Blaue Reagenzgläser vor Schriftzug von Pfizer/Biontech | REUTERS

Impfen gegen das Coronavirus BioNTech laut Studie sicher für Kinder

Stand: 28.05.2021 06:53 Uhr

Eine US-Studie hat den BioNTech/Pfizer-Impfstoff als wirksamen Schutz für Kinder ab zwölf Jahren eingestuft. Nun soll die Europäische Arzneimittelagentur über die Zulassung für die Altersgruppe entscheiden.

Eine Studie aus den USA und Kanada kommt zu dem Ergebnis, dass der Impfstoff von BioNTech und Pfizer auch Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren vor einer Covid-19-Erkrankung schützen kann. Das hätten Daten aufgezeigt, die bereits Grundlage für die Notfallzulassung des Impfstoffes in den USA für diese Altersgruppe waren. Die Studie liegt der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) vor, die entscheiden soll, ob das Vakzin auch in der EU für diese Altersgruppe zugelassen wird.

Kein Corona-Fall unter 1000 Kindern

Laut der Studie trat bei mehr als 1000 geimpften Kindern und Jugendlichen kein Covid-19-Fall auf. In der etwa gleich großen, ungeimpften Kontrollgruppe seien es hingegen 16 gewesen. Nach der Impfung sei es allenfalls zu leichten Impfreaktionen wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen gekommen, schreiben die Wissenschaftler im "New England Journal of Medicine".

Weiter wurde betont, dass die positiven Ergebnisse auch Tests bei jüngeren Kindern rechtfertigten. Ebenso bei anderen besonders schützenswerten Gruppen wie schwangeren Frauen.

In der Regel erkranken Kinder und Jugendliche weniger schwer als Erwachsene, aber auch bei ihnen gebe es schwere Fälle, vor allem bei Kindern mit Vorerkrankungen, schreibt das Team um Robert Frenck vom Cincinnati Children's Hospital.

Darüber hinaus spielten Kinder eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung des Virus. Ihre Impfung sei für das Erreichen einer Herdenimmunität wesentlich. Wichtig seien sichere Impfstoffe für diese Altersgruppe aber auch, damit Bildung und soziale Entwicklung nicht weiter behindert würden.

Forscher sprechen von 100 Prozent Wirksamkeit

Die Kinder hätten im Abstand von 21 Tagen zwei Dosen des Impfstoffes (1131 Kinder) oder Placebo-Spritzen (1129 Kinder) mit Kochsalzlösung erhalten, so in der Studie beschrieben. Für jeweils sieben Tage nach den Injektionen notierten die Probanden eventuelle Impfreaktionen. Unerwünschte Wirkungen habe man bis zu sechs Monate nach der zweiten Spritze erfasst.

Die Wirksamkeit einer zweifachen Impfung läge den Forschern zufolge bei 100 Prozent, da es in der Studiengruppe im Vergleich zur Placebogruppe keinen Covid-19-Fall gegeben hätte. Abgesehen davon hätten auch Labortests gezeigt, dass die Impfung eine stabile Immunantwort erzeuge. Sie sei sogar besser als in der Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 25 Jahren.

Wie in anderen Altersgruppen seien die Impfreaktionen, wenn sie auftraten, mild bis moderat gewesen. Die Teilnehmer hätten über Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Fieber geklagt - nach der zweiten Dosis häufiger als nach der ersten. Die Beschwerden seien aber meist innerhalb von wenigen Tagen verschwunden. Schwerere unerwünschte Wirkungen wie Thrombosen oder ein anaphylaktischer Schock seien nicht aufgetreten.

Stimmt EMA Impfungen von Kindern und Jugendlichen zu?

Die EMA will voraussichtlich an diesem Freitag über eine mögliche Zulassung entscheiden. Die Zustimmung gilt als wahrscheinlich. Sobald die Genehmigung der EMA erteilt ist, werde die angepasste bedingte Zulassung in allen 27 Mitgliedsstaaten der EU gültig sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte auf dem Bund-Länder-Gipfel eine Zulassung des Impfstoffes durch die EMA als Voraussetzung für den Start der Impkampagne für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren in Deutschland.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hatte jedoch angedeutet, trotz wahrscheinlicher EMA-Zulassung des Impfstoffes keine allgemeine Impfempfehlung für alle Kinder geben zu wollen, sondern womöglich nur für vorerkrankte Kinder. Die Datenlage zu möglichen Nebenwirkungen sei noch zu dünn, bemängelte die STIKO.

Vertreter der Ärzteschaft äußerten ähnliche Bedenken. Zuvor hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betont, nach der EMA-Zulassung schon vor Beginn der Sommerferien den ersten Kindern ab zwölf Jahren ein Impfangebot machen zu wollen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. Mai 2021 um 22:30 Uhr.