Touristen in einem Straßencafé in Athen | AFP

Griechenland Fällt der europäische Hitzerekord?

Stand: 03.08.2021 10:30 Uhr

48 Grad - so heiß war es in Europa zuletzt vor knapp 45 Jahren. Nun könnte Griechenland den Hitzerekord brechen. Die Folgen spüren auch die Touristen im Land.

Von Verena Schälter, ARD-Studio Athen

Am frühen Abend in Athen fühlt es sich zumindest so an, als würde es ein wenig abkühlen. Doch das Leuchtschild an der Apotheke zeigt um kurz vor sechs Uhr immer noch 43 Grad an. Immerhin mindestens drei Grad kühler als noch zur Mittagszeit. Und es könnte sogar noch heißer werden: Manche Meteorologen rechnen damit, dass diese Woche der europäische Hitzerekord von 48 Grad gebrochen werden könnte. Er wurde am 10. Juli 1977 in Athen gemessen.

Verena Schälter

Aufgrund der anhaltend hohen Temperaturen haben die Behörden nun angekündigt, die Öffnungszeiten der archäologischen Stätten einzuschränken. So werde beispielsweise die Akropolis in Athen zwischen zwölf Uhr mittags und fünf Uhr nachmittags schließen. Dies geschehe, um sowohl die Touristen als auch die Beschäftigten zu schützen, hieß es vom zuständigen Kulturministerium.

Landesweit ruft die griechische Zivilschutzbehörde dazu auf, körperliche Anstrengung tagsüber zu vermeiden und appelliert an Arbeitgeber, schwere körperliche Arbeiten im Freien ab Mittag einzustellen.

"Haben wir seit Jahrzehnten nicht gehabt"

Für die Griechinnen und Griechen sind heiße Temperaturen im Sommer eigentlich nichts Ungewöhnliches - irgendwie arrangiert man sich schon. So wie die junge Athenerin Tatialena. Für eine Klimaanlage fehle ihr das Geld, deshalb habe sie zehn Ventilatoren in der gesamten Wohnung verteilt. Auch Giorgos Chionidis kommt mit der Hitze zurecht, allerdings ist er auch ein bisschen nachdenklich: "Wir sind schon besorgt über den Klimawandel", sagt er. Vor allem sorgt er sich wegen der globalen Erwärmung und damit ist er nicht allein.

Denn auch wenn es in Griechenland Hitzewellen schon immer gegeben hat. In diesem Jahr ist es anders, sagt Christos Zerefos, Klimaforscher an der Akademie von Athen, eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen in Griechenland. Er geht davon aus, dass die Hitzewelle noch mindestens vier Tage anhalten und damit insgesamt fast zwei Wochen andauern werde. "Dieses Mal ist die Intensität und insbesondere die Dauer der Hitzewelle extrem. So eine Hitzewelle haben wir seit Jahrzehnten nicht gehabt", so Zerefos.

1987: 4000 Tote nach Hitzewelle

Eine vergleichbare Hitzewelle gab es zuletzt 1987. Etwa 4000 Menschen starben damals Schätzungen zufolge aufgrund der extremen Temperaturen. Damals waren nur wenige Menschen im Besitz von Ventilatoren oder gar Klimaanlagen und die aufgeheizten Stadtwohnungen wurden vor allem für ältere Menschen zur Todesfalle. Doch obwohl heute deutlich mehr Wohnungen besser ausgestattet sind, gibt es immer noch viele Menschen, die sich keinen Ventilator oder eine Klimaanlage leisten können. Für sie hat die Stadt klimatisierte Hallen eingerichtet.

Massiver Stromverbrauch

Dabei sind es gerade die vielen Klimaanlagen, die den Behörden gleichzeitig große Sorgen bereiten. Denn bereits am Wochenende hat sich abgezeichnet, dass der Stromverbrauch im ganzen Land stark angestiegen ist. Am Montag haben sich deswegen Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, Netzbetreiber und andere Vertreter aus dem Energiesektor zu einem Krisengespräch getroffen.

Mitsotakis versicherte, dass die Behörden aktuell alles in ihrer Macht stehende tun würden, um die Versorgung zu gewährleisten, bat aber gleichzeitig auch die Verbraucher um Hilfe, um die Nachfrage vor allem zu den Stoßzeiten zu reduzieren. Besonders kritisch sei es zwischen 13 und 15 Uhr, sowie nachts, wenn die Photovoltaikanlagen keinen Strom lieferten. Da die Temperaturen aktuell vor allem in den Ballungsräumen auch nachts kaum unter die 30-Grad-Marke sinken, lassen viele Menschen ihre Klimaanlagen auch in der Nacht laufen.

Extreme Wetterphänomene künftig häufiger

Laut Klimaforscher Zerefos müssen sich die Menschen in Griechenland wegen des Klimawandels darauf einstellen, künftig häufiger mit solch extremen Wetterphänomenen konfrontiert zu werden. Das heißt, es wird noch trockener und heißer in Griechenland, was die Gefahr für Waldbrände erhöht. Allein auf der Halbinsel Peloponnes waren am Wochenende laut Zivilschutz knapp 60 Brände ausgebrochen. Die meisten von ihnen seien mittlerweile unter Kontrolle, allerdings wurden mehr als 3000 Hektar Kiefern- und Olivenhaine zerstört.

Waldbrände seien aber nicht die einzige Folge des Klimawandels in Griechenland, sagt Zerefos. In Teilen des Landes sinke der Grundwasserspiegel, mancherorts bildeten sich Wüstenlandschaften, wie in einigen Teilen von Kreta. Und an anderen Stelle erodierten die Küsten.

Sein Institut habe im Auftrag der Bank von Piräus eine Studie durchgeführt, aus der hervorgeht, dass sich die Schäden des Klimawandels in Griechenland bis zum Ende des Jahrhunderts auf etwa 700 Milliarden Euro belaufen - mehr als doppelt so viel wie die aktuelle Staatsverschuldung. "Für größere Länder wie Deutschland wird es noch teurer werden", so Zerefos. Deswegen sei es absolut notwendig, dass die Vereinbarungen des Pariser Klimaabkommens eingehalten und schnellstmöglich umgesetzt werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. August 2021 um 16:00 Uhr.Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 03. August 2021 um 06:40 Uhr.

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Moderation 03.08.2021 • 18:01 Uhr

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