Kyriakos Mitsotakis, Premierminsiter von Griechenland, begrüßt die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Merkel in Athen Abschiedsbesuch auf schwierigem Terrain

Stand: 29.10.2021 16:53 Uhr

Kanzlerin Merkel ist zu ihrem letzten offiziellen Besuch nach Griechenland gereist. Sie erinnerte an die Zumutungen, die das Land in der Euro-Krise schultern musste. In der Sache blieb sie sich aber treu.

Von Verena Schälter, ARD-Studio Athen

In den vergangenen 16 Jahren ihrer Amtszeit ist Angela Merkel nicht immer ein gern gesehener Gast in Griechenland gewesen. Heute war der Empfang freundlich, doch es wurden auch Erinnerungen an andere Zeiten wach.

Verena Schälter

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis sagte sie: "Die Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland waren in den vergangenen zehn Jahren recht lebendig. Wir sind verschiedene Phasen durchlaufen. Die schwierigste war sicherlich, als es um die Stabilität des Euro ging."

Ihr persönlich sei immer sehr bewusst gewesen, welche Zumutungen und Herausforderungen für die Menschen in Griechenland mit der Frage des Euro verbunden waren.

Merkel hält an EU-Stabilitätspakt fest

Gleichzeitig bekräftigte Merkel aber ihren Widerstand dagegen, den europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt aufzuweichen. "Ich glaube, dass Griechenland einen weiten Weg gegangen ist. Ich glaube aber nicht, dass die Lösung darin besteht, jetzt einfach den Stabilitätspakt über Bord zu werfen."

Die Finanzkrise habe gezeigt, wie anfällig Staaten wie Griechenland gegenüber Spekulationen der internationalen Finanzmärkte waren. Nun müsse gewährleistet werden, dass dies nicht wieder geschehe.

Hintergrund sind Forderungen, bestimmte Investitionen, beispielsweise im Bereich des Klimaschutzes oder zur Bewältigung der Corona-Krise bei der Bemessung des jeweiligen Staatsdefizits nicht mit einzurechnen.

"Kein Krisenland mehr"

Der griechische Ministerpräsident Mitsotakis betonte, dass sich Griechenland verändert habe. Griechenland sei ein moderner Staat und setze auf Investitionen und Innovationen: "Das heutige Griechenland ist ein sehr anderes als das Land, das Sie in den vergangenen Jahren kennengelernt haben. Es ist kein Krisenland mehr, sondern ein moderner, europäischer Staat."

Griechenland will Kante gegen die Türkei zeigen 

Ein weiteres zentrales Thema der Gespräche waren die Beziehungen zur Türkei. Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Griechenland und seinem Nachbarn.

Streitpunkte gibt es auf mehreren Themenfeldern: Flüchtlinge, der Streit um Erdgasbohrungen im Mittelmeer sowie grundsätzlich die dortigen Hoheitsrechte.

"Griechenland wünscht sich gute Beziehungen, natürlich auch mit unseren Freunden, immer im Rahmen des internationalen Rechts und des Seerechts", betonte Mitsotakis. "Aber es duldet keine Drohungen und kein Bestreiten seiner Rechte."

Merkel für Dialog mit Ankara

Merkel verwies auf die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit mit der Türkei - nicht zuletzt mit Blick auf illegale Migration.

"Auch hier haben wir, glaube ich, gezeigt, dass wir Verantwortung teilen können, dass wir gemeinsam arbeiten können", so Merkel. "Ich denke, das EU-Türkei-Abkommen ist ein Beispiel dafür, dass man versuchen muss, zusammenzuarbeiten. In diesem Falle eben auch mit der Türkei zusammenzuarbeiten."

Die Kanzlerin warb dafür, auch schwierigste Fragen im Dialog zu klären - selbst wenn dies oft lange dauere.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Oktober 2021 um 17:00 Uhr.