Finger bewegt Zeiger auf einer Uhr | picture alliance / dpa

Andrang bei EU-Abstimmung Sommerzeit-Votum zwingt Server in die Knie

Stand: 06.07.2018 11:48 Uhr

Die Frage nach Sinn und Unsinn der Sommerzeit beschäftigt viele Menschen seit langem. Als die EU gestern eine Online-Abstimmung dazu startete, waren die Server dem Ansturm nicht gewachsen.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

"Der Europa-Server steht zur Zeit nicht zur Verfügung. Wir bitten um Ihr Verständnis", ist auf der Website der EU-Kommission zu lesen. Grund ist der Online-Fragebogen zur Sommerzeit. Soll sie in Zukunft abgeschafft oder beibehalten werden?

Karin Bensch

Offenbar hatten sich auf den Aufruf so viele Leute gemeldet, dass der Server in die Knie ging. Nach Angaben der EU-Kommission soll die Website im Laufe des Tages wieder erreichbar sein.

Screenshot vom EU-Server

Der Server war wenige Stunden nach Start der EU-Online-Umfrage nicht mehr erreichbar.

Doch was steckt eigentlich hinter diesem Online-Fragebogen? Soll da wegen der Fußballweltmeisterschaft in Russland die europäische auf die russische Zeit umgestellt werden, fragte ein englischer Journalist scherzhaft.

Ganz oder gar nicht

Nein, das habe gar nichts mit der russischen Zeit zu tun, antwortete der Sprecher von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker amüsiert: "Es geht um zwei Möglichkeiten: Entweder wird die Sommerzeit beibehalten, so wie sie jetzt ist, oder sie wird in der gesamten Europäischen Union abgeschafft", sagte der Kommissionssprecher.

Noch bis Mitte August können Europäer ihre Meinung in den Online-Fragebogen tippen. Anschließend will die EU-Kommission die Meinungen auswerten. Doch was passiert danach? Hat die Befragung direkte Konsequenzen? Wird die Sommerzeit in Europa abgeschafft, wenn die meisten dafür sind?

Meinungsbild ohne direkte Konsequenzen

"Nein, das Ganze hat keine direkten Folgen", stellt der Kommissionssprecher klar. Es gehe der Brüsseler Behörde vielmehr darum, sich ein Meinungsbild zu machen. Es ist immer eine gute Sache, Bürger und Interessensvertreter zu befragen, meint der Kommissionssprecher.

Hinzu kommt, dass das Europaparlament die EU-Kommission Anfang des Jahres aufgefordert hatte, die Richtlinie unter die Lupe zu nehmen. Sollte die EU-Kommission zu dem Schluss kommen, dass die Nachteile der Zeitumstellung überwiegen, könnte sie den EU-Ländern und dem Europaparlament vorschlagen, das Gesetz zu ändern.

In Deutschland gibt es die Sommerzeit seit 1980. Ziel war damals, Energie zu sparen. In den meisten anderen EU-Ländern stellen die Menschen erst seit 1996 die Uhren am letzten Sonntag im März um - und zwar eine Stunde vor und am letzten Oktobersonntag wieder eine Stunde zurück. Dadurch kann man im Frühling eine Stunde weniger schlafen, im Herbst dafür eine Stunde mehr.

Wenig Nutzen, viel Kritik

Der Nutzen von Sommerzeit und Normalzeit im Winter ist umstritten. Laut Umweltbundesamt knipsen die Deutschen wegen der Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends seltener das Licht an - im Frühjahr und Herbst wird jedoch morgens mehr geheizt.

Außerdem sehen Mediziner Gesundheitsrisiken. Schlafforscher warnen, empfindsame Menschen könnten Probleme mit dem zeitlichen Hin und Her haben – inklusive Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.

Umfragen haben gezeigt, dass eine große Mehrheit der Deutschen sich wünscht, dass die Zeitumstellung abgeschafft wird. In einer repräsentativen Studie des Forsa-Instituts sprachen sich erst im März gut 70 Prozent der Befragten gegen die Sommerzeit aus.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Juli 2018 um 15:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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agtrier 06.07.2018 • 15:00 Uhr

Konsultationen der EU Kommission

Das ist vielleicht mal eine gute Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass die EU Kommission regelmäßig solche Umfragen (im EU-Sprech "Konsultationen" genannt) durchführt, an denen jeder teilnehmen kann, der etwas zum Thema zu sagen hat. Zugegeben, die meisten davon sind für Otto-Normalinternetuser eher wenig interessant - da geht es dann um obskure Buchführungsregeln oder ähnliches, aber man kann nicht sagen, sie würden nicht nach der Meinung der Bürger fragen. Allerdings nehmen an solchen Konsultationen normalerweise nur ein paar dutzend bis wenige hundert Leute teil. Und für solche Zahlen sind die Server dann halt auch ausgelegt. Hier dürften die Teilnehmer in die Zehn- bis Hunderttausende gehen. Kein Wunder sind die Server überlastet. Da hat sich wohl jemand ganz gehörig verschätzt :-) Aber keine Sorge, das wird wieder. Und so ein Server-Crash ist auch ein guter Grund, die Zeit, die die Umfrage läuft, zu verlