Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen mit Schutzmaske | EPA

Omikron in Dänemark Plötzlich ist die Lage dramatisch

Stand: 17.12.2021 08:15 Uhr

Die Corona-Lage in Dänemark war lange vergleichsweise entspannt. Doch jetzt hat das Nachbarland einen der höchsten Inzidenzwerte weltweit. Das hat mit Omikron zu tun - und zwingt zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Jetzt müssen alle ran: Nicht nur das medizinische Personal soll impfen, sondern auch im Schnellverfahren ausgebildete Zivildienstleistende. Einen Tag lang üben sie an Hühnerbrüsten, dann dürfen sie echte Oberarme piksen.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

"Hühnchenbrust fühlt sich am echtesten an"

"Stell' es dir vor wie Dart spielen", sagt die Ausbilderin und Krankenschwester Annette Jakobsen zu einem jungen Mann und erklärt dann im dänischen Fernsehen, warum sie ausgerechnet mit diesem Fleisch üben: "Hühnchenbrust fühlt sich am echtesten an. Deshalb haben wir den ganzen Supermarkt-Bestand aufgekauft."

Noch schneller, noch mehr impfen, das ist die Strategie gegen Omikron. Bis zum Jahreswechsel sollen zwei Millionen 40- bis 65-Jährige geboostert werden - das ist etwa jeder dritte Einwohner. Denn seit Tagen meldet das Serum Institut - die dänische Gesundheitsbehörde - neue Rekordwerte.

Omikron hat die Situation verändert

Noch nie gab es hier seit Beginn der Pandemie so viele Neuinfektionen. Und Helene Probst vom Institut glaubt, dass der Peak noch nicht erreicht ist. "Wir haben damit gerechnet, dass wir mehr Infektionen im Winter bekommen. Aber Omikron hat die Situation verändert", sagt sie.

Man registriere eine sehr große Anzahl an Infizierten. "Also müssen wir noch mehr tun, um Infektionen vorzubeugen. Wir müssen die Verläufe mildern und das Gesundheitswesen sichern."

Mehr als 9000 mal wurde die neue Omikron-Variante bereits nachgewiesen. Das weiß man in Dänemark deshalb so genau, weil alle positiven PCR-Tests sequenziert werden - es wird also überprüft, um welche Virusvariante es sich handelt. Und das ist auch eine Erklärung dafür, dass es hier eine besonders hohe Fallzahl gibt.

In den Kliniken fehlt Personal

Derzeit befinden sich weniger Menschen in den Krankenhäusern als noch im vergangenen Winter. Dennoch ist Oberärztin Nina Weis vom Hvidovre Hospital bei Kopenhagen besorgt: "Wir haben die unglückliche Situation, dass sehr viele Krankenschwestern nach der zweiten Welle gekündigt haben. Deshalb vermissen wir jetzt in hohem Maße 'helfende Hände' in den Krankenhäusern."

Vor kurzem hat Dänemark zusätzlich zur Impfkampagne auch wieder Restriktionen eingeführt: Clubs sind zu, Bars und Restaurants müssen früher schließen, an vielen Orten gilt 3G.

Mette Frederiksen | EPA

Ministerpräsidentin Frederiksen geht davon aus, dass die Maßnahmen im Land verschärft werden müssen. Bild: EPA

Hoher Schutz vor schwerem Verlauf

Das werde nicht reichen, kündigte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen gestern bei Instagram an. Die Epidemiekommission des Landes arbeite bereits mit Hochdruck an weiteren Einschränkungen. Der landesweite Inzidenzwert liegt bei über 900.

Besondere Situationen brauchen besondere Maßnahmen, findet Krankenschwester Jakobsen, die in einem Tag das Impfen an der Hühnerbrust erklärt. "Es ist eine sehr spezielle Situation. Wir bringen den Leuten etwas bei, wofür wir selbst viele Jahre gebraucht haben. Aber so wie es jetzt aussieht, sind wir dazu gezwungen."

Die Wissenschaftler des Serum Instituts glauben, dass es schwer wird, die Infektionsrate zu senken - weil Omikron so ansteckend sei. Aber eine Impfung schütze mit hoher Sicherheit vor einem schweren Verlauf.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 17. Dezember 2021 um 07:48 Uhr.