Trauernde in London | AP

Abschied von Königin Elizabeth II. Bloß keine Langeweile

Stand: 19.09.2022 04:30 Uhr

Mit einem Staatsbegräbnis verabschiedet sich Großbritannien von Elizabeth II. Gäste aus aller Welt nehmen an dem Trauergottesdienst für die Queen teil. Ein Geistlicher berichtete, welchen Wunsch sie für ihren Abschied hatte.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

Es ist der Tag des endgültigen Abschieds. In der Westminster Abbey, in der Elizabeth II. 1953 gekrönt wurde, versammeln sich heute Gäste aus aller Welt, um am Trauergottesdienst für die Queen teilzunehmen. Hunderte Staats- und Regierungschefs, Diplomaten, Würdenträger und Mitglieder europäischer Königshäuser werden zugegen sein.

Imke Köhler ARD-Studio London

Vorfahrt mit dem Gemeinschaftsbus

Dass die Gäste aus organisatorischen und Sicherheitsgründen offenbar gebeten wurden, einem Gruppentransport zur Westminister Abbey zuzustimmen, hat in den britischen Medien für Diskussionen gesorgt. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern kann die Aufregung dagegen nicht verstehen. In der BBC sagte sie:

Um ehrlich zu sein, finde ich das interessant, dass darum so ein Tamtam gemacht wird. In Neuseeland bitte ich die Minister auch häufig, zusammen in einem Van zu fahren. Das ist einfach sinnvoll. Wir sind sehr praktische Leute.

Als sicher gilt, dass US-Präsident Joe Biden nicht in einem Gemeinschaftsbus vorfahren wird.

Kein langer Gottesdienst

Auch wenn sich das Staatsbegräbnis den ganzen Tag hinzieht, wird der Trauergottesdienst nur eine Stunde dauern. John Sentamu, der ehemalige Erzbischof von York, der jahrelang an den Vorbereitungen für das Staatsbegräbnis beteiligt war, hat der BBC verraten, wieso: "Die Queen habe nie lange, langweilige Gottesdienste gewollt." Ob die Queen ihm das direkt so gesagt habe, will die Moderatorin wissen. Ja, hat sie, stellt Sentamu klar und verspricht: Langeweile wird im Trauergottesdienst nicht aufkommen. Stattdessen werde man bei engelsgleichem Gesang in die Herrlichkeit emporgehoben, so der Geistliche.

Präsident Joe Biden trägt sich nach dem Tod von Königin Elisabeth II. im Lancaster House in London in ein Kondolenzbuch ein, während First Lady Jill Biden zusieht. | AP

US-Präsident Joe Biden trägt sich nach dem Tod von Königin Elizabeth II. im Lancaster House in London in ein Kondolenzbuch ein, während First Lady Jill Biden zusieht. Bild: AP

"Das wird unglaublich sein"

Rund eine Viertelstunde vor Beginn des Gottesdienstes wird der Sarg der Queen auf einer Lafette, einem Geschützgestell, von der Westminster Hall zur Westminster Abbey gebracht und später zum Wellington Arch am Hyde Park Corner.

Lindsay Hoyle hat das Bild schon im Kopf: "Ich glaube, das wird der ergreifendste Moment, wenn der Sarg von der Royal Navy gezogen wird. Ich habe die Übungen gesehen mit diesem Geschützgestell, auf dem schon Churchill transportiert wurde. Das wird unglaublich sein. Das ist die letzte Etappe, und an diese letzte Etappe wird sich jeder erinnern."

Größtes TV-Ereignis aller Zeiten?

Dass die Lafette von Matrosen der Royal Navy gezogen wird, geht auf die Prozession nach dem Tod von Queen Victoria 1901 zurück. Damals hatten sich die Pferde aufgebäumt, wodurch der Sarg von Queen Victoria fast umgestürzt wäre. Deshalb wurde danach entschieden, Menschen statt Pferde einzusetzen.

Insgesamt ist das Militär stark involviert. Admiral Sir Tony Radakin sagte: "Tatsächlich sind über 10.000 Soldaten, Matrosen und Piloten dabei. Etwa 6000 von ihnen werden an den beiden Prozessionen in London und Windsor teilnehmen. Aber es ist auch eine große Unterstützungsaktion, wir helfen auch den Notdiensten in London."

Das Staatsbegräbnis könnte zum größten TV-Ereignis aller Zeiten werden. Schätzungen zufolge werden weltweit rund vier Milliarden Menschen vor den Bildschirmen sitzen. In Großbritannien wird das Begräbnis nicht nur im Fernsehen zu sehen sein, sondern auch auf großen LED-Wänden an öffentlichen Plätzen und in Parks und darüber hinaus in mehr als 120 Kinos im Land. Der Tag wurde zum Nationalen Feiertag erklärt, um großen Teilen der Bevölkerung zu ermöglichen, das historische Ereignis mitzuverfolgen. Zudem werden Zehntausende in London und Windsor die Straßen säumen, um der Queen ein letztes Mal Danke und Goodbye zu sagen.

Über dieses Thema berichtete unter anderem Inforadio am 19. September 2022 um 08:11 Uhr.