Ein Mitarbeiter öffnet die Glastüren eines Geschäfts in Prag. | REUTERS

Corona-Pandemie in Tschechien "Wir dürfen die Fehler nicht wiederholen"

Stand: 06.07.2021 02:51 Uhr

Noch sind die Infektionszahlen niedrig, aber die Delta-Variante breitet sich auch in Tschechien aus. Die Regierung will rechtzeitig reagieren, auch mit verschärften Einreiseregeln für die eigene Bevölkerung.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Wer sich am vergangenen Donnerstag gleich zu Beginn der tschechischen Sommerferien auf den Weg in Richtung Adria gemacht hatte, der musste erst einmal einen Stresstest bestehen: Drei Stunden Wartezeit bei der Einreise nach Kroatien, meldete der Nachrichten-Moderator vom Tschechischen Fernsehen.

Peter Lange ARD-Studio Prag

 Tschechien verschärft Einreiseregeln

Denn über Nacht hatte die kroatische Regierung die Einreisebestimmungen geändert. Die Grenzbeamten verlangten nun einen Impfnachweis oder negativen Coronatest. Prag reagierte verärgert, verkündete dann aber selbst eine Verschärfung der Reiseregeln. Wenn die Urlauber zurückkehren, dann steht ihnen zu Hause die gleiche Prozedur bevor.

Wer nach Tschechien einreisen will, muss eine zweifache Impfung nachweisen, wobei die zweite Impfung mindestens zwei Wochen zurückliegen muss. Anderenfalls ist ein Covid-Test fällig. "Die Corona-Situation bei uns stagniert", sagt Adam Vojtech, neuerdings wieder Gesundheitsminister. "In Prag verschlechtert sie sich sogar, auch wenn die absoluten Zahlen noch niedrig sind. Außerdem beobachten wir die Verbreitung der Delta-Variante." Deshalb müsse man auf diese Situation reagieren.

 

Einreiseverbote und Quarantänepflicht

Flächendeckende Grenzkontrollen soll es nicht geben. Aber an den Flughäfen soll konsequent darauf geachtet werden, dass die neuen Bestimmungen eingehalten werden. Für Touristen und Rückkehrer aus einigen Ländern wie etwa Spanien gilt in jedem Fall eine zweiwöchige Quarantäne. Frühestens nach fünf Tagen kann man sich freitesten. Touristen aus Russland, Südafrika, Tunesien und weiterer Staaten dürfen nicht mehr nach Tschechien einreisen. 

Im Land selbst ist in Restaurants und bei Veranstaltungen ebenfalls ein Corona-Test nötig, sofern der oder die Betreffende nicht zweimal geimpft oder genesen ist. Und die Arbeitgeber will die Regierung auch in die Verantwortung nehmen. Rückkehrer sollen gar nicht erst an ihre Arbeitsplätze dürfen, wenn sie nicht vollständig geimpft oder getestet sind.

Mit mobilen Impfteams gegen Delta-Variante

Was die Impfkampagne angeht, soll die Zugangsschwelle gesenkt werden. "Wir ändern die Strategie insoweit, als wir mit neuen Impfstellen dorthin gehen, wo die Menschen sind: in die Firmen, in die Einkaufszentren und die Bahnhöfe", sagt Gesundheitsminister Vojtech. "Dort überall werden mobile Teams tätig sein."

Das Pilotprojekt soll in etwa einer Woche in Prag beginnen. Später sind solche Teams für das ganze Land geplant. Denn der Andrang an den großen Impfzentren hat nachgelassen, weshalb sich jetzt auch Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren anmelden können.

Etwa 30 Prozent der Tschechinnen und Tschechen sind zweifach geimpft, überwiegend die Älteren. Die Jüngeren sind bislang jedoch kaum geschützt. Welche Folgen eine vierte Infektionswelle mit der Delta-Variante hätte, lässt sich noch nicht richtig abschätzen.

"Wir sind wieder zu spät"

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis hat jedenfalls die Bevölkerung darauf eingeschworen, nicht noch einmal dieselben Fehler zu machen wie im vergangenen Jahr. "Vergangenes Jahr im Juni schien uns, dass wir über die Pandemie gesiegt hätten. Einige haben das sogar vorzeitig gefeiert", sagte Babis. "Wir dürfen die Fehler des vorigen Sommers nicht wiederholen. Besonders, was die neuen Mutationen angeht, müssen wir vorsichtig sein."

Libor Grubhoffer, Biologe von der Akademie der Wissenschaften, meint jedoch, dass die Regierung auch dieses Mal den richtigen Zeitpunkt verpasst habe. Die Delta-Variante sei bereits im Land. "Ich denke, es ist wieder nicht gelungen. Wir sind wieder zwei oder drei Wochen, vielleicht einen Monat zu spät", sagt Grubhoffer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Juli 2021 um 05:45 Uhr.