Französische Soldaten halten während einer Pause auf der Fahrt eines Militärkonvois zwischen Gossi und Hombori (Mali) Wache. | AFP

Nach erneutem Putsch in Mali Frankreich setzt Militäroperationen aus

Stand: 04.06.2021 00:33 Uhr

Frankreich hat seine gemeinsamen Militäroperationen mit den malischen Streitkräften ausgesetzt. Das Verteidigungsministerium forderte die Rückkehr einer zivilen Regierung, nachdem es zuvor erneut zum Putsch in Mali gekommen war.

Nach dem zweiten Militärputsch in Mali innerhalb eines Jahres hat Frankreich Konsequenzen gezogen und die gemeinsamen Militäroperationen mit den malischen Streitkräften vorübergehend ausgesetzt. Paris erwarte die Umsetzung des Fahrplans der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS und der Afrikanischen Union zur Rückkehr einer zivilen Regierung in Bamako, hieß es in einer Erklärung des französischen Verteidigungsministeriums, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

In Erwartung dessen habe Frankreich "beschlossen, gemeinsame militärische Operationen mit den malischen Streitkräften vorübergehend auszusetzen", erklärte das Ministerium demnach. Auch Beratungsmissionen sollen temporär ausgesetzt werden. Aus Kreisen des französischen Verteidigungsministeriums verlautete, es liege jetzt "an den malischen Behörden, schnell zu reagieren".

Zweiter Putsch in neun Monaten

In Mali war es vergangene Woche zum zweiten Umsturz innerhalb von neun Monaten gekommen. Nach der Absetzung des bisherigen Übergangspräsidenten Bah Ndaw und des Regierungschefs Moctar Ouane hatte das Verfassungsgericht Oberst Assimi Goita, der bereits den ersten Putsch angeführt hatte, zum neuen Interimspräsidenten erklärt.

Die internationale Gemeinschaft hatte die jüngsten Entwicklungen in Mali scharf verurteilt. Der französische Präsident Emmanuel Macron warnte, dass Frankreich seine 5100 Soldaten in der Region abziehen könnte, sollte Mali unter Goita in den radikalen Islamismus abdriften.

Die Afrikanische Union und die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS fordern, dass in Mali wieder eine zivile Staatsspitze ernannt wird. Die beiden Organisationen hatten Konsequenzen aus dem zweiten Putsch gezogen und Mali aus ihren Organisationen ausgeschlossen. Das französische Verteidigungsministerium verwies auf "rote Linien", die die Organisationen damit aufgezeigt hätten.

Auch 1700 Bundeswehr-Soldaten in Mali

Die frühere Kolonialmacht Frankreich ist in Westafrika massiv im Einsatz gegen Islamistenmilizen; Mali ist ein Schwerpunkt. In den Staaten der Sahelzone - einem Gebiet, das sich südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt - sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv. Einige haben den Terrorgruppen "Islamischer Staat" (IS) oder Al-Kaida die Treue geschworen.

Neben Tausenden französischen Sicherheitskräften sind auch deutsche Soldatinnen und Soldatinnen der Bundeswehr an Missionen der EU und der Vereinten Nationen im Einsatz, um zur Stabilisierung des Landes beizutragen. In Deutschland hat der erneute Putsch eine Debatte über den Bundeswehreinsatz in Mali ausgelöst.

Mit Informationen von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Mai 2021 um 09:59 Uhr.