Feuerwehrleute in Portugal. | AP

Hitze in Süd- und Westeuropa Mehr als 1000 Hitzetote in Portugal

Stand: 19.07.2022 23:51 Uhr

In Portugal sind durch extreme Temperaturen mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen. Dramatisch ist die Lage auch in anderen Ländern Süd- und Westeuropas. Bei Bränden in und um London sind mehrere Häuser und Felder abgebrannt.

In Portugal hat die Hitze bislang mehr als 1000 Tote gefordert. Bis zum 18. Juli seien 1063 Menschen an den Folgen der derzeitigen Hitzewelle gestorben, sagte die Chefin der Gesundheitsbehörde, Graca Freitas. Portugal zähle zu den Gebieten in der Welt, die stärker als andere von extremer Hitze betroffen sein dürften. Das Land müsse sich in Zukunft auf Phasen mit höheren Temperaturen besser vorbereiten.

Die Temperatur in Portugal war in der vergangenen Woche auf über 40 Grad Celsius gestiegen. Weite Teile Europas lagen am Dienstag unter einer drückenden Hitzeglocke mit stellenweise noch nie erreichten Höchstwerten.

Verheerende Brände

Begünstigt durch Trockenheit kam es auch in Portugal sowie im Nachbarland Spanien zu verheerenden Waldbränden. Allein in Spanien sind von den Feuern seit der vergangenen Woche mindestens 60.000 Hektar Wald verwüstet worden - das entspricht etwa 80 Prozent der Fläche Hamburgs. "Das ist bezüglich Feuer der schlimmste Notfall seit es Aufzeichnungen gibt", sagte Zivilschutzdirektor Leonardo Marcos dem Radiosender Cadena Ser.

Besonders schlimm war die Lage in Zamora nahe der Grenze zu Portugal und in Ávila nordwestlich von Madrid. In diesen zwei Provinzen mussten seit Sonntag insgesamt rund 10.000 Menschen aus etwa 50 Ortschaften vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. Allein in Zamora machten zwei Brände bereits 30.000 Hektar Wald dem Erdboden gleich. Es gab dort bereits zwei Todesopfer und mindestens 15 Verletzte.

In Portugal sind noch drei größere Waldbrände aktiv, die von knapp 800 Einsatzkräften bekämpft werden. Mehrere Menschen starben bei Bränden oder durch Hitzeschläge. Laut Regierung ist ein Teil der Feuer auch auf Unachtsamkeit und vorsätzliche Brandstiftung zurückzuführen. Mehr als 50 Menschen seien in diesem Jahr bis Mitte Juli unter dem Verdacht festgenommen worden, für Feuerausbrüche im Wald verantwortlich zu sein, erklärte Innenminister José Luis Carneiro vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Rekordtemperaturen in Großbritannien

In Großbritannien wurden in der aktuellen Hitzewelle erstmals örtlich über 40 Grad gemessen. Gegen Mittag waren es in London-Heathrow 40,2 Grad, im ostenglischen Coningsby 40,3 Grad Celsius. Bereits am Vormittag waren in Charlwood nahe London 39,1 Grad erreicht worden, teilte der britische Wetterdienst mit. Bislang hatte der Rekord dort bei 38,7 Grad gelegen, der 2019 erreicht worden war.

Durch die extremen Temperaturen ist der Bahnverkehr in Teilen des Landes lahmgelegt. Wie der Streckennetzbetreiber Network Rail mitteilte, wurde der Betrieb auf den Hauptbahntrassen entlang der englischen Ostküste und in die Midlands komplett eingestellt. Die Menschen wurden aufgerufen, ihre Reisepläne zu ändern.

Feuer in London

Bei einem Großbrand östlich von London wurden mehrere Häuser und Felder zerstört. Rund 100 Feuerwehrleute hätten im kleinen Ort Wellington gegen die Flammen gekämpft, berichtete die Londoner Feuerwehr auf Twitter. Aus weiteren Vororten wurden Grasbrände gemeldet.

Angesichts mehrerer Feuer in und um London hatte die Feuerwehr den Großschadensfall ausgerufen. Zwar hätten noch alle Einsätze abgedeckt werden können, hieß es. Die Notfallstufe auszurufen helfe aber, mehr Kräfte einzusetzen und besser zu fokussieren. Die Feuerwehr bat darum, nur in Notfällen anzurufen und keine Lagerfeuer oder Grills zu nutzen sowie Zigaretten sicher zu entsorgen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan hatte getwittert, die Feuerwehr sei unter immensem Druck.

Störungen auch an Flughäfen

Die extreme Hitze sorgte am Londoner Flughafen Luton bereits für erhebliche Störungen. Durch die hohen Temperaturen sei die Oberfläche des Rollfeldes beschädigt worden, teilte der Flughafen mit. Berichten zufolge mussten mehrere Flüge gestrichen oder umgeleitet werden.

