Sanna Marin und Magdalena Andersson geben in Helsinki ein Pressestatement ab. | via REUTERS

Verteidigungspolitik Finnland und Schweden rücken näher zusammen

Stand: 05.03.2022 18:07 Uhr

Der Krieg hat Skandinavien aufgeschreckt: Nach Russlands Angriff auf die Ukraine wollen Finnland und Schweden in Verteidigungsfragen enger zusammenarbeiten. Helsinki kündigte zudem den Kauf eines israelischen Luftabwehrsystems an.

Finnland und Schweden ziehen Konsequenzen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und haben angekündigt, sich noch näher in Sicherheitsfragen abstimmen und ihre Verteidigungsanstrengungen erhöhen zu wollen.

"Unsere Länder sind nicht direkt bedroht, aber es ist klar, dass wir die Sicherheit in unserer eigenen Region gemeinsam bewerten müssen", sagte die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin nach einem Treffen mit der schwedischen Regierungschefin Magdalena Andersson in Helsinki. "In Schweden diskutieren wir derzeit über die weitere Aufstockung der Militärausgaben", sagte Andersson.

Die beiden Politikerinnen verurteilten den russischen Angriff auf die Ukraine scharf. "Wir sind nach vergangener Woche in einer neuen sicherheitspolitischen Situation", sagte Andersson. Die Sicherheitslage habe sich dramatisch geändert.

Debatte über NATO-Beitritt

Anders als Dänemark, Norwegen und Island sind die skandinavischen Nachbarländer Finnland und Schweden keine NATO-Mitglieder, lediglich enge NATO-Partner. War die Mehrheit der Bevölkerung bisher gegen einen NATO-Beitritt, hat die Zustimmung zu einer möglichen Mitgliedschaft in dem Verteidigungsbündnis nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stark zugenommen.

Dazu sagte Marin, es sei verständlich, dass sich die Denkweise der Bürgerinnen und Bürger wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine verändere. "Die Leute sind auch wegen der Sicherheitslage in den nordischen Ländern, in Europa als Ganzes besorgt." Die schwedische Ministerpräsidentin Andersson sagte, die Zusammenarbeit mit der NATO sei vielleicht enger denn je. Über eine weitere Annäherung werde diskutiert.

Finnland will israelisches Luftabwehrsystem kaufen

Über eine engere Zusammenarbeit mit der NATO und Schweden hinaus kündigte Finnland bereits konkrete Schritte zum Ausbau der eigenen Landesverteidigung an. Verteidigungsminister Antti Kaikkonnen sagte dem Fernsehsender Yle, sein Land wolle ein Flugabwehrsystem israelischer Herstellung kaufen. Die Produkte zweier Hersteller stünden zur Auswahl. "Die Situation an unseren Grenzen ist friedlich, aber wir müssen dennoch wachsam sein und unsere Verteidigung stärken", sagte der Minister. "Das ist etwas, was wir immer tun müssen", fügte er hinzu.

Finnland hat mit rund 1300 Kilometern die längste Grenze mit Russland aller EU-Länder. Er gehe davon aus, dass andere EU-Länder nicht tatenlos zusehen würden, sollte Finnland Ziel eines Angriffs werden, so Kaikkonen. Derzeit gebe es aber keine Hinweise auf konkrete Bedrohungen.

Dem vorausgegangen war ein Treffen des finnischen Präsident Sauli Niinistö mit US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus. Bei dem Gespräch, bei dem zeitweise auch Andersson telefonisch zugeschaltet war, war eine intensivierte Zusammenarbeit bei der Verteidigung vereinbart worden. Erst im vergangenen Dezember hatte Helsinki den Ankauf von 64 Kampfjets des US-Herstellers Lockheed Martin angekündigt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Januar 2022 um 09:24 Uhr.