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Coronavirus Was Österreich bei den PCR-Tests besser macht

Stand: 25.01.2022 03:27 Uhr

Während überall sonst PCR-Tests rationiert werden, will Wien weiter genügend anbieten. Die Österreicher liegen bei der Testquote deutlich vor Ländern wie Deutschland. Woran liegt das?

Von Wolfgang Vichtl, ARD-Studio Wien

So ungefähr eine halbe Million könne in Wien weggetestet werden, täglich - natürlich PCR-Tests. Demnächst sollen 800.000 Tests pro Tag bewältigt werden, lässt Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker wissen. Omikron hat die Nachfrage in die Höhe schnellen lassen. Während überall sonst, auch in Österreich, PCR-Tests rationiert werden, will Wien weiter genügend anbieten.

Wolfgang Vichtl ARD-Studio Wien

Wie schafft Wien das? Durch gezieltes Spucken, einfach, unbürokratisch. Durch viel Vorlauf - Wien ist seit Anfang der Pandemie Test-Vorreiter. Durch Routine - auch die Labors sind an den Aufgaben gewachsen. In Wien kümmern sich rund 1000 Mitarbeiter der Lifebrain-Labors darum, dass es möglichst schnell geht von der Testabgabe bis zum Ergebnis - denn PCR-Tests haben ein kurzes Verfallsdatum.

"Alles wird abgearbeitet"

Alireza Karimi, technischer Leiter im Labor, erklärt, wie PCR-Testen am Fließband geht. Wer bis neun Uhr vormittags seinen Test beim nächsten Supermarkt einwirft, dessen Speichelprobe liegt spätestens um zwölf im Labor, ist um halb drei so weit, dass die Analyse beginnen kann, um 17 Uhr gibt es ein Ergebnis. Gearbeitet wird rund um die Uhr. Jede Nacht gilt: "Alles wird abgearbeitet".

Das Testergebnis kommt per E-Mail, oft schon nach zehn Stunden, ein sehr amtliches PDF-Dokument im Anhang. Wien ist damit weit voraus. PCR-Testen hier ist einfach, sogar unterhaltsam, kostenlos und kann zu Hause erledigt werden, wann immer es gerade passt.

Man muss sich Einloggen via Smartphone, dann eine Minute eine Salzlösung gurgeln, während ein Selfie-Video läuft (gewöhnungsbedürftig, aber lustig), in ein Teströhrchen spucken, Code scannen, Ausweis scannen, Röhrchen ab in die Tüte, versiegeln und rein in die Box, im Drogerie-Markt und in vielen Supermärkten, oft auch sonntags.

Weitsicht zahlt sich aus

Zum Erfolg gehört auch, dass sich Wien früh entschieden hat, die Menschen möglichst zahlreich zum Testen zu locken, gebührenfrei, mit dem Slogan "Alles gurgelt". Die Kosten ersetzt die Bundeskasse, inzwischen ist man bei sechs Euro je PCR-Test. Der Rest ist Logistik: Shuttle-Busse, die die Proben abholen, ins Labor bringen - wo das volldigitalisierte PCR-Fließband läuft.

Dabei sei man immer noch ein Stück entfernt von der Kapazitätsgrenze, sagt Michael Havel, Geschäftsführer der Lifebrain-Gruppe, dem in Wien führenden Labor, im ORF-Wirtschaftsmagazin "Saldo". Die Ö1-Kollegen haben sich die beiden größten PCR-Labore Österreichs angesehen, Lifebrain in Wien und Novogenia in Eugendorf. Zwei, die nicht, wie Havel das formuliert, zur Branche der "Glücksritter" zählen, die gute Geschäfte wittern, viel versprechen.

Standortvorteil Wien

Auch Österreich hat enttäuschte öffentliche Auftraggeber, ein paar Skandale. Havel formuliert das auf Wienerisch, er möchte "ja nix schlechtes sagen über die Mitbewerber" - aber man müsse ganz ehrlich sagen: "Wir sind einfach die einzigen in Österreich, die solche Mengen abarbeiten können."

Mitbewerber räumen das durchaus ein, auch Novogenia-Chef Daniel Wallersdorfer. Er verweist allerdings auf den Standortvorteil Wien: Die Großstadt, viele Menschen, kurze Wege, dichtes Testnetz. Er hat es schwerer: "Wir machen Nieder- und Oberösterreich, sehr großflächige Bundesländer. Wir müssen da im letzten Eck die Proben einsammeln und innerhalb von 24 Stunden das Ergebnis liefern."

Deutliche höhere Testquote als in Deutschland

Es sind Herausforderungen, die sich auch in den Zahlen bemerkbar machen. Was in Wien funktioniert, kommt in den Bundesländern erst ins Laufen. Während die Durchschnitts-Wienerin und der Durchschnitts-Wiener ungefähr 17-mal PCR-getestet ist (17,04), sind es im Rest Österreichs nur knapp sechs Tests (5,9) pro Kopf seit Beginn der Pandemie. Das ist allerdings immer noch fünfmal mehr als in Deutschland: 1,17 PCR-Tests pro Kopf.

Der Erfolg? Zweifler in Deutschland verweisen kritisch auf die enorm hohen Sieben-Tage-Inzidenzen in Österreich. Mehr als 2500 Infizierte pro 100.000 Einwohner gab es zuletzt in Wien, 1970 Österreich-weit. Das aber hat auch was mit der Mathematik zu tun: Wer mehr testet, entdeckt mehr Infizierte. Dafür dürfte die unprüfbare "Dunkelziffer" deutlich kleiner sein.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 25. Januar 2022 um 06:51 Uhr.