Ein Bewohner in Thrakamakedones, nördlich von Athen, versucht ein Feuer zu löschen. | AFP

Waldbrände am Mittelmeer Verzweifelter Kampf gegen die Feuer

Stand: 07.08.2021 19:04 Uhr

Es brennt am Mittelmeer und die Menschen in den betroffenen Gebieten kommen langsam an ihre Grenzen. Immer wieder gibt es neue Feuer. Hilfe aus dem Ausland ist unterwegs - auch aus Deutschland.

In der gesamten Mittelmeerregion breiten sich die seit Tagen wütenden Waldbrände immer weiter aus. In Griechenland bringt der Kampf gegen die Feuer die Menschen an ihre Grenzen - vor allem auf der griechischen Halbinsel Peloponnes und auf der Insel Euböa. Die Arbeit der offiziellen Rettungskräfte konzentriert sich derzeit noch auf die Brände im dichter besiedelten Norden Athens und so versuchen die Bewohner der anderen betroffenen Regionen sich selbst zu helfen.

Fernsehbilder des staatlichen Senders ERT zeigen dramatische Szenen: Mehrere Dutzend Männer wollen den bereits evakuierten Ort Nemouta auf der Halbinsel Peloponnes offenbar nicht aufgeben, sie stehen - nur mit einem Gartenschlauch ausgerüstet - vor meterhohen Flammenwänden. Traktoren fahren durch dichten Rauch, um Wasser zu liefern. Feuer, die binnen Sekunden mit dem Wind die Richtung wechseln, rasen auf den Ort zu.

Im Süden des Peloponnes seien 70 Prozent der Gegend zerstört, sagte die Vizebürgermeisterin des Ortes Ost Mani, Eleni Drakoulakou. "Es ist eine biblische Katastrophe." Katastrophenschutzchef Nikos Hardalias sagte, die Feuerwehr habe es mit einer außerordentlich gefährlichen Lage zu tun, die es so noch nicht gegeben habe. In dieser Woche seien 154 Brände ausgebrochen, von denen 64 immer noch loderten.

Evakuierungen auf Insel Euböa

Auf Euböa wurden bisher 39 Ortschaften evakuiert, für weitere Dörfer gab es am Samstagnachmittag entsprechende Anweisungen per Notfall-SMS. Die griechische Küstenwache stehe bereit, um die Menschen über das Meer zu retten, wenn das Feuer den Landweg abschneide, berichtete die Zeitung "To Proto Thema".

Fanis Spanos, der für Euböa zuständige Gouverneur von Mittelgriechenland, setzte über Facebook einen Hilferuf ab. "Das Feuer geht unvermindert weiter, es verbrennt Wälder und zerstört Häuser, es bedroht Menschenleben! Wir wollen endlich eine ernsthafte Anzahl von Löschflugzeugen, die wir seit dem ersten Tag fordern! Und mehr Löschzüge!"

Bereits in der Nacht mussten 1153 Menschen mit Schiffen aus Küstenorten und von Ständen der Insel Euböa gerettet werden, weil keine andere Fluchtmöglichkeit mehr blieb, wie die Behörden mitteilten.

Bei Athen griffen die Brände auf den letzten größeren Wald in der Gegend über, den Nationalpark am Berg Parnitha. Ein 38-jähriger Freiwilliger wurde von einem umstürzenden Strommast erschlagen. Landesweit sind 20 Menschen verletzt worden. Zwei Feuerwehrleute lagen auf der Intensivstation.

Deutsche Hilfe für griechische Feuerwehr

Die griechische Feuerwehr ist am Rande ihrer Kräfte. Unterstützung bekam sie bereits aus der Ukraine, Zypern, Kroatien, Schweden und Israel. Außerdem sollten weitere Einsatzkräfte aus Rumänien und der Schweiz eintreffen. Ägypten hat zwei Hubschrauber zugesagt, Tschechien 36 Feuerwehrleute und 15 Fahrzeuge, die am Montag eintreffen sollten. Auch das Bundesinnenministerium in Berlin kündigte an, das Technische Hilfswerk (THW) sowie Feuerwehrleute aus Nordrhein-Westfalen und Hessen mit Einsatzfahrzeugen nach Griechenland zu schicken.