Luftverschmutzung in Frankreich

In Frankreich verursachten Sonne und Hitze Luftverschmutzungen, sodass die Behörden Verkehrseinschränkungen anordneten. In der Region Grand Est im Osten des Landes müssen Autofahrer das Tempo auf Autobahnen und Straßen mit zwei Richtungsfahrbahnen um 20 km/h reduzieren.

Zuvor waren in Frankreich in mehreren Orten die höchsten Temperaturen seit Beginn der Messungen verzeichnet worden. In Brest an der bretonischen Atlantikküste stieg die Temperatur auf 39,3 Grad Celsius und übertraf damit den bisherigen Hitzerekord gleich um mehr als vier Grad. In Nantes wurden 40,3 Grad gemessen, hier stammte der bisherige Rekord von 40,3 Grad aus dem Jahr 1949.

Hitzewelle verschiebt sich nach Osten

Bei dem zweiten Waldbrand in La Teste-de-Buch nahe Arcachon gehen die Behörden davon aus, dass das Feuer durch einen in Brand geratenen Lieferwagen ausgelöst wurde. Ein Altenheim musste geräumt werden.

Die Hitzewelle in Frankreich klingt im Westen des Landes nun voraussichtlich etwas ab. Der Wetterdienst Météo-France hob die höchste Hitzewarnstufe für 15 Départements an der Atlantikküste auf. Für 73 der 101 Départements in Frankreich gilt jedoch weiterhin die zweithöchste Warnstufe. Im Osten des Landes soll es bis zu 40 Grad heiß werden.

Häuser in der Toskana wegen Waldbrandes evakuiert

In Italien sind die Feuerwehren in Alarmbereitschaft und kämpfen landesweit gegen Wald- und Buschbrände. Der Zivilschutz auf Sizilien sprach in einigen Gegenden die höchste Gefahrenstufe für Waldbrände aus. Wegen eines großen Waldbrandes an der italienisch-slowenischen Grenze haben die Behörden in Italien einen Autobahnabschnitt gesperrt und eine Zugverbindung unterbrochen. Nach Angaben des Zivilschutzes in Friaul-Julisch Venetien sei das Feuer am Dienstag bei Monfalcone, einer Adriastadt nördlich von Triest, ausgebrochen. Die Feuerwehr kämpfte aus der Luft und am Boden gegen die Flammen.

In Südtirol kämpften die Einsatzkräfte nahe Bozen unter anderem mit einem Löschhubschrauber gegen einen Waldbrand im Wandergebiet an der Guntschnapromenade. Am Nachmittag meldete die Feuerwehr, das Feuer sei unter Kontrolle gebracht worden. Einige Bewohner hätten aus Vorsicht ihre Häuser verlassen, berichtete Ansa.

In der Toskana brachte die italienische Feuerwehr wegen eines großen Waldbrandes mehrere Bewohnerinnen und Bewohner in Sicherheit. Das Feuer brach in der Gemeinde Massarosa nördlich von Pisa aus, wie die Feuerwehr mitteilte. Laut dem toskanischen Zivilschutz trieben Winde aus Nordosten die Flammen weiter an, sodass sie auch Wohnhäuser bedrohten. Aus diesen wurden rund 30 Menschen evakuiert. Die Behörden sperrten zwischenzeitlich immer wieder eine Verkehrsbrücke, die Lucca und Viareggio verbindet.

Kreta: Tausende Olivenbäume zerstört

Auf Kreta zerstörten schwere Brände südlich der Hafenstadt Rethymno große Flächen landwirtschaftlich genutzten Landes. Dies sagte der Bürgermeister der Region, Giannis Tatarakis, dem griechischen Nachrichtensender "Real FM". Bislang seien es mehr als 1850 Hektar. "Es handelt sich hauptsächlich um Olivenbäume. Die Brandgefahr bleibt wegen der Trockenheit und starker Winde im gesamten Süden Griechenlands sehr hoch, warnte der Zivilschutz.

Im Nordosten der Hauptstadt Athen hatten starke Winde ein kleines Feuer zu einem Großbrand angefacht. Die Lage sei "ernst", sagte der Regionalgouverneur Giorgos Patoulis im Radio. Der Zivilschutz ordnete die Evakuierung von neun Dörfern an.

Trotzdessen herrschen in Griechenland derzeit relativ angenehme Temperaturen um die 30 Grad. Erst Ende der Woche soll es heißer werden, aber nur kurz. Die Hitze in Westeuropa werde wohl nicht in voller Stärke so weit nach Osten vordringen, sagte ein Meteorologe im staatlichen Rundfunk.

Mit Informationen von Nadia Aboulwafi, ARD-Studio Brüssel

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juli 2022 um 20:00 Uhr.