Gruppe von Senioren | picture alliance / dpa

Studie zu zweiter Ansteckung Ältere haben höheres Re-Infektionsrisiko

Stand: 18.03.2021 10:39 Uhr

Wie lange bleibt man nach einer Corona-Infektion immun? Das haben Forscher aus Dänemark untersucht. Das Ergebnis: Offenbar sind ältere Menschen schlechter geschützt gegen eine erneute Infektion als jüngere.

Eine Infektion mit dem Coronavirus bietet den meisten Menschen in den Folgemonaten Schutz vor einer Neuansteckung. Bei älteren Menschen über 65 Jahren tritt eine wiederholte Infektion allerdings häufiger auf als bei jüngeren. Zu diesem Ergebnis kommt eine großangelegte Studie in Dänemark, die nun in der Fachzeitschrift "The Lancet" vorgestellt wurde.

Die Autoren der Studie haben dazu umfangreiche Daten analysiert, die in Dänemark im Rahmen einer nationalen Corona-Teststrategie gesammelt worden sind und die erste und zweite Corona-Welle umspannen. Mehr als vier Millionen Menschen wurde 2020 dort mit kostenlosen PCR-Tests getestet; die Ergebnisse machen sich die Dänen auch zu Forschungszwecken zunutze.

72 erneute Infektionen

Laut Angaben der Wissenschaftler erhielten durchschnittlich 0,65 Prozent von denjenigen, die in der ersten Welle positiv getestet wurden, auch in der zweiten Corona-Welle ein positives Testergebnis. In absoluten Zahlen sind das 72 von 11.068 positiv Getesteten in der zweiten Welle. Insgesamt wurden 525.339 PCR-Tests von September bis Dezember durchgeführt.

Ein Unterschied zeigt sich vor allem in den Altersgruppen: Der Anteil der Senioren, die sowohl in der ersten als auch in der zweiten Welle positiv getestet wurde, lag mit 0,88 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. Den Schutz vor einer wiederholten Infektion gaben die Forscher für Menschen über 65 daher mit nur 47 Prozent an. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren, ist in dieser Gruppe um 47 Prozent geringer als in der Bevölkerung, die noch keine Infektion durchgemacht hat. Für jüngere Menschen liegt dieser Wert mit rund 80 Prozent deutlich höher. Andere Faktoren wie etwa das Geschlecht haben demnach nur geringe Auswirkungen auf den Schutz vor einer Re-Infektion.

"Unsere Studie bestätigt, worauf eine Reihe anderer bereits hingedeutet haben", erklärte einer der Autoren der Studie, der Epidemiologe Steen Ethelberg vom dänischen Gesundheitsinstitut SSI. "Eine Neuansteckung mit Covid-19 ist bei jungen, gesunden Menschen selten, für Ältere besteht aber ein höheres Risiko, sich noch mal anzustecken."

Schutz für mehrere Monate

Wie lange der natürliche Immunschutz besteht, ist nicht genau festzumachen. Es sei aber gut möglich, dass der Schutz länger als ein halbes Jahr anhält, erklärte Daniela Michlmayr, eine der Autorinnen. "Wir haben in der Studie keine Hinweise gefunden, dass der Schutz vor einer erneuten Infektion innerhalb der sechs Monate abnimmt."

AHA-Regeln weiter beachten

Diese Erkenntnisse zeigen nach Ansicht der Forscher, dass Maßnahmen zum Schutz älterer Menschen, wie Abstandhalten und Impfen, auch für diejenigen von grundlegender Bedeutung sind, die bereits Covid-19 gehabt haben. Ihre Analyse lege weiterhin nahe, dass auch Menschen geimpft werden sollten, die sich bereits mit dem Coronavirus angesteckt hatten. Auf den natürlichen Schutz lasse sich besonders bei den Älteren nicht vertrauen.

Die Forscher weisen darauf hin, dass es angesichts des Zeitrahmens der Studie nicht möglich war, den Schutz vor einer wiederholten Infektion mit den Virus-Varianten abzuschätzen. Die zuerst in England aufgetretene Variante B.1.1.7 macht in Dänemark mittlerweile mehr als 90 Prozent aller analysierten Corona-Neuinfektionen aus.

Impfungen auch für Genesene wichtig

Die neuen Daten seien besorgniserregend, zitiert "The Lancet" die nicht an der Studie beteiligten Forscher Rosemary J. Boyton und Daniel M. Altmann vom Imperial College in London. "All diese Daten sind eine Bestätigung dafür, dass im Fall von Sars-CoV-2 die Hoffnung auf eine schützende Immunität durch eine natürliche Infektionen möglicherweise nicht in Reichweite ist und dass ein globales Impfprogramm mit hochwirksamen Impfstoffen die dauerhafte Lösung ist."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. März 2021 um 11:02 Uhr.