Ein Mann hilft einer älteren Frau auf dem einzigen Fluchtweg der Einheimischen in Deckung zu gehen, während russische Truppen in Richtung der Hauptstadt Irpin bei Kiew vorrücken | REUTERS

Ukraine-Krieg Tote bei Angriffen auf Irpin

Stand: 06.03.2022 23:01 Uhr

Bei Angriffen auf die Kleinstadt Irpin nordwestlich von Kiew hat es offenbar mehrere Tote unter der Zivilbevölkerung gegeben. Nach dem erneuten Scheitern einer Waffenruhe verschärft sich unterdessen die Lage in Mariupol.

Im nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew gelegenen Vorort Irpin hat es nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters Artillerieangriffe gegeben. Männer, Frauen und Kinder, die sich auf der Flucht vor den heftigen Kämpfen in der Region befanden, hätten versucht, sich in Deckung zu begeben. Auf Bildern einer Fotografin der "New York Times" bei Twitter waren Tote auf den Straßen der Kleinstadt zu sehen, darunter auch Kinder.

Nach Angaben des Bürgermeisters seien durch russische Angriffe auf die Stadt acht Zivilisten ums Leben gekommen. Bürgermeister Oleksander Markyschin erklärte, unter den Todesopfern sei eine Familie.

Irpin liegt etwa 25 Kilometer nordwestlich von Kiew. Bereits zuvor hatte es Angriffe auf die Stadt gegeben. Eine Brücke, die aus der Stadt herausführt, ist komplett zerstört. Über ihre Überreste führt nur noch ein improvisierter Weg, den zahlreiche Menschen versuchen zu nutzen, um aus der Stadt zu fliehen. Auf Bildern der Nachrichtenagentur AFP war zu sehen, wie Soldaten sowie Anwohnerinnen und Anwohner älteren Menschen über die Trümmer halfen, während in der Distanz weiteres Artilleriefeuer zu hören war.

Auf Videoaufnahmen war auch zu sehen, wie eine Granate in eine Straße der Stadt einschlug, nicht weit von der Brücke entfernt, berichtete die Nachrichtenagentur AP.

Lage in Mariupol verschärft sich

In der umzingelten Hafenstadt Mariupol im Südosten des Landes verschärfte sich unterdessen die Lage, nachdem ein zwBei Artillerieangriffen auf die Kleinstadt Irpin nordwestlich von Kiew hat es offenbar Tote unter der Zivilbevölkerung gegeben. Nach dem erneuten Scheitern einer Waffenruhe verschärft sich unterdessen die Lage in Mariupol.

Nach dem geplanten Beginn der Evakuierung hatten prorussische Separatisten gemeldet, dass etwa 300 Menschen die Stadt verlassen hätten. Von den Behörden in Mariupol wurden diese Angaben nicht bestätigt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bezeichnete den zweiten Versuch der Evakuierung Mariupols als erfolglos. "Der heutige Versuch, die Verlegung von geschätzt 200.000 Menschen zu beginnen, ist gescheitert", hieß es in einem Tweet des IKRK.

Selenskyj warnt vor Angriffen auf Odessa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte unterdessen vor bevorstehenden Raketenangriffen auf die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer. Zuvor hatte sich auch der französische Präsident Emmanuel Macron in einem Telefongespräch mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin besorgt über einen möglicherweise kurz bevorstehenden Angriff auf die Stadt gezeigt, wie das Präsidialamt in Paris mitteilte.

Die russische Armee versuchte offenbar auch, weiter auf die Hauptstadt Kiew vorzurücken und diese einzukreisen. Britischen Geheimdienstkreisen zufolge griffen die Russen ähnlich wie in Syrien oder im Tschetschenien-Krieg dicht besiedelte Gebiete an. Der ukrainische Widerstand verzögere jedoch den Vormarsch der russischen Truppen weiter. Russland bestreitet, Zivilisten ins Visier zu nehmen.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. März 2022 um 23:30 Uhr.