Das Symbol der königlichen Krone, "Crown Stamp", auf einem Pint-Bierglas. | dpa

Großbritannien "Crown Stamp" zurück aufs Bierglas

Stand: 17.09.2021 12:16 Uhr

In Großbritannien dürfen bald wieder ausschließlich die alten Gewichts- und Maßangaben verwendet werden - auch der "Crown Stamp" ist wieder erlaubt. Brexit-Anhänger jubeln, Kritiker schütteln den Kopf.

Aus alt wird neu: Als Folge des Brexits hat Großbritannien zahlreiche EU-Vorschriften gestrichen und damit die Rückkehr zu Warenauszeichnungen mit Pfund und Unze geebnet. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson kündigte an, das imperiale System für Gewichte und Maße wiedereinzuführen, wie die Zeitung "The Times" berichtete. Damit dürfen Geschäfte künftig ihre Waren nur noch in Pfund und Unze auszeichnen - unter EU-Regeln war das nur erlaubt, wenn zugleich das Gewicht in Kilogramm angegeben war.

Brexit-Befürwortern war das Verbot ein Dorn im Auge, sie feiern jetzt die Rückkehr zu englischen Traditionen. Ebenfalls erlaubt ist nun wieder, auf Pint-Gläsern die königliche Krone zu drucken. Als "Crown Stamp" zeigte das Symbol jahrhundertelang das korrekte Eichmaß der Gefäße an. 2007 eingeführte EU-Regeln, an die sich das damalige EU-Mitglied Großbritannien halten musste, ersetzte die Krone durch das einheitliche CE-Zeichen.

Kritiker fürchten große Verwirrung

Die Rückkehr zu den alten Bezeichnungen und Symbolen gilt als demonstrativer Schritt, um sich von der EU weiter abzugrenzen. Starre EU-Regeln, die keine Rücksicht auf britische Traditionen nahmen, waren in der emotionalen Debatte über den EU-Austritt ein wichtiges Argument der Brexit-Befürworter. Johnson hatte angekündigt, mit dem Brexit erhalte Großbritannien seine Souveränität zurück.

Kritiker betonen, dass die Rückkehr zum alten System für große Verwirrung sorgen dürfte: Fast alle Briten, die jünger als 40 Jahre alt sind, seien nicht mehr gewohnt, in Pfund und Unze zu rechnen. Distanzen dagegen wurden auch zu EU-Zeiten stets in Meilen statt in Kilometern angegeben.

Der Streit über die Maßeinheiten hat eine lange Geschichte: Als Startschuss für den Brexit gilt vielen der Fall des Lebensmittelhändlers Steven Thoburn, der 2001 zu einer Geldbuße verurteilt, weil er Bananen im Wert von 34 Pence (heute 40 Cent) nicht in Kilogramm angegeben hatte. "Warum zwingen wir Briten, die Maße Napoleons zu verwenden, wenn das imperiale System in Amerika, der erfolgreichsten Wirtschaft der Welt, überlebt und gedeiht", schrieb Johnson damals als Chefredakteur der konservativen Wochenzeitschrift "Spectator".