Annalena Baerbock bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt des Kosovo, Pristina.  | AFP

Debatte um Energieimporte Baerbock warnt vor Gas-Importstopp

Stand: 11.03.2022 08:27 Uhr

Mit sehr deutlichen Worten warnt Außenministerin Baerbock vor einem sofortigen Importstopp von Gas und Öl aus Russland. Die Auswirkungen für Europa wären drastisch und würden Putin in die Hände spielen.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Pristina

Es sind eindringliche Worte, die Annalena Baerbock wählt, um die Folgen eines sofortigen Verzichts auf russisches Öl und Gas zu beschreiben: Dann nämlich hätte man in Deutschland und Europa "in ein paar Wochen keinen Strom und keine Wärme mehr", befand die Außenministerin.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

"Wie viele Tage würden wir aufrechterhalten können, dass Leute nicht mehr zur Arbeit fahren können, dass wir in Kindergärten keinen Strom mehr haben, wir Krankenhäuser nicht mehr am Laufen halten können?" fragte sie und fügte noch an: "Das ist genau die Destabilisierung, die sich der russische Präsident nur wünschen würde."

Unabhängig von Russland werden

Es war eine ungewöhnlich drastische Schilderung, mit der die Grünen-Politikerin auf die Frage nach möglichen Importstopps für russische Energielieferungen bei einer Pressekonferenz im Kosovo reagierte. Baerbock bereist derzeit den Balkan.

"Wenn wir einen Hebel hätten, diesen Krieg morgen zu stoppen, würden wir es heute tun", unterstrich die Ministerin. Der russische Präsident verfüge aber über genügend Reserven, auch im fossilen Bereich, um noch über Monate weiter zu bomben. Die Lösung sieht die Grünen-Politikerin eher darin, sich so schnell wie möglich weniger energieabhängig von Russland zu machen.

"Auch mal frieren für die Freiheit"

Seit Beginn des Putin'schen Angriffskriegs gegen die Ukraine gibt es Kritik daran, dass Europa und insbesondere Deutschland mit dem Gasimport die Kriegskasse des russischen Präsidenten füllen würden.

Als "moralisch nicht mehr tragbar" bezeichnete angesichts der zivilen Opfer in der Ukraine der Botschafter des Landes, Andrej Melnyk, die Haltung der Bundesregierung. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck befand in der ARD, man könne "auch mal frieren für die Freiheit". Bislang lehnt die Ampel-Regierung jedoch einen Komplettverzicht auf Energielieferungen aus Russland ab.

Russland will Einfluss auf dem Balkan ausbauen

Auf ihren bisherigen Reisestationen - Bosnien-Herzegowina und Kosovo - warb die deutsche Außenministerin für eine engere Bindung des Westbalkans an die EU. Einer der Gründe: Auch Russland versucht in der Region beständig, seinen Einfluss auszubauen.   

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 11. März 2022 um 10:12 Uhr sowie Inforadio um 06:41 Uhr.