Einer Barrikade aus mit Steinen beladenen Lastwagen in Mitrovica im Kosovo.

Brisante Lage im Kosovo Serben errichten Barrikade in Mitrovica

Stand: 27.12.2022 15:29 Uhr

Im Kosovo spitzt sich die Lage zwischen Serben und albanischen Kosovaren weiter zu. Militante Serben blockierten Verkehrswege in der ethnisch geteilten Stadt Mitrovica. Sie erkennen den Kosovo als Staat nicht an.

Militante Serben haben im Norden des Kosovos weitere Verkehrswege blockiert. Sie sperrten in der ethnisch geteilten Stadt Mitrovica eine Straße mit beladenen Lastkraftwagen und weigerten sich zugleich, zuvor errichtete Blockaden wegzuräumen. Bislang hatten sie nur Straßen blockiert, die zur Grenze führen.

In Mitrovica leben sowohl Albaner als auch Serben, landesweit stellen ethnische Albaner die Bevölkerungsmehrheit. Die blockierte Straße verbindet den mehrheitlich serbischen Teil der Stadt mit dem mehrheitlich albanisch bewohnten Teil.

Die ersten Straßenblockaden waren errichtet worden, um die Festnahme eines Ex-Polizisten zu verhindern. Der Serbe soll bei einer früheren Demonstration Polizeibeamte des Kosovo angegriffen haben. Die Straßenblockierer fordern nun unter anderem seine Freilassung.

Serbien befeuert Spannungen im Kosovo

Die im Norden des Kosovo lebende Minderheit aus etwa 50.000 Serben weigert sich, die Regierung in Pristina oder den Kosovo als Staat anzuerkennen. Dabei werden sie von Serbien unterstützt, von dem sich das Kosovo 2008 unabhängig erklärt hatte und das die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos ebenfalls nicht anerkennt. Die serbische Regierung sieht zudem die Serben im Kosovo durch die albanische Bevölkerung schikaniert. Sie unterstützt auch die militanten Serben im Nord-Kosovo.

Kurti appeliert an KFOR

Der kosovarische Ministerpräsident Albin Kurti rief nun die von der NATO geführte Friedenstruppe KFOR auf, die Straßenblockaden zu beseitigen. Serbien bat die KFOR dagegen, 1000 Soldaten in den größtenteils von Serben bewohnten Norden des Kosovo entsenden zu dürfen. Eine Genehmigung ist unwahrscheinlich.

Die KFOR und die EU haben die Regierungen in Pristina und Belgrad aufgefordert, sich zurückzuhalten und Provokationen zu vermeiden.

Zuvor hatte der serbische Präsident Aleksandar Vucic die serbischen Streitkräfte im Zusammenhang mit den Spannungen erneut in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Der serbische Innenminister Bratislav Gasic erklärte, Ziel sei es, "alle Maßnahmen zu ergreifen, um das serbische Volk im Kosovo zu schützen".

Auf dem Foto der Pressestelle des serbischen Verteidigungsministerium sind 155-mm-Haubitzen nahe der Grenze zum Kosovo in Südserbien zu sehen.

Nach Schüssen in der Nähe von serbischen Straßenblockaden im Kosovo hat sich die Lage weiter verschärft. mehr

"Klare und präzise Anweisungen"

Die Sicherheitskräfte seien dem Kommando von Generalstabschef Milan Mojsilovic unterstellt worden, hieß es weiter. Mojsilovic sagte lokalen Medien, die Armee habe "klare und präzise Anweisungen" von Vucic erhalten.

Die Lage sei "ernst" und erfordere die "Präsenz der serbischen Streitkräfte entlang der administrativen Grenze" zum Kosovo, zitierte ihn der Staatssender RTS. Was der Befehl vor Ort bedeutete, war zunächst unklar - zumal die serbischen Truppen an der Grenze seit geraumer Zeit in Alarmbereitschaft sind.

Eva Frisch, ARD Wien, zur Anordnung Serbiens zur Kampfbereitschaft

tagesschau24 12:00 Uhr

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Dezember 2022 um 12:00 Uhr und um 14:00 Uhr.