Boris Johnson. | AP

Ukraine-Konflikt Johnson will Militärpräsenz in Osteuropa ausweiten

Stand: 30.01.2022 03:29 Uhr

Großbritanniens Premier Johnson hat im Ukraine-Konflikt angekündigt, die Militärpräsenz in Osteuropa auszuweiten. In Richtung Kreml und Präsident Putin sprach er eine Warnung aus.

Angesichts der zugespitzten Lage um die Ukraine will Großbritannien sein militärisches Engagement in Osteuropa ausweiten. Premierminister Boris Johnson erwägt, die Zahl britischer Soldaten in der Region zu verdoppeln und Estland Waffen zur Selbstverteidigung zu liefern, wie die britische Regierung mitteilte.

Derzeit sind nach offiziellen Angaben mehr als 900 britische Soldaten in Estland stationiert, mehr als 100 in der Ukraine und 150 in Polen.

Johnson spricht von "deutlicher Botschaft" Richtung Kreml

"Dieses Maßnahmenpaket würde dem Kreml eine deutliche Botschaft schicken: Wir werden ihre destabilisierenden Aktivitäten nicht dulden und stehen stets fest an der Seite unserer NATO-Verbündeten angesichts russischer Feindseligkeiten", sagte Johnson. "Falls Präsident (Wladimir) Putin den Weg des Blutvergießens und der Zerstörung wählt, bedeutet dies eine Tragödie für Europa. Die Ukraine muss frei in der Wahl ihrer Zukunft sein."

Dem britischen Premier zufolge, habe er dem Militär befohlen, sich darauf vorzubereiten, die NATO-Verbündeten in Europa zu Land, zu Wasser und in der Luft zu unterstützen.

Telefonat mit Putin geplant

Zuvor war bekanntgeworden, dass Johnson bald mit Putin telefonieren will und eine Reise in die Region plant. Das genaue Ziel wurde bisher nicht genannt. Die britische Regierung will am Montag militärische Optionen diskutieren, hieß es nun. Am Dienstag werde Generalstabschef Tony Radakin das Kabinett über die Lage informieren. In Brüssel sollen zudem die Details des britischen Angebots mit der NATO besprochen werden.

Johnson wolle sich zudem Anfang Februar mit den Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitglieder treffen, hieß es aus Regierungskreisen ohne Details. Außenministerin Liz Truss und Verteidigungsminister Ben Wallace sollen bald für Gespräche nach Moskau reisen. Am Montag will das Außenministerium in London zudem neue Sanktionen bekanntgeben, die Russlands "strategische und finanzielle Interesse" treffen sollen.

Biden will weitere US-Truppen schicken

Nach Angaben von US-Präsident Joe Biden werden die Vereinigten Staaten ebenfalls wegen der Ukraine-Krise bald zusätzliche US-Truppen in die osteuropäischen NATO-Staaten verlegen. Es gehe dabei um "nicht zu viele" Soldaten, schränkte Biden nach Berichten von Journalisten ein. Biden machte keine genaueren Angaben dazu, um wie viele Soldaten es sich handeln könnte.

Russland hat nach westlichen Angaben mehr als 100.000 Soldaten an der ukrainischen Grenze zusammengezogen. Den Westen treibt deshalb die Sorge um, dass Russland nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 einen Einmarsch in das Nachbarland vorbereitet. Vor dem Hintergrund der Spannungen hatte die NATO Anfang der Woche eine Verstärkung ihrer Militärpräsenz in Osteuropa angekündigt.

Der Kreml dementiert etwaige Pläne und verlangte von den USA und der NATO Sicherheitsgarantien. Kernforderungen Russlands nach einer Absage an eine ukrainische NATO-Mitgliedschaft und einen Stopp der Stationierung von NATO-Waffen nahe russischer Grenzen haben die Allianz und die USA zuletzt auch schriftlich abgelehnt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Januar 2022 um 03:46 Uhr.