EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen,  EU-Ratspräsident Michel und Ministerpräsident Pedro Sanchez auf dem Militärflughafen Torrejón de Ardoz | dpa

Ortskräfte aus Afghanistan EU-Spitzen versprechen Sicherheit und Hilfe

Stand: 21.08.2021 18:41 Uhr

Erstaufnahme auf einem spanischen Militärflughafen: Hier landen viele afghanische Ortskräfte nach ihrer Rettung. EU-Ratspräsident Michel und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen waren vor Ort und versprachen Hilfe. 

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Afghanisches EU-Personal und ihre Angehörigen, aber auch andere, besonders gefährdete Flüchtlinge sitzen in einem umfunktionierten Hangar: An langen Tischreihen werden sie von Militärs, vom Roten Kreuz und von anderen Helferinnen und Helfern betreut. Draußen sind große olivgrüne Kuppelzelte aufgebaut, in denen die Menschen schlafen können.

Reinhard Spiegelhauer ARD-Studio Madrid

Bis zu 800 Menschen soll das Erstaufnahmezentrum Platz bieten, für maximal 72 Stunden. Spätestens dann werden sie verteilt, damit Neuankömmlinge Platz haben. Einige bleiben in Spanien, andere sind beispielsweise schon nach Dänemark und in baltische Staaten weitergereist.

Spanien sei stolz darauf, diese Aufgabe zu übernehmen, so Ministerpräsident Pedro Sanchez. In guten wie in schweren Zeiten stehe Spanien für die Werte der Union. Die 20 Jahre in Afghanistan seien nach seiner Überzeugung auch nicht umsonst gewesen: Die EU habe mit konkreter Arbeit Werte wie Freiheit, Bildung, Gleichberechtigung gesät, und diese Saat werde eines Tages aufgehen.

"Wir sind nicht naiv"

Die EU werde ihr Engagement für die Menschen in Afghanistan nicht aufgeben, so Ratspräsident Charles Michel:

Wir werden hart arbeiten müssen, um das europäische Projekt weiter zu verteidigen. Dass Menschenrechte geachtet werden, insbesondere die Rechte von Frauen und Mädchen, wird nicht einfach sein. Wir sind nicht naiv, wir sehen, wo die Bedrohungen liegen. Und wir werden uns auch mit Migration beschäftigen müssen.
Helfer und Helferinnen des Roten Kreuz versorgen afghanische Ortskräfte auf dem Militärflughafen Torrejón de Ardoz in Spanien. | EPA

Helfer und Helferinnen des Roten Kreuz versorgen afghanische Ortskräfte auf dem Militärflughafen Torrejón de Ardoz in Spanien. Bild: EPA

 Plädoyer für humanitäre Hilfe

Kontingente und sichere Reisekorridore für besonders bedrohte Gruppen wie Menschenrechtsaktivisten, Frauenrechtlerinnen oder Journalisten müssten ein Thema beim anstehenden G7 Gipfel sein, so Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Aber auch die vielen anderen Flüchtlinge im Land bräuchten Hilfe. Es herrsche Einigkeit zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten, in der Europäischen Union, dass humanitäre Hilfe weiter geleistet werden müsse. Der Großteil der Menschen, die auf der Flucht sind, seien innerhalb des Landes auf der Flucht. "Ich begrüße, dass Mitgliedsstaaten Soforthilfe angeboten haben, auch die Kommission prüft eine Steigerung der humanitären Hilfe", so von der Leyen.

 "Keine politischen Gespräche mit Taliban"

Weitere Entwicklungshilfe in Afghanistan stehe dagegen auf einem ganz anderen Blatt, sie sei natürlich daran geknüpft, dass beispielsweise Menschenrechte oder die Gleichstellung von Frauen respektiert würden. So gebe es für die konkrete Abwicklung von Evakuierungsmaßnahmen derzeit zwar Kontakte mit den Taliban auf technischer Ebene - das seien aber keine politischen Gespräche, mit denen etwa die Taliban-Regierung anerkannt werde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. August 2021 um 18:25 Uhr in der Sendung "Informationen am Abend".