Ein Schif birt ein Auto aus dem Hafenbecken von Ischia | dpa

Erdrutsch auf Ischia Weitere Todesopfer gefunden

Stand: 27.11.2022 20:51 Uhr

Nach dem Unwetter auf Ischia hat die italienische Regierung den Notstand ausgerufen. Damit ist der Weg für schnelle Hilfszahlungen frei. Am Abend bargen die Rettungskräfte weitere Todesopfer - unter ihnen ein Baby.

Nach dem schweren Erdrutsch auf der Insel Ischia hat die italienische Regierung den Notstand für die Insel ausgerufen. Nach einer Krisensitzung des Kabinetts sei eine erste Tranche in Höhe von zwei Millionen Euro für Rettungs- und Wiederaufbauarbeiten freigegeben worden, erklärte Zivilschutzminister Nello Musumeci. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erklärte, die Regierung sei Bürgern, Bürgermeistern und Ortschaften auf Ischia eng verbunden.

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Die Folgen des Erdrutsches auf Ischia

Zahl der Toten auf sieben gestiegen

Die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile auf sieben gestiegen. Das teilte die zuständige Präfektur am Abend im süditalienischen Neapel mit. Unter den Toten sei auch ein erst 22 Tage altes Baby. Fünf Menschen, darunter eine Familie, würden noch vermisst.

Zuvor hatten die Rettungskräfte im stark betroffenen Ort Casamicciola eine 58-Jährige aus Bulgarien, ein sechsjähriges Mädchen, einen elf Jahre alten Jungen sowie einen Mann und eine Frau geborgen.

Bereits am Samstag fanden die Rettungskräfte in dem nördlich gelegenen Küstenort eine 31 Jahre alte Frau in den Schlammmassen. Etwa 150 Feuerwehrleute und circa 220 Polizisten sind im Einsatz. Medienberichten zufolge wurden auch Taucher hinzugezogen. Mittlerweile wurden laut Präfektur etwa 230 Menschen aus ihren Häusern geholt und an anderen Orten, etwa in einem Hotel, untergebracht.

Suche nach Vermissten geht weiter

Italiens Innenminister Matteo Piantedosi erklärte, die Suche nach den Vermissten gehe weiter - die Wetterlage habe sich mittlerweile gebessert. In der Nacht zu Samstag hatten Sturm und Starkregen die Insel getroffen und vor allem in Orten an der Nordküste schwere Schäden angerichtet. An Hängen gingen Erdrutsche ab, Fluten aus Wasser, Schlamm und Gestein trieben durch die Straßen, Autos und Busse wurden beschädigt und teilweise bis ins Meer gespült.

Mehrere Autos wurden durch die Wucht der Wasser- und Schlammmassen ins Meer gespült | REUTERS

Mehrere Autos wurden durch die Wucht der Wasser- und Schlammmassen ins Meer gespült. Bild: REUTERS

Verdacht auf illegale Bebauung

Verschärft wurde die Lage offenbar auch durch Bautätigkeit in Hochrisikogebieten. Die Gegend gilt als Risikogebiet für Erdrutsche. "Es gibt Gelände, das nicht besiedelt werden kann", sagte der Geologe Riccardo Caniparoli im italienischen Fernsehsender RAI. Dabei sei gegen Normen und Gesetze verstoßen worden. Der Sprecher der italienischen Feuerwehr, Luca Cari, sagte, im obersten, an einem Berghang gelegenen Teil der Stadt bestehe weiterhin die Gefahr von Erdrutschen.

Papst Franziskus wandte sich an die Bewohnerinnen und Bewohner der Insel und versicherte ihnen seine Nähe. Er bete für die Opfer und die Rettungskräfte.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 26. November 2022 um 22:50 Uhr.