Der britische König Charles III. hält nach dem Tod von Königin Elisabeth II. im Buckingham Palace seine erste Ansprache an die Nation und das Commonwealth. | dpa

Rede an die Nation Charles III. verspricht lebenslangen Dienst

Stand: 09.09.2022 20:33 Uhr

Der neue britische König Charles III. hat sich in einer Rede erstmals an die Nation und das Commonwealth gewandt. Dabei erneuerte der Monarch ein Versprechen seiner verstorbenen Mutter Queen Elizabeth II..

Der britische König Charles III. hat seine erste Rede an die Nation als Monarch gehalten. Er sagte in der Ansprache, dass er "tiefe Trauer" wegen des Todes seiner Mutter, Queen Elizabeth II., verspüre. Er versprach, ebenso wie seine Mutter der Nation lebenslang zu dienen. Diese habe einst versprochen, "ihr ganzes Leben, möge es kurz oder lang sein", dem Dienst an ihren Untertanen zu widmen. "Und wie die Queen selbst mit solch unerschütterlicher Hingabe, verpflichte auch ich mich jetzt für die übrige Zeit, die Gott mir gewährt, die konstitutionellen Prinzipien im Herzen unserer Nation hochzuhalten."

Während seiner Rede, die zuvor im Buckingham-Palast aufgezeichnet wurde, stand neben ihm ein Foto der verstorbenen Königin auf einem Schreibtisch. Die Ansprache wurde im britischen Fernsehen ausgestrahlt und in der St. Paul's Cathedral in London gezeigt. Dort nahmen rund 2000 Menschen an einem Gedenkgottesdienst für die Königin teil. Unter den Anwesenden waren die Premierministerin Liz Truss und Mitglieder ihrer Regierung.

"Danke, liebste Mama"

Direkt an seine verstorbene Mutter gewandt, sagte Charles: "Liebste Mama, während du deine letzte große Reise zu meinem lieben verstorbenen Papa beginnst, will ich nur eines sagen: Danke. Danke für deine Liebe und Hingabe für unsere Familie und für all die Nationen, denen du so fleißig gedient hast in all den Jahren."

Zuneigung, Bewunderung und Respekt seien zum Markenzeichen der Regentschaft seiner Mutter geworden, so Charles weiter. Jedes Mitglied seiner Familie könne bezeugen, dass die Queen dies mit "Wärme, Humor und einer unbestechlichen Fähigkeit, das Beste im Menschen zu sehen", verbunden habe.

Thronfolger William ist nun Prinz von Wales

Charles III. verkündete außerdem, dass er seinen Sohn und Thronfolger William zum neuen Prinzen von Wales ernannt habe. Es sei ein Privileg gewesen, diesen Titel zu tragen, sagte Charles. Er sei sich sicher, dass William (40) und dessen Frau Kate (40) als Prinz und Prinzessin von Wales weiterhin die britische Gesellschaft inspirieren und nationale Debatten anführen würden.

Bislang hatte Charles selbst den Titel Prinz von Wales getragen. Seine Frau Camilla - nun "Queen Consort" - trug den Titel Herzogin von Wales. Mit dem Tod von Queen Elizabeth II. am Donnerstag wurde der 73 Jahre alte Charles zum britischen König.

Zu seinem jüngeren Sohn Harry (37) und dessen Frau Meghan (41) äußerte sich Charles versöhnlich. "Ich will auch meine Liebe zu Harry und Meghan zum Ausdruck bringen, die sich weiterhin ein Leben in Übersee aufbauen", sagte der 73-Jährige. Harry und Meghan hatten sich vor mehr als zwei Jahren vom engeren Kreis des Königshauses losgesagt und leben inzwischen mit ihren Kindern Archie (3) und Lilibet (1) im US-Bundesstaat Kalifornien. Mit seinem Vater Charles und seinem älteren Bruder William hatte sich Harry überworfen.

"Eine sehr persönliche und sehr wichtige Rede"

Nach Einschätzung von ARD-Korrespondentin Anette Dittert wollte Charles in seiner Rede vor allem seine Trauer deutlich machen und teilen. "Das war insgesamt eine sehr persönliche und sehr wichtige Rede."

Wie er seine Rolle als britisches Staatsoberhaupt ausfüllen will, werde sich allerdings erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen - die nächsten Tage stünden ganz im Zeichen der Trauer.

Nationale Trauerphase hat begonnen

Die britische Regierung hatte zuvor den Beginn einer nationalen Trauerphase wegen des Todes von Queen Elizabeth II. ausgerufen. Sie gilt bis zum Ende des Tages, an dem das Staatsbegräbnis stattfindet. Der 19. September gilt dafür als wahrscheinlichstes Datum, das die Königsfamilie nennen wird.

Die Regierung gab auch eine mehrseitige Handlungsempfehlung heraus, in der sie erläutert, wie etwa Geschäftsinhaber, Privatpersonen, öffentliche Einrichtungen und Organisationen ihrer Trauer Ausdruck verleihen können. So müssen zum Beispiel Veranstalter ihre Unterhaltungs- oder Sportereignisse nicht absagen oder verschieben.

Die Länge der nationalen Trauerphase müsse nicht mit der des Königshauses übereinstimmen, erläuterte die Regierung. In einer Mitteilung des Palasts hatte es zuvor geheißen, es sei der Wunsch des neuen Königs Charles III., dass eine Phase der königlichen Trauer "von jetzt bis sieben Tage nach dem Begräbnis der Queen" beachtet werde.

Vor seiner Rede hatte sich Charles III. im Buckingham-Palast mit der neuen Premierministerin Liz Truss zu einem ersten Gespräch getroffen. Morgen wird er offiziell als britischer König proklamiert. Die Verkündung erfolgt durch Mitglieder des Kronrates, der sich überwiegend aus aktiven und ehemaligen Regierungsmitgliedern, Kirchenvertretern, Richtern und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zusammensetzt.

Wie der Buckingham-Palast mitteilte, soll die Zeremonie um 11.00 Uhr (MESZ) im St.-James's-Palast in London beginnen. Die Proklamation soll vom Schlossbalkon und anschließend von weiteren Orten im Vereinigten Königreich verlesen werden. Allerdings ist dieser Akt eher symbolisch: Bereits im Augenblick des Todes der Queen war die Krone automatisch an ihren ältesten Sohn übergegangen.

Ebenfalls am Samstag soll Charles mit Premierministerin Liz Truss und dem Kabinett zusammentreffen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. September 2022 um 19:00 Uhr.