Luftbild des Gasaustrittes | Airbus DS 2022

Bericht zu Nord-Stream-Explosionen Stark wie "Hunderte Kilo" Sprengstoff

Stand: 30.09.2022 15:47 Uhr

Dänemark und Schweden haben einen Bericht zu den Lecks an den Pipelines vorgelegt. Danach gab es mindestens zwei Explosionen unter Wasser mit einer "Sprengladung von mehreren hundert Kilogramm". Russlands Präsident Putin gab dem Westen die Schuld.

Vor der Dringlichkeitsdebatte des UN-Sicherheitsrats im Zusammenhang mit den Lecks an den Nord-Stream-Gaspipelines in der Ostsee haben Dänemark und Schweden aktuelle Informationen an den Rat weiter geleitet.

Mindestens zwei Explosionen seien unter Wasser geschehen, schrieben die beiden skandinavischen Länder in einem Brief. Seismologische Institute hätten eine Stärke von 2,3 und 2,1 gemessen, was "vermutlich einer Sprengladung von mehreren hundert Kilogramm" entspreche. Alle verfügbaren Informationen deuteten darauf hin, dass die Explosionen vorsätzlich herbeigeführt worden seien.

Jeweils zwei Lecks seien in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen von Dänemark und Schweden entstanden, das daraus aufsteigende Gas habe an der Oberfläche mehrere hundert Meter große Gebiete erfasst. Auf schwedischer Seite hätten diese am Donnerstag einen Radius von rund 900 und 200 Metern gehabt, auf dänischer Seite von rund 555 beziehungsweise 680 Metern.

Betreiber: Gasaustritt bis zum 2. Oktober

Der Betreiber von Nord Stream 1 sei zu der Einschätzung gekommen, dass der Gas-Austritt an der Pipeline bis zum 2. Oktober anhalten werde. Eine ähnliche Einschätzung zu Nord Stream 2 stehe noch aus.

Karte von Bornholm mit den Pipelines Nord Stream 1 und 2

Die schwedische Küstenwache beobachtete unterdessen, dass der Gas-Austritt oberhalb des kleineren der beiden Lecks über Nord Stream 2 an Umfang abgenommen habe. Schiffe in den Gebieten halten nun einen Sicherheitsabstand von sieben Seemeilen (knapp 13 Kilometer) statt wie bisher fünf Seemeilen.

Putin macht Westen für Schäden verantwortlich

Der russische Präsident Wladimir Putin machte den Westen für die Lecks verantwortlich. "Sie (die Angelsachsen) sind zu Sabotage übergegangen. Unglaublich, aber wahr. Indem sie Explosionen an den internationalen Gas-Leitungen Nord Stream organisiert haben (...), haben sie faktisch mit der Zerstörung der gemeinsamen europäischen Energie-Infrastruktur begonnen", sagte Putin bei einer Zeremonie zur Annexion mehrerer ukrainischer Gebiete.

Mit dem Begriff "Angelsachsen" können im Russischen die US-Amerikaner, die Briten oder beide Nationen zusammengefasst gemeint sein. Bereits zuvor hatte Putin mit Blick auf die Lecks von einem "Akt des internationalen Terrorismus" gesprochen, aber keine möglichen Drahtzieher genannt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. September 2022 um 15:00 Uhr.