Ermittler stehen vor der Wohnung des Verdächtigen in Kongsberg. | via REUTERS

Attacke in Norwegen Auch eine Deutsche in Kongsberg getötet

Stand: 16.10.2021 19:19 Uhr

Beim Angriff im norwegischen Kongsberg ist eine deutsche Staatsangehörige getötet worden. Das bestätigte das Auswärtige Amt der ARD. Die Ermittler zweifeln inzwischen am Terrormotiv und der Konversion des Verdächtigen zum Islam.

Im norwegischen Kongsberg ist am Mittwoch nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios auch eine deutsche Staatsbürgerin getötet worden. "Leider müssen wir bestätigen, dass unter den Opfern eine seit längerem in Norwegen lebende deutsche Staatsangehörige ist", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Zuvor hatten norwegische Medien und t-online dies berichtet.

Die norwegische Polizei veröffentlichte die Namen und das Alter der fünf Todesopfer. Die vier Frauen und der eine Mann waren demnach zwischen 52 und 78 Jahre alt. Zur Identität der drei Verletzten machten die Ermittler keine Angaben.

Zweifel am Terrormotiv

Die Ermittler bezweifeln nach eigenen Angaben immer stärker, dass der Angreifer ein terroristisches Motiv hatte. Stattdessen erhärte sich der Verdacht auf eine psychische Erkrankung, sagte Polizeiinspektor Thomas Omholt bei einer Pressekonferenz.

Nach Angaben der norwegischen Polizei stand der Däne in den vergangenen Jahren immer wieder im Kontakt mit dem Gesundheitsdienst. Zu Details über die psychische Gesundheit des Mannes wollte sich Omholt nicht äußern, um Zeugenaussagen nicht zu beeinflussen, wie er betonte.

Außerdem gebe es Hinweise, dass der Verdächtige nicht wirklich zum Islam konvertiert sei. Der 37-Jährige habe sich "nicht an die in dieser Kultur und Religion üblichen Traditionen" gehalten, so Omholt.

"Unspezifische Bedrohung" 2017

Es stellt sich die Frage, warum der Verdächtige von den Behörden nicht eingehender durchleuchtet wurde. Bereits 2017 veröffentlichte er ein Video, in dem er sich als Muslim und Bote bezeichnete und eine Aktion ankündigte.

Ein Sprecher des Sicherheitsdienst der Polizei PST sagte dazu, das Video sei nicht als ernsthafte Drohung angesehen worden, weil es sich bei dem Inhalt um unspezifische Bedrohungen gehandelt habe.

Verdächtiger in Untersuchungshaft

Der 37-Jährige soll eingeräumt haben, am Mittwochabend in der Innenstadt von Kongsberg fünf Menschen getötet zu haben. Er schoss dabei unter anderem mit Pfeil und Bogen auf zahlreiche Menschen.

Inzwischen ordnete ein Gericht vier Wochen Untersuchungshaft an. Die ersten zwei Wochen muss der Mann isoliert verbringen. Außerdem verhängte das Gericht ein Besuchs-, Medien- und Briefverbot. Aufgrund seines Gesundheitszustandes sei er aber noch nicht vernehmungsfähig. Er wurde nicht in einem Gefängnis, sondern in einer geschlossen medizinischen Einrichtung untergebracht, wie die Polizei mitteilte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Oktober 2021 um 20:00 Uhr.