Rudolf Anschober | AFP

Österreichisches Kabinett Gesundheitsminister tritt zurück

Stand: 13.04.2021 14:17 Uhr

Er war einer der beliebtesten Politiker Österreichs: Gesundheitsminister Anschober hat aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt. Als Mahner in der Corona-Pandemie fühlte er sich zuletzt alleingelassen.

Mitten in der Corona-Pandemie hat Österreichs Gesundheitsminister Rudolf Anschober aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt. Der 60-Jährige gab bekannt, dass er vor einer Woche einen zweiten Kreislaufkollaps erlitten habe. "Ich habe gemerkt: Da muss ich jetzt für mich eine Notbremse ziehen", sagte Anschober.

Er habe 14 Monate praktisch durchgearbeitet. Das Land brauche in dieser Phase jedoch einen absolut fitten Gesundheitsminister, sagte Anschober. Bei seinem Rücktritt war der beliebte Grünen-Politiker den Tränen nahe.

Wiener Arzt wird Nachfolger

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz reagierte anerkennend auf Anschobers Schritt: "Er hat sich in den vergangenen 16 Monaten für unser Land aufgeopfert sowie als Gesundheitsminister seine gesamte Energie in die Bekämpfung der Corona-Pandemie gesteckt."

Neuer Gesundheitsminister wird der Allgemeinmediziner Wolfgang Mückstein, der in Wien eine Praxis betreibt. Der 46-Jährige wird künftig auch für Soziales, Pflege, Verbraucher- und Tierschutz zuständig sein. Als Ärztekammer-Funktionär war Mückstein bereits mit neuen Hausarzt-Modellen befasst.

Wolfgang Mückstein | AFP

Österreichs neuer Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein ist niedergelassener Arzt. Bild: AFP

"Oft sehr allein gefühlt"

Anschober sagte zum Abschied, als Mahner vor zu schnellen Öffnungen in der dritten Corona-Welle habe er sich zuletzt "oft sehr allein gefühlt". Zudem müsse er seit Monaten wegen Morddrohungen von Personenschützern bewacht werden. Das unbefangene Gespräch mit Bürgern auf der Straße sei nicht mehr möglich gewesen, bedauerte der über Parteigrenzen hinweg geachtete Politiker.

Anschober hatte das Gesundheitsministerium seit dem Start der Regierung aus konservativer ÖVP und Grünen im Januar 2020 geleitet - in der Pandemie wurde es zum Schlüsselressort. Im vergangenen Sommer war Anschober durch sein sachliches Auftreten zeitweise so populär, dass er Kurz vom Spitzenplatz in der Beliebtheitsskala der Bundespolitiker verdrängte.

Opposition sieht regierungsinterne Konflikte

Aus der Opposition hieß es von den liberalen Neos, dass der Schritt bei allem persönlichen Respekt für Anschober eine gute Entscheidung sei. Es sei der Eindruck entstanden, dass es auf Ebene der Bundesregierung keine wirkliche Kommandobrücke mehr gebe, sondern die Landeschefs das Heft des Handels übernommen hätten, so Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger. 

Die Sozialdemokraten werteten den Rücktritt auch als Folge regierungsinterner Konflikte. "Er wurde von Kanzler Kurz oft im Regen stehen gelassen", sagte SPÖ-Fraktionsvize Jörg Leichtfried.   

Kurz und die ÖVP hatten vor wenigen Wochen einen von Anschobers Spitzenbeamten medial attackiert, der die Bestellung von zusätzlichen Impfdosen versäumt haben soll. Der Kanzler brachte dieses Thema ins Spiel, als Anschober nach seinem ersten Kollaps im Krankenstand war.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. April 2021 um 11:27 Uhr.