Ein ausgebrannter Reisebus auf einer Autobahn in Bulgarien. | AP

Bulgarien Mindestens 46 Tote bei Busunfall

Stand: 23.11.2021 16:59 Uhr

Mit vielen Familien an Bord war der Bus auf dem Weg von Istanbul zurück nach Skopje, als am frühen Morgen der Unfall geschah. Der Bus knallte gegen eine Leitplanke und ging in Flammen auf. Nur wenige Insassen überlebten.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Skopje heute Vormittag. Vor dem Hauptsitz des Reiseunternehmens, dem der verunglückte Bus gehört, versuchen verzweifelte Angehörige ihre Familienmitglieder zu erreichen. Xhelal Bakiu hat Glück. Sein Cousin war zwar auf der Strecke unterwegs, saß aber in einem anderen Bus: "Bis zum letzten Moment waren wir in Ungewissheit, aber jetzt haben wir erfahren, dass er am Leben ist. Er hat sich zum Glück gemeldet und ist wohlauf."

Srdjan Govedarica ARD-Studio Wien

Unterwegs von Istanbul nach Skopje

Der Unglücksbus war in Istanbul in der Türkei gestartet. Ziel war die nordmazedonische Hauptstadt Skopje. Nach offiziellen Angaben starben 46 Menschen. "Es handelt sich um junge Familien, die das verlängerte Wochenende wegen eines Feiertags am Montag für einen Ausflug genutzt haben", sagt Nordmazedoniens Außenminister Bujar Osmani, der bereits am frühen Morgen nach Sofia gereist war. Nordmazedoniens Ministerpräsident Zoran Zaev ist inzwischen ebenfalls in Sofia.

Die meisten Passagiere seien Staatsbürger Nordmazedoniens gewesen, sagt er. "Die Menschen stammen aus allen Ethnien unseres Landes. Wir haben auch einen Bürger Serbiens, der mit seinen Verwandten auf dem Rückweg aus Istanbul war. Und auf der Liste steht auch ein Passagier mit belgischem Pass."

Überlebender spricht von Explosion

Wie es zu dem Unfall kommen konnte, wird noch ermittelt. Fest steht, dass der Bus in den frühen Morgenstunden gegen die Leitplanke der Struma-Autobahn geknallt und in Flammen aufgegangen war - etwa 40 Kilometer von Sofia entfernt. Ob das Feuer vor oder nach dem Zusammenprall ausgebrochen ist, lässt sich zur Zeit nicht sagen. Einer der Überlebenden soll gegenüber Ministerpräsident Zaev von einer schrecklichen Explosion gesprochen haben, die ihn aus dem Schlaf gerissen habe.

Verkehrsingenieur Wasko Pirgow, Beamter der Regionalverwaltung der Stadt Pernik, war einer der ersten am Unfallort. Er hält menschliches Versagen für die wahrscheinlichste Unfallursache, und glaubt, dass der Fahrer sich verfahren und an einer Ausfahrt das Lenkrad verrissen habe.

Der rechte Vorderreifen stieß gegen ein Verkehrsschild. Er wurde abgerissen und flog 45 Meter zur Seite. Dann geschah die Tragodie.

Das Feuer entzündete sich vorn. Diejenigen, die hinten im Bus saßen und derzeit im Krankenhaus sind, hätten die rechte Heckscheibe eingeschlagen und seien rausgesprungen. Die Überlebenden werden im Notfallkrankenhaus Pirogow in Sofia behandelt.

Überlebende außer Lebensgefahr

Iwan Poromanski, Geschäftsführer des Krankenhauses teilte mit: "Die Patienten sind in einem stabilen Zustand. Es besteht keine Lebensgefahr. Bulgariens Interims-Regierungschef Stefan Janew besuchte den Unglücksort am Morgen und äußerte sich dort tief betroffen. "Es ist eine riesige Tragödie" sagte Janew und sprach den Hinterbliebenen der Opfer sein Beileid aus.

Der geschäftsführende Innenminister Boiko Raschkow - ein ehemaliger Kriminalbeamter mit langjähriger Berufserfahrung, zeigte sich ebenfalls erschüttert: "Das Bild ist erschreckend und kaum zu ertragen. So etwas habe ich noch nie gesehen. Die Menschen liegen verkohlt auf einem Haufen." Alle Todesopfer müssten nun identifiziert werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. November 2021 um 12:00 Uhr.