US-U-Boot mit Atomantrieb (Archivbild) | AP

U-Boot-Streit mit den USA Paris fühlt sich verraten

Stand: 18.09.2021 17:05 Uhr

Der Konflikt um ein geplatztes U-Boot-Geschäft hat das Verhältnis zwischen Frankreich und den USA nachhaltig eingetrübt. Für Paris ist die Krise ein Signal, sich weiter von dem Partner zu emanzipieren.

Von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

Der geplatzte U-Boot Deal zwischen Frankreich und Australien sorgt für eine tiefgreifende diplomatische Krise. Nachdem die australische Regierung am Mittwoch angekündigt hatte, lieber die nuklearbetriebenen U-Boote der USA zu kaufen als wie vereinbart die konventionellen U-Boote aus Frankreich, beorderte Paris seine Botschafter in den USA und Australien am Freitagabend zurück.

Julia Borutta ARD-Studio Paris

Die Aufkündigung des 56-Milliarden-Euro-Deals sei ein "Dolchstoß in den Rücken", sagte der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian. Der oberste Diplomat Frankreichs nimmt kein Blatt vor den Mund: Es handle sich um ein äußerst "brutales" Vorgehen der USA, das ihn an Donald Trump erinnere, erklärte Le Drian.

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian | AFP

Der französische Außenminister Le Drian ist von den USA enttäuscht Bild: AFP

Er machte damit klar, wie tief enttäuscht die französische Regierung von ihrem "ältesten Verbündeten USA" ist, der, ohne Frankreich in Kenntnis zu setzen, mit den Australiern das neue Sicherheitsbündnis AUKAS geschlossen hat. Dies sei ein inakzeptables Verhalten seitens enger Partner, betonte Le Drian.

Paris erkennt Erklärung nicht an

Dass der Deal - laut der australischen Regierung - nicht stattfinden kann, weil die französischen U-Boote dieselbetrieben sind und dies im Einsatz gegen die chinesischen Atom-U-Boote ein Nachteil sei, hält man in Paris für ein vorgeschobenes Argument. Denn auf Wunsch hätte man auch nukleare Technologie liefern können. Vielmehr muss Präsident Emanuel Macron feststellen, dass sich mit Präsident Joe Biden im Weißen Haus die tektonischen Platten der Diplomatie zugunsten Washingtons verschoben haben.

Das neue Sicherheitsbündnis zwischen Australien, den USA und als Juniorpartner auch Großbritannien bringt die französische Strategie im Indopazifik ins Wanken. Dort wollte man an der Seite Australiens sehr sichtbar ein Bollwerk gegen Chinas Interessen bilden - und gleichzeitig zeigen, dass Frankreich als europäischer Player im globalen Kräftemessen zwischen den USA und China Gewicht hat.

Weiteres Signal für Emanzipierung von den USA

Die von Macron aufgeworfene Frage, ob die EU sich von ihrem Partner USA stärker emanzipieren und auch militärisch unabhängiger werden müsse, hat mit dem geplatzten Deal eine neue Dringlichkeit bekommen - so die französische Lesart.

Während die französische Botschaft in Washington gestern Abend auch eine lang geplante Gala absagte, um der Empörung im Elysée Ausdruck zu verleihen, bemühten sich sowohl die USA als auch Australien darum, versöhnliche Signale nach Paris zu senden. Beide unterstrichen, dass man im Pazifik weiter eng mit Frankreich zusammenarbeiten wolle.

Doch Paris fühlt sich verraten. Man habe nun eine sehr genaue Vorstellung davon, was Washington von seinen Partnern in Europa halte, sagte ein Insider des Elysée der Nachrichtenagentur AFP.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. September 2021 um 07:03 Uhr.