Nach ersten Schätzungen liegen in Griechenland mindestens 60.000 Hektar Fläche in Schutt und Asche. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis zeigte sich bestürzt über das Ausmaß der Schäden. Das Wichtigste sei jetzt, den Betroffenen zu helfen, sagte bei einem Besuch der Einsatzzentrale in Athen. Alle niederbegrannten Wälder sollten wieder aufgeforstet werden. "Wenn dieser Alptraum-Sommer vorbei ist, werden wir uns mit großer Anstrengung und, wie ich glaube, unter Mitwirkung der Gesellschaft darauf konzentrieren, die Schäden so schnell wie möglich zu beseitigen", sagte Mitsotakis.

Feuerwehrleute stehen auf einer Straße, während im Hintergrund Flammen aus einem Wald im Dorf Kyrynthos im Norden der Insel Evia aufsteigen. | AFP

Feuerwehrleute im Dorf Kyrynthos im Norden der Insel Evia versuchen, die Flammen zu bekämpfen Bild: AFP

Die Ursache der Brände wird noch ermittelt. Katastrophenschutzchef Nikos Hardalias sagte, am Freitag seien drei Personen festgenommen worden, in zwei Fällen unter dem Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung, unter anderem nördlich von Athen.

Immer neue Brände in der Türkei

Auch in der Türkei ist die Lage weiterhin dramatisch. Tausende Einsatzkräfte kämpfen derzeit gegen die Flammen. Besonders die Küstenregionen im Süden und Westen des Landes sind schwer betroffen. In der Gemeinde Köycegiz in Mugla schliefen die Feuerwehrkräfte in den Einsatzwagen, sagte der Leiter Bahattin Yavuz. Andauernd kämen Nachrichten aus den umliegenden Dörfern über neue Brände - gleichzeitig reisten aus dem ganzen Land viele freiwillige Helfer an. Bisher gab es acht Tote. Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen und vor den Bränden fliehen.

Ein freiwilliger Helfer sitzt vor einem Waldbrand in der Türkei. | AFP

Ein erschöpfter freiwilliger Helfer ruht sich aus, während im Hintergrund Flammen aus einem brennenden Wald in der Nähe von Akcayaka, einer Stadt in der Provinz Mugla, aufsteigen. Bild: AFP

Erdogan: Schlimmste Brände in der Geschichte

Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Brände als die schlimmsten in der Geschichte des Landes. Die Regierung steht zunehmend in der Kritik, zu langsam und unzulänglich auf die Bedrohung reagiert zu haben. Insbesondere der Mangel an Löschflugzeugen und -hubschraubern sorgt für Empörung. Die Türkei ist dadurch in großem Umfang auf Maschinen aus anderen Ländern angewiesen.

Oppositionspolitiker verwiesen auf Zahlen der Forstbehörde, wonach im ersten Halbjahr nur zwei Prozent der für die Bekämpfung von Waldbränden vorgesehenen Gelder in Höhe von umgerechnet rund 20 Millionen Euro tatsächlich eingesetzt wurden. Die Regierung macht dagegen die heimische Luftfahrtvereinigung verantwortlich, die die Löschflugzeugflotte trotz großzügiger Finanzausstattung nicht ausreichend gewartet habe. Rund 5250 Feuerwehrleute und mehr als 80 Hubschrauber, Flugzeuge und Drohnen sowie etwa 1000 Fahrzeuge seien zum Löschen im Einsatz, erklärte Erdogan auf Twitter.

Lage im Süden Italiens verschärft sich immer wieder

Auch im Süden Italiens kämpft die Feuerwehr seit Tagen gegen Brände. Auf der italienischen Insel Sardinien verschärfte sich die Lage immer wieder. Die Feuerwehr meldete in der Provinz Oristano einen Brand in einer Unterkunft für Touristen. Die Einsatzkräfte verhinderten nach eigenen Angaben, dass die Flammen auf die umliegende Vegetation übergriffen. Verletzte gab es nicht.

Auf Sizilien erklärte die Regionalregierung derweil wegen der Waldbrände für sechs Monate den Not- und Krisenfall. Seit Ende Juli brenne es, und in den kommenden Wochen herrsche ein permanentes Risiko durch die außergewöhnliche Wetterlage, so Regionalpräsident Nello Musumeci. Auch hier ist Hilfe aus dem Ausland unterwegs. Wann Hilfskräfte aus Deutschland in Griechenland ankommen werden, ist noch unklar. Details zu Einsatzort, Abmarschzeitpunkt und Fahrtroute würde derzeit mit Griechenland abgestimmt, hieß es in Berlin. Deutschland habe zusätzlich angeboten, die Waldbrandbekämpfung mit der Anmietung von geeigneten Hubschraubern zu unterstützen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. August 2021 um 20:00 Uhr.