Ein Apotheker verabreicht eine Spritze mit dem Anti-Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca in einer Apotheke in Paris | AFP
Reportage

Impfkampagne in Frankreich Apotheken werden zu Corona-Alleskönnern

Stand: 15.03.2021 13:54 Uhr

In Frankreich kann man sich seit heute auch in Apotheken impfen lassen - ohne Rezept. Die Regierung will damit die Impfkampagne vorantreiben. Die Organisation vor Ort gestaltet sich aber schwierig.

Von Christina Erdkönig, ARD-Studio Paris

Marina ist Apothekerin in der "Pharmacie La Boetie" ganz in der Nähe der Champs-Elysées in Paris. Seit Tagen fragen Kundinnen und Kunden bei ihr nach, wann man für die Impfung in der Apotheke Termine machen kann. Aber sie muss sie immer wieder vertrösten - denn bisher hat sie keinen Impfstoff bekommen: "Wir stochern ein bisschen im Nebel, weil wir nicht wissen, wann wir eigentlich beliefert werden. Auch nicht, wie viele Impfdosen wir haben werden. Ob es ein oder zwei Impfampullen sein werden."

Auch der Lieferant wisse das nicht genau. Es komme wohl auf die Nachfrage an. "Wir in den Apotheken wissen erst am Tag selbst, an dem wir beliefert werden, wie viele Ampullen wir bekommen. Das ist auch für die Planung schwierig, weil wir dann mit den Patienten schauen müssen, wie wir das organisieren. Wir wissen also nicht, ob wir 10 oder 20 Personen impfen können."

Vorerst nur 280.000 Impfdosen für Apotheken

Natürlich kann sich nicht jeder impfen lassen. Zum einen gibt es vorerst nur 280.000 Impfdosen für die Apotheken und dann auch strenge Vorgaben. Patienten müssen entweder über 75 Jahre alt sein oder wegen schwerer Vorerkrankungen zu einer Risikogruppe gehören und über 50 sein.

In den meisten der rund 80.000 Apotheken in Frankreich soll ausschließlich das Vakzin von AstraZeneca verimpft werden. Der Impfstoff muss zwar nicht tiefgefroren gelagert werden, aber es gibt doch einiges zu beachten, erklärt Marina: "Wenn wir die Ampulle aus dem Kühlschrank nehmen, haben wir nur noch sechs Stunden Zeit. Deshalb werden wir in einem Durchgang zehn Patienten impfen und einbestellen. Das ist nervig für die Organisation."

Apothekerin Marina | Christina Erdkönig

Apothekerin Marina in der "Pharmacie La Boetie" Bild: Christina Erdkönig

Innerhalb eines Nachmittags soll die Impfung dann über die Bühne gehen - in einem kleinen Hinterzimmer, das Marina noch vorbereiten muss. Das Impfen soll nur "sur rendez-vous" möglich sein. Das heißt: Ein Termin muss vorher vereinbart werden. Einige Apotheken wollen das wie bei den Corona-Schnelltests über ein Anmeldesystem per Computer organisieren.

Kundinnen und Kunden begrüßen Impfstart

Marina will die Termine per Telefon oder persönlich vergeben. So plant es auch die Apotheke "Custine" im Pariser Stadtviertel Montmartre. Sie hat bereits Impfdosen erhalten, aber ab heute geht es auch hier noch nicht los, erzählt Apothekerin Sophie: "Erst werden wir die Namen der Patienten aufschreiben, die sich impfen lassen wollen, dann wird geschaut, ob sie die Voraussetzungen erfüllen, und sie müssen einen Fragebogen über ihren Gesundheitszustand ausfüllen. Dann werden wir schauen, wer passt, und die Patienten anrufen."

Die Kundinnen und Kunden begrüßen es, dass jetzt auch in den Apotheken geimpft wird, sagt Cathérine: "Ich finde das sehr gut. Es müssen immer mehr Leute geimpft werden und das ist praktisch in den Apotheken. Das ist gut für die Menschen im Stadtviertel, weil es auch in der Nähe ist."

Adrien ist Mitte dreißig. Er weiß, dass er zur letzten Gruppe gehört, die die Impfung bekommt, stimmt Catherine aber trotzdem zu: "Das ist super. Wenn das gut organisiert wird, um so besser."

"Wir werden die Hausärzte und Impfzentren unterstützen"

Wie das in der Praxis mit den Impfungen in der Apotheke wirklich laufen wird, zeigt sich in den nächsten Tagen. Die französischen Apotheker haben aber schon bei den Corona-Tests bewiesen, dass sie organisieren können. Neben dem normalen Alltagsgeschäft wird die Apotheke in Frankreich schon fast zum Corona-Alleskönner. 

Apothekerin Marina von der Pharmacie "La Boetie" in Paris ist da auch ein bisschen stolz drauf: "Ich denke, dass der Apotheker diese Rolle übernehmen kann. Wir können impfen und haben die Ausbildung dafür. Wir werden so die Hausärzte und Impfzentren unterstützen. Wir können so viel mehr Menschen impfen und die Schlagzahl erhöhen, denn bisher ging es noch zu langsam."

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 15. März 2021 um 12:17 Uhr.