Zahlreiche Menschen demonstrieren in Barcelona für die Unabhägigkeit Kataloniens. | AP

Katalonien Zehntausende demonstrieren für Unabhängigkeit

Stand: 11.09.2021 22:53 Uhr

Am katalanischen Feiertag Diada sind in Barcelona zahlreiche Menschen für die Unabhängigkeit der spanischen Region auf die Straße gegangen. Zentral- und Regionalregierung wollen bald zu Gesprächen über die Zukunft Kataloniens zusammenkommen.

Wenige Tage vor neuen offiziellen Gesprächen zwischen der spanischen Zentralregierung und der katalanischen Regionalregierung zur Zukunft Kataloniens haben Zehntausende Unabhängigkeitsbefürworter in Barcelona demonstriert. Die Demonstration stand unter dem Motto: "Wir werden für die Unabhängigkeit kämpfen und gewinnen".

Nach Angaben der separatistischen Bürgerbewegung Katalanische Nationalversammlung (ANC), die wie jedes Jahr am katalanischen Nationalfeiertag Diada zu dem Marsch durch Barcelona aufgerufen hatte, beteiligten sich etwa 400.000 Menschen. Die Polizei schätzte die Zahl hingegen nur auf 108.000, wie die Zeitung "La Vanguardia" berichtete. Das waren deutlich weniger als in den Jahren vor der Corona-Pandemie, als zum Teil mehr als eine Million Menschen teilnahmen.

Flaggenmeer auf Barcelonas Straßen

Viele Demonstrierende schwenkten katalanische Flaggen, zwischenzeitlich kam es zu einem Tumult, als einige ein Polizeirevier mit Toilettenpapier und Müll bewarfen. Sie lieferten sich Handgemenge mit Polizisten, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete.

Die Diada wird jedes Jahr am 11. September begangen. Eher ungewöhnlich wird dabei an eine Niederlage erinnert: An diesem Tag wurde im Jahr 1714 Barcelona von den Truppen des spanischen Königs Philipp V. erobert, nachdem die Katalanen im Spanischen Erbfolgekrieg dessen Gegenspieler unterstützt hatten. Katalonien verlor damit seine Selbstverwaltung.

Neue Gespräche zwischen Zentral- und Regionalregierung

Anlässlich des Feiertags bekräftigten Sprecher der Separatisten ihre Forderung nach Selbstbestimmung. Sie wollen die Unabhängigkeit und Abspaltung Kataloniens von Spanien. Die Zentralregierung in Madrid will der Region im Nordosten Spaniens höchstens mehr Autonomie zugestehen.

In einigen Tagen - das genaue Datum steht noch nicht fest - will die Zentralregierung mit der katalanischen Regionalregierung zusammenkommen, um Auswege aus der politischen Krise zu besprechen. Unter den Separatisten ist umstritten, ob solche Gespräche überhaupt Sinn machen, denn Madrid lehnt ein offizielles Referendum über eine Abspaltung Kataloniens ab. Zudem erlaubt die spanische Verfassung eine solche Volksbefragung nicht. Die Bevölkerung Kataloniens ist gespalten. Etwa die Hälfte will Umfragen zufolge die Unabhängigkeit, die andere nicht.

Illegales Referendum 2017

Vor vier Jahren, am 1. Oktober 2017, hatten die Separatisten eigenmächtig ein Referendum organisiert und einseitig die Unabhängigkeit Kataloniens erklärt. Das löste eine schwere politische Krise aus. Die damalige konservative Zentralregierung in Madrid reagierte, indem sie die Regionalregierung absetzte und Anführer der Unabhängigkeitsbewegung vor Gericht stellte. Neun Unabhängigkeitsbefürworter wurden zu Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt.

Der heutige sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez begnadigte die Verurteilten im vergangenen Juni. Im Vorfeld der Gespräche schrieb der Regierungschef auf Twitter, dass er beim anstehenden Dialog mit der katalanischen Regionalregierung jenes, "was uns vereint", voranbringen und positive Ergebnisse für Katalonien erreichen wolle.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. September 2021 um 03:01 Uhr und 05:07 Uhr.