Ölverschmutzungen in Nigeria

Öl-Leck in Nigeria Britisches Gericht erlaubt Klage gegen Shell

Stand: 12.02.2021 17:33 Uhr

Bewohner des nigerianischen Niger-Deltas werfen dem Ölkonzern Shell vor, Böden und Gewässer in der Region verunreinigt zu haben. Sie dürfen das Unternehmen nun in Großbritannien verklagen.

Nigerianische Bauern und Fischer können den Ölkonzern Royal Dutch Shell vor englischen Gerichten wegen Verschmutzung verklagen. Das entschied das Oberste Gericht Großbritanniens. Mehr als 40.000 Nigerianerinnen und Nigerianer hatten Shell 2015 in Großbritannien verklagt und beschuldigt, dass ihr Wasser durch jahrzehntelange Ölverschmutzung verseucht sei.

Die Bewohnerinnen und Bewohner reichten die Klage in London ein, wo Shell einen Unternehmenssitz hat. Sie begründeten dies damit, dass nigerianische Gerichte zu korrupt seien. Shell hat argumentiert, dass britische Gerichte für den Fall nicht zuständig seien und das Unternehmen nicht für die Ölverschmutzung verantwortlich sei.

Prozess könnte richtungsweisend sein

Der Prozess wird genau beobachtet wegen seiner grundlegenden Bedeutung im Hinblick darauf, ob Großkonzerne wegen der Aktivitäten ihrer ausländischen Tochterunternehmen in London verklagt werden können. Das Oberste Gericht entschied, dass Shell möglicherweise im Hinblick auf das Vorgehen der nigerianischen Tochtergesellschaft eine Sorgfaltspflicht gegenüber den Klägerinnen und Klägern habe.

Zwei Vorinstanzen hatten geurteilt, dass der Mutterkonzern nicht rechtlich verantwortlich sei und die Klage gegen die Tochtergesellschaft Shell Petroleum Development Co. of Nigeria daher nicht vor britischen Gerichten verhandelt werden sollte. Das Oberste Gericht kassierte diese Entscheidung jedoch.

Hoffnung für Menschen im Niger-Delta

Daniel Leader, Anwalt der Klägerseite, sagte, das Urteil biete den Menschen im nigerianischen Niger-Delta, die Shell seit Jahren gebeten hätten, die Ölverschmutzung zu beseitigen, echte Hoffnung. "Es stellt aber auch einen Wendepunkt bei der Verantwortlichkeit multinationaler Unternehmen dar", sagte er. Verarmte Gemeinschaften zögen mächtige Unternehmensakteure zunehmend zur Verantwortung und das Urteil werde diese Möglichkeit erheblich stärken.

Shell begann Ende der 1950er-Jahre, die großen Ölvorkommen Nigerias auszubeuten und ist wegen der Ölverschmutzung zum Ziel von Vorwürfen von Aktivisten und Bewohnern geworden.

Shell weist Vorwürfe zurück

Shell bezeichnete die Entscheidung des Supreme Courts als enttäuschend. Die Verschmutzung im Niger-Delta sei hauptsächlich auf "kriminelle Taten" wie Sabotage und Öldiebstahl zurückzuführen.

Zwei Wochen zuvor hatte ein niederländisches Berufungsgericht die nigerianische Tochter von Shell angewiesen, Bauern zu entschädigen, deren Land 2004 und 2005 durch Öl verschmutzt wurde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Februar 2021 um 18:00 Uhr.