Ein Mann trägt auf der Dresdner Einkaufsstraße Prager Straße eine FFP-2-Maske in der Hand. | dpa

WHO-Chef Tedros "Pandemie ist noch lange nicht vorbei"

Stand: 23.05.2022 15:26 Uhr

WHO-Chef Tedros hat erneut davor gewarnt, im Kampf gegen Corona nachlässig zu werden. Die Welt sei auf kommende Pandemien immer noch nicht gut vorbereitet. Ärztepräsident Reinhardt fordert einen "klaren Corona-Plan für den Herbst".

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) blickt weiterhin mit Vorsicht auf die Corona-Pandemie: So hat der WHO-Generaldirektor, Tedros Adhanom Ghebreyesus, erneut vor einem Nachlassen im Kampf gegen Covid-19 gewarnt. Die Pandemie sei noch lange nicht vorbei, betonte er bei der Weltgesundheitsversammlung in Genf.

Fehlende Vorbereitung auf weitere mögliche Pandemien

Die Welt sei auf die Pandemie nicht vorbereitet gewesen, die Welt sei auch nicht genügend auf eine neue Pandemie vorbereitet, betonte Tedros. Der Äthiopier erklärte, dass die WHO und ihre Partner mehr als 1,5 Milliarden Impfstoffdosen geliefert hätten. Impfkampagnen in 40 Ländern hätten dadurch beginnen können.

Ebenso sind laut Tedros 159 Millionen Tests und Therapeutika von der WHO bereitgestellt worden. Der WHO-Chef sagte mit Blick auf die Aufgaben der Weltgesundheitsorganisation, dass diese stärker und handlungsfähiger sowie nachhaltiger finanziert werden müsse.

Tedros Adhanom Ghebreyesus | AFP

Laut WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus ist die Corona-Pandemie noch lange nicht vorbei. Bild: AFP

Ärztepräsident für konkrete Maßnahmen im Herbst

Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat sich mit Blick auf Corona-Maßnahmen in Deutschland erneut geäußert und forderte sofortiges Handeln von der Politik: "Wir brauchen einen klaren Corona-Plan für den Herbst - und zwar jetzt", sagte er dem "Weser-Kurier". So solle den Risiken einer drohenden Corona-Welle nach dem Sommer wirkungsvoll begegnet werden.

Ein einfacher Lockdown oder eine Maskenpflicht in Innenräumen "werden nicht die geeigneten Mittel sein, um damit umzugehen", so Reinhardt. Ernsthaft gefährdete Gruppen sollten präziser in den Fokus rücken. Reinhardt äußerte sich vor dem Beginn des Deutschen Ärztetages in Bremen. Denkbar seien beispielsweise tägliche PCR-Testungen bestimmter Bevölkerungsgruppen.

Passanten genießen das sonnige Wetter an der Außenalster in Hamburg. | dpa

Nach einem Sommer mit vielen Corona-Lockerungen blickt Ärztepräsident Reinhardt mit Vorsicht auf den Herbst und fordert einen klaren Plan von der Politik. Bild: dpa

Ein weiterer Punkt seien die Sicherstellung und Verfügbarkeit von Therapien, die es mittlerweile für Covid-19 gäbe. "Das sind die sehr wirksamen und gut verträglichen monoklonalen Antikörper, die man sehr früh bei einer Infektion geben muss; vor allem bei den Menschen, die einen schwereren oder sogar tödlichen Verlauf haben könnten", erläuterte Reinhardt. Diese, ebenso wie die antiviralen Mittel, müssten bei Bedarf schnell zur Verfügung stehen: "Es geht darum, dass wir für den Fall stark steigender Infektionszahlen im Herbst gut gerüstet sind."

Psychosoziale Folgen der Pandemie auf Kinder

Die psychosozialen Folgen der Corona-Eindämmungsmaßnahmen auf Kinder und Jugendliche sind ein Schwerpunktthema des Ärztetages, der von morgen an bis Freitag in Bremen berät. "Kinder und Jugendliche sind in der Pandemie nicht nur durch Infektionen gefährdet, sondern vor allem durch Lockdowns, Schul- und Kita-Schließungen und soziale Isolation", so Reinhardt.

Der Ärztepräsident forderte in diesem Zusammenhang zusätzliche Bildungsangebote und Fördermaßnahmen neben der Schule sowie den Auf- und Ausbau von Sozialangeboten, damit zumindest Teile der entstandenen Probleme wieder gutgemacht werden könnten: "Es ist höchste Zeit, das zu tun."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Mai 2022 um 13:30 Uhr.