Waldbrand im Norden von Athen | AP

Waldbrände am Mittelmeer Pausenloser Kampf gegen die Flammen

Stand: 07.08.2021 00:05 Uhr

Auch in der Nacht ist in den Waldbrandgebieten rund um das Mittelmeer keine Entspannung in Sicht. Im Norden der griechischen Hauptstadt Athen kämpfen die Feuerwehrleute weiterhin gegen haushohe Flammen.

In der Mittelmeerregion wüten die heftigen Waldbrände mit unverminderter Kraft weiter - begünstigt durch weiterhin sehr hohe Temperaturen und starke Winde. In Griechenland mühen sich Feuerwehrleute und freiwillige Helfer auch in der Nacht, der Flammen Herr zu werden: "Wir stehen vor einer weiteren, noch schwierigeren Nacht", sagte der stellvertretende Katastrophenschutzminister Nikos Hardalias. Die Waldbrände seien von noch nie dagewesener Intensität.

Insgesamt hatten die Behörden am Freitag mit 154 Waldbränden im ganzen Land zu kämpfen. Eine besondere Herausforderung für die Feuerwehrleute sind die immer wieder aufflammenden Brände im Norden von Athen, die den See von Marathon einzuschließen und den Berg Parnes zu erklimmen drohten. Die Temperaturen lagen dort tagsüber über 40 Grad Celsius, starke Winde fachten die Flammen an.

Haushohe Flammenwände

Die Flammen dort stiegen am Abend erneut haushoch in den Himmel. Drei weitere große Feuer loderten Kilometer lang in derselben Region und bedrohten mehrere Athener Vorstädte, berichtete das Staatsfernsehen und zeigte Bilder von Autokolonnen, die die Ortschaften verließen. Die Löschflugzeuge und -hubschrauber hatten zuvor den ganzen Tag über vergeblich versucht, die Brände trotz starker Winde unter Kontrolle zu bringen. Bei Einbruch der Dunkelheit mussten sie den Dienst einstellen.

Angespannt ist die Lage aber nicht nur nahe Athen, sondern auch auf der Insel Euböa und auf dem Peloponnes, einschließlich Mani, Messinia und dem antiken Olympia, dem Ort der ersten Olympischen Spiele. Euböa, die zweitgrößten, stark bewaldete griechische Insel, erstickt unter einer einzigen Rauchwolke aus zahllosen Brandherden. Immer wieder mussten Ortschaften evakuiert werden.

Mindestens 18 Menschen verletzt

Seit Dienstag hatten sich die Flammen durch ein großes Gebiet von Pinienwäldern gefressen und das Meer erreicht. Die örtlichen Behörden sprechen von der größten Katastrophe auf der Insel seit 50 Jahren. Hunderte Häuser seien beschädigt, große Acker- und Waldflächen zerstört.

Zwei Menschen in Griechenland starben bislang in Folge der Brände. Mindestens 18 Menschen kamen verletzt in Krankenhäuser. Die meisten litten an Atemwegsbeschwerden, sagte Gesundheitsminister Wassilis Kikilias. Die Kleinpartikel in der Luft erreichten im Zentrum der griechischen Hauptstadt Werte, die als sehr gefährlich für Menschen gelten. Sie waren angehalten, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Zehntausende Menschen in der Türkei evakuiert

Auch in der Türkei kämpfen die Einsatzkräfte weiter gegen die Flammen - inzwischen den zehnten Tag in Folge. Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Brände als die schlimmsten in der Geschichte des Landes.

13 Brände in sechs Provinzen waren nach offiziellen Angaben noch nicht unter Kontrolle. Besonders betroffen sind die Urlaubsregionen Antalya, Marmaris und Bodrum, dort bekommen die Einsatzkräfte die Brände seit Tagen nicht in den Griff. Aus den Küstenregionen wurden bislang Zehntausende Menschen evakuiert, darunter auch Touristen.

Regierung in der Kritik

Die Regierung steht zunehmend in der Kritik, zu langsam und unzulänglich auf die Bedrohung reagiert zu haben. Insbesondere der Mangel an Löschflugzeugen und -hubschraubern sorgt für Empörung. Die Türkei ist dadurch in großem Umfang auf Maschinen aus anderen Ländern angewiesen.

Oppositionspolitiker verwiesen auf Zahlen der Forstbehörde, wonach im ersten Halbjahr nur zwei Prozent der für die Bekämpfung von Waldbränden vorgesehenen Gelder in Höhe von umgerechnet rund 20 Millionen Euro tatsächlich eingesetzt wurden. Die Regierung macht dagegen die heimische Luftfahrtvereinigung verantwortlich, die die Löschflugzeug-Flotte trotz großzügiger Finanzausstattung nicht ausreichend gewartet habe.

Griechenland und Türkei wollen einander helfen

Griechenland und die Türkei wollen sich gegenseitig bei der Bekämpfung von Bränden helfen. Allerdings soll dies erst geschehen, wenn die beiden Staaten die Feuer im jeweils eigenen Land unter Kontrolle gebracht haben. Dies teilte der griechische Außenminister Nikos Dendias mit.

Die beiden Nachbarstaaten streiten sich seit Jahrzehnten um Hoheitsrechte in der Ägäis und um die Zypernfrage. In den vergangenen Monaten hatte sich die Lage weiter zugespitzt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 06. August 2021 um 21:45 Uhr.