Nationalfarben. Dazu schroffe Alpengipfel rund ums Kaunertal.

Der 78-jährige Präsident und Platzhirsch präsentiert sich in der Pose des gütig-wissenden Tiroler Großvaters.

Alexander Van der Bellen auf einem Wahlplakat. | REUTERS

Viel Rot-Weiß-Rot: Alexander Van der Bellen setzte bewusst häufig die österreichischen Nationalfarben ein. Bild: REUTERS

Auch "Generation Greta" will überzeugt sein

Aber zu viel Musikantenstadl darf sich der Bundespräsident auch in Österreich nicht erlauben. Er wird schließlich vom Volk direkt gewählt. Für die nötigen 50 Prozent plus x im ersten Wahlgang muss Van der Bellen auch die "Generation Greta" überzeugen, sonst reicht es nicht.

Er versucht das mit einem demonstrativ tiefem Seufzer: "Österreich aus ganzem Herzen" sei eine Werbung für eine "stabile Umwelt", damit niemand vergesse, dass die Klimakrise nicht "auf Urlaub geht", nur weil es gleichzeitig auch andere Krisen gebe. Und dass man daran denke, dass auch die kommenden Generationen sich in "unserer herrlichen österreichischen Landschaft" wohl und sicher fühlen sollten.

Zur Landschaftspflege und Klimakrise kommt der Amtsbonus, die Rolle als "weiser alter Mann in der Hofburg" - was ihm seine Altersgruppe über 70 gerne gutschreibt.

"Should I stay or should I go?"

Trotzdem oder gerade deswegen machte sich der Bundespräsident als Kandidat als erstes an die Jungen ran, an die Zielgruppe der 14- bis 24-Jährigen, die nicht mal alle wahlberechtigt sind - das TikTok-Publikum. Auf TikTok begann er seinen Wahlkampf mit einem Video "Best of Van der Bellen" - die musikalische Untermalung lieferte der Klassiker von The Clash: "Should I Stay or Should I Go" - "Soll ich bleiben oder gehen?"

Mit diesem Auftritt wollte Van der Bellen auch gleich die nächste Frage abwehren: Nein, nach oben gibt es keine Altersgrenze für die anspruchsvolle Aufgabe in der Hofburg. Nach unten schon: Da ist das Mindestalter 35.

Er fühle sich "alt genug", sagt Van der Bellen - und heute "besser gerüstet" und reifer für die Verantwortung, als noch vor fünf Jahren, als er ein "vergleichsweise junger Hupfer" gewesen sei.

 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Oktober 2022 um 09:00 Uhr.