Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und Israels Außenminister Jair Lapid auf dem Weg zur gemeinsamen Pressekonferenz im Februar 2022. Beide tragen Corona-Schutzmasken. | REUTERS

Baerbock in Israel "Allen Wurzeln des Antisemitismus entgegentreten"

Stand: 10.02.2022 13:32 Uhr

Bei ihrem Antrittsbesuch in Jerusalem hat Außenministerin Baerbock zum Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen und die Freundschaft mit Israel unterstrichen. Deutliche Kritik übte sie am Siedlungsbau in den Palästinensergebieten.

In Israel als erste Station ihrer Nahost-Reise hat Bundesaußenministerin Annalena Baerbock die tiefe Freundschaft zwischen beiden Ländern betont und den gemeinsamen Kampf gegen den "wachsenden Antisemitismus in Deutschland und der Welt" als zentrale Aufgabe in den Fokus gestellt.

"Deutschland steht unverrückbar für die Schrecken der Vergangenheit", erinnerte Baerbock an die Gräueltaten während des Nationalsozialismus. Doch in diesem geschichtlichen Erbe sehe sie auch "einen Auftrag für die Zukunft". Antisemitismus habe viele Wurzeln, so die Grünen-Politikerin weiter, "denen es allen gleichermaßen entgegenzutreten gilt".

Baerbock griff in diesem Zusammenhang auf ein Zitat des Schriftstellers Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1934 zurück:

Ein Land macht nicht nur aus, was es tut, sondern auch was es toleriert.

Austausch über gemeinsames Jugendwerk

Sowohl die Bundesaußenministerin als auch ihr israelischer Amtskollege Jair Lapid sehen in dem Dialog und gemeinsamen Austausch gerade jüngerer Generationen aus beiden Ländern einen Weg, Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen. Etwa durch den Ausbau eines gemeinsamen Jugendwerkes, führte Lapid an.

Auch Baerbock betonte, dies sei ein Weg, "nicht nur aus Schulbüchern etwas über jüdisches Leben zu lernen und zu erfahren".

"Siedlungsbau mit Völkerrecht nicht vereinbar"

Doch Baerbock übte auch klare Kritik mit Blick auf den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern: Der von Israel betriebene Siedlungsbau in den Palästinensischen Gebieten sei "mit dem Völkerrecht nicht vereinbar". Auch die Ampel-Koalition sehe in der Zwei-Staaten-Lösung, für die sich Deutschland bereits seit Jahren einsetzt, die beste Option für ein friedliches Zusammenleben.

Der derzeitige "Status quo führt immer wieder in die Eskalation", warnte Baerbock. Und natürlich sei es schwierig, Vertrauen aufzubauen in einer Situation, in der immer wieder Raketen fliegen. Doch gerade darum dürfe es keine einseitigen Schritte geben, betonte Baerbock weiter.

Dialog sei der beste Weg hin zu einer Lösung. Und Deutschland werde bestmöglich die Wiederaufnahme von direkten Verhandlungen, um einen Kompromiss unterstützen.

Baerbock plant auch einen Besuch in den Palästinensergebieten. Dort will sie mit Präsident Mahmud Abbas und Außenminister Riad Malki Gespräche führen. Die Treffen finden in Ramallah im Westjordanland statt. Der Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern liegt seit 2014 weitgehend brach.

Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem

Vor den gemeinsamen Gesprächen mit Israels Außenminister Lapid hatte Baerbock in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem der von Nazi-Deutschland ermordeten sechs Millionen Jüdinnen und Juden gedacht und auch hier zum entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen. "Es ist unsere unbedingte Verpflichtung, gerade als jüngere Generation die Erinnerung wach zu halten, insbesondere wenn immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen unter uns sind", sagte sie in Jerusalem.

"Und es ist unsere Verantwortung, unsere Stimme zu erheben gegen Antisemitismus, gegen Hass und Hetze, gegen Ausgrenzung und Gewalt, damit ein solches Menschheitsverbrechen sich nie mehr wiederholt", sagte Baerbock. Damit die Kinder dieser Erde alle eine Zukunft haben."

"Nicht verstummen"

"Der Gedanke an den Schmerz jedes einzelnen Kindes, jeder einzelnen Mutter, jedes einzelnen Vaters ist kaum zu ertragen", sagte sie. "Aber Yad Vashem, der schmerzvolle Ort, fordert von uns gerade nicht zu verstummen, nicht zu verharren. Yad Vashem mahnt uns, die Stimmen jener, die das Grauen selbst erlebt haben, zu hören und ihre Worte weiterzugeben."

Die Ministerin besuchte auch das Denkmal für die Kinder. Als sie in ihrem Statement über die jüdischen Kinder unter den Holocaust-Opfern sprach, stockte Baerbock die Stimme.

Zum Auftakt ihres Antrittsbesuchs in Israel und im Nahen Osten entfachte die Grünen-Politikerin in der Halle der Erinnerung eine Gedenkflamme und legte einen Kranz nieder.

Über dieses Thema berichteten am 10. Februar 2022 tagesschau24 um 11:00 Uhr sowie um 12:00 Uhr und die tagesschau u.a. um 12:00 Uhr.