Edi Rama | AP

Parlamentswahl in Albanien Sozialisten verteidigen wohl die Macht

Stand: 27.04.2021 12:59 Uhr

Die Partei von Ministerpräsident Edi Rama liegt laut Prognosen deutlich vorne. Ob sie weiter die absolute Mehrheit im Parlament halten können, ist jedoch noch unsicher.

Von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

Welche Partei sie gewählt hat, sagt Sonila Sedika nicht, doch was sie von der nächsten Regierung erwartet, das formuliert die Dozentin aus Tirana klar und deutlich: "Reformen, vor allem die Justizreform", sagt sie. "Wichtig ist auch, dass die Wirtschaft einen Aufschwung bekommt in den kommenden Jahren und die EU-Integration, das ist das allerwichtigste, was uns allen am Herzen liegt."

Andrea Beer ARD-Studio Wien

Die Stimmzettel werden noch gezählt und Hochrechnungen gibt es nach der albanischen Parlamentswahl keine. Die bisherigen Zahlen beruhen auf Nachwahlbefragungen albanischer Medien wie "Euronews Albania". Der Sieger steht demnach fest, eine eindeutige Mehrheit für die Regierungsbildung gibt es aber bisher nicht. Die regierenden Sozialisten von Ministerpräsident Edi Rama liegen mit knapp 47 Prozent vorne, sind aber leicht abgesackt.

Demokratische Partei auf Platz zwei

"Das Volk hat heute gesprochen und die Stimmzettel sind in den Wahlurnen. Aus diesem Prozess muss Albanien gewinnen und nicht die Partei, die weiterhin das Land regieren wird", so Ministerpräsident Edi Rama. Ob seine Sozialisten 71 der 140 Mandate erreichen und ihre absolute Mehrheit verteidigen können, oder sich Partner suchen müssen, ist noch offen. Auch aufgrund der Ausgangsbeschränkungen blieb Wahljubel in der Nacht aus.

Auf Platz zwei ist die oppositionelle Demokratische Partei gelandet, die mit mehreren kleineren Parteien in einem Bündnis antrat. Obwohl sie seit fast zwei Jahren die Parlamentsarbeit boykottierte, konnte sie sich offenbar um fast 15 Prozent verbessern und kommt laut Nachwahlumfragen auf 44 Prozent.

Parteichef Lulzim Basha appellierte ebenfalls, die Auszählung abzuwarten: "Ich danke allen albanischen Bürgern, die den Wechsel gewählt haben. Ich habe ein großes Vertrauen, dass die Zählteams und die Kommissionsmitglieder diesen Prozess mit Verantwortung und Geduld im Einklang mit dem Gesetz abschließen werden."

Korruption, organisierte Kriminalität, Drogenhandel

Ein möglicher Koalitionspartner der Demokraten wäre die LSI. Sie liegt bei etwa sechs Prozent. Doch auch diese Mehrheit ist vor Auszählung der Stimmen nicht sicher. Bis spätestens Dienstagabend sollen die Stimmen der Parteien gezählt sein, das erklärte der Chef der Zentralen Wahlkommission Ilirjan Celibashi, wohl auch angesichts der Vorwahl-Debatten um Einschüchterung und mögliche Wahlmanipulation.

"Die Zentrale Wahlkommission verfolgt diesen Prozess", so Celibashi. "Und ich kann sagen, dass der Transport der Wahlmaterialien und der Wahlurnen von den Wahllokalen in die lokalen Wahlkommissionen im Einklang mit dem Verfahren und dem Gesetz begonnen hat."

Rund 3,5 Millionen Menschen waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahlbeteiligung lag mit mehr als 48 Prozent ein wenig über der von 2017. Korruption, organisierte Kriminalität, Drogenhandel sowie Armut, die durch Corona verstärkt worden ist und das Auswandern vieler Albaner: Die Probleme des Landes bleiben enorm, erinnert Dozentin Sonila Seidka. Sie würde sich wieder mehr Gemeinsamkeit wünschen - auch in der Politik: "Wir wünschen, dass die politischen Parteien von rechts und links mehr miteinander zusammenarbeiten", sagt sie.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. April 2021 um 07:00 Uhr.