Französische Fischereifahrzeuge protestieren vor dem Hafen von St. Helier (Jersey, Kanalinseln). | dpa

Kanalinsel Jersey Deeskalation im Fischereistreit

Stand: 06.05.2021 22:18 Uhr

Nach der Eskalation im Fischereistreit vor der Insel Jersey scheint sich die Lage wieder zu entspannen: Die französischen Fischer brachen ihre Blockade eines Hafens ab. Großbritannien zog seine Kriegsschiffe ab.

Im Streit um Fischereirechte zwischen Frankreich und Großbritannien stehen die Zeichen wieder auf Deeskalation: Die britische Regierung zog ihre zwei Kriegsschiffe wieder ab, die sie in das Seegebiet vor die Insel Jersey im Ärmelkanal entsandt hatte. Premierminister Boris Johnson mahnte zur Deeskalation und erklärte, die Schiffe seien nur eine "Vorsichtsmaßnahme" gewesen. Zugleich betonte er, die Marine bleibe in Bereitschaft.

Kurz zuvor hatten französische Fischer ihre Blockade des Hafens von Saint Helier abgebrochen und sich auf den Rückweg nach Frankreich gemacht. Mit Dutzenden Booten hatten sie seit dem frühen Morgen vor Jersey gelegen und ihrer Wut mit Fackeln und Bannern Luft gemacht. "Die Demonstration der Stärke ist vorbei", erklärte der Präsident des Fischereiverbandes der Normandie, Dimitri Rogoff, nach dem Abbruch der Blockade. "Nun ist die Politik am Zug." Frankreich hatte ebenfalls zwei Marineschiffe in die Nähe der Insel entsandt.

Über Twitter dankte Johnson der Royal Navy für ihren raschen Einsatz: "Ich freue mich, dass die Situation in Jersey gelöst wurde." Jerseys Regierungschef John Le Fondre berichtete von konstruktiven Gesprächen mit Vertretern der Fischer. Auch Frankreich versicherte, kein Interesse an einer Zuspitzung zu haben. "Es ist nicht unser Wunsch, für Spannungen zu sorgen", sagte Europa-Staatssekretär Clément Beaune der Nachrichtenagentur AFP.

Fischer-Ärger nach Brexit

Hintergrund ist ein Streit um Fischereilizenzen im Ärmelkanal, der wegen des Brexits erneut hochgekocht ist. Die Insel Jersey liegt rund 30 Kilometer vor der Küste der Normandie, ihre Gewässer gelten als besonders fischreich. Als sogenannter Kronbesitz ist sie nicht Teil des Vereinigten Königreichs, das aber für die Außen- und Sicherheitspolitik der Kanalinsel etwa 25 Kilometer vor der französischen Küste verantwortlich ist.

Nach Pariser Angaben ist es nur noch rund 40 französischen Schiffen erlaubt, vor Jersey ihre Netze auszuwerfen. Beantragt waren demnach Lizenzen für mehr als 340 Boote. Die autonome Verwaltung von Jersey betont, sie halte sich strikt an die Brexit-Vereinbarungen.

Die Fischereirechte waren einer der Knackpunkte in dem Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien, das seit dem 1. Mai vollständig in Kraft ist. Die Briten müssen demnach in ihren Gebieten nur solche Fischerboote zulassen, die dort bereits seit 2012 aktiv sind. Die französischen Fischer beklagen, dies sei nicht leicht nachzuweisen. Ab 2026 sollen europäische Fischer dann auf ein Viertel ihrer Fänge in britischen Gewässern verzichten, das entspricht Erlöseinbußen von rund 650 Millionen Euro im Jahr.

EU-Kommission richtet Vorwürfe an Großbritannien

Die EU-Kommission mahnte die Konfliktparteien zur Zurückhaltung. Die Streitpunkte müssten ruhig besprochen werden, sagte eine Kommissionssprecherin. Zugleich beklagte die Brüsseler Behörde einen britischen Verstoß gegen den Brexit-Handelspakt. "Die Kommission hat Großbritannien klargemacht, dass die Vorgaben des Handels- und Kooperationsabkommens nicht respektiert wurden." Bis zu einer weiteren Begründung aus London sollten die Auflagen nicht gelten.

Stellt die EU förmlich einen britischen Verstoß gegen das Handelsabkommen fest, könnte ein Schlichtungsverfahren angestrengt werden. So weit sei man aber noch längst nicht, hieß es aus der EU-Kommission. Derzeit brauche man vor allem mehr Informationen. Die Kommission stehe in engem Kontakt mit Großbritannien und Frankreich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Mai 2021 um 22:00 Uhr.