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Satelliten-Trümmer im All USA werfen Russland Gefährdung der ISS vor

Stand: 16.11.2021 00:51 Uhr

Zweimal mussten sich die Raumfahrer auf der ISS vor Trümmern im All in Sicherheit bringen. Die USA werfen Russland nun vor, die Fragmente stammten von einem abgeschossenen Satelliten. Das Vorgehen sei gefährlich und verantwortungslos.

Die USA haben Russland vorgeworfen, mit einem Anti-Satelliten-Raketentest die Internationale Raumstation ISS in Gefahr gebracht zu haben. "Wir verurteilen Russlands rücksichtslosen Test", teilte US-Außenminister Antony Blinken am Abend (Ortszeit) mit.

Mit dem Beschuss eines russischen Satelliten sei Weltraumschrott entstanden, "der das Leben von Astronauten, die Integrität der Internationalen Raumstation und die Interessen aller Nationen gefährdet". Auf der ISS hält sich derzeit auch der deutsche Astronaut Matthias Maurer auf.

Trümmer könnten jahrzehntelang in der Umlaufbahn bleiben

Das Weltraumkommando (Space Command) der US-Streitkräfte teilte mit, der Test vom Montag habe bislang mehr als 1500 nachverfolgbare Trümmerteile in der erdnahen Umlaufbahn produziert. Vermutlich würden diese letztlich in Hunderttausende kleinere Trümmer zerfallen und "über Jahre und möglicherweise Jahrzehnte in der Umlaufbahn verbleiben". Dies bedeute "ein erhebliches Risiko für die Besatzung der Internationalen Raumstation und andere bemannte Raumfahrtaktivitäten sowie für die Satelliten mehrerer Länder."

"Russland hat gezeigt, dass es die Sicherheit, den Schutz, die Stabilität und die langfristige Nachhaltigkeit des Weltraums für alle Nationen bewusst missachtet", kritisierte US-General James Dickinson. "Russland entwickelt und setzt Fähigkeiten ein, um den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten und Partnern den Zugang zum Weltraum und dessen Nutzung aktiv zu verweigern."

Nasa beobachtet Trümmerfeld

Zuvor musste die ISS wegen einer möglichen Kollision mit Weltraumschrott zweimal kurzzeitig geräumt werden. Die sieben Raumfahrer hätten sich zwei Mal in zwei an der Station angedockten Raumschiffen in Sicherheit gebracht, sagte der Kosmonaut Pjotr Dubrow der russischen Staatsagentur Tass zufolge. Der deutsche Astronaut Matthias Maurer wechselte laut der Europäischen Weltraumorganisation Esa in die "Crew Dragon". Im Falle eines Zusammenstoßes hätte die Besatzung so schnell zur Erde zurückfliegen können.

Kurze Zeit später gab es jeweils Entwarnung. Die Raumfahrer konnten wieder in die Station zurückkehren. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos teilte mit, das Trümmerfeld habe sich wieder von der ISS entfernt. "Die Station befindet sich in der grünen Zone." Nach Angaben der US-Raumfahrbehörde Nasa dürfte die Gefahr für die ISS noch ein paar Tage anhalten und so die Arbeit der ISS-Besatzung unterbrechen. Man verfolge den Flug des Trümmerfeldes im All.

Test einer Anti-Satelliten-Rakete?

In der Folge wurden Vermutungen laut, der Weltraumschrott könnte durch den Test einer russischen Anti-Satelliten-Rakete entstanden sein. Das auf Daten über Satelliten spezialisierte Unternehmen Seradata erklärte, bei einem solchen Test sei ein alter sowjetischer Satellit namens Cosmos 1408 zerstört worden. Dessen Trümmer könnten jetzt die ISS bedroht haben. Auch der Harvard-Astronom Jonathan McDowell hielt diese Erklärung für möglich.

Das Weltraumkommando der US-Streitkräfte erklärte zunächst lediglich, es wisse von einem "Trümmer-erzeugenden Ereignis im Weltraum". "Wir arbeiten aktiv daran, das Trümmerfeld zu charakterisieren."

Über dieses Thema berichtete der SR in "aktueller bericht" am 15. November 2021 um 19:20 Uhr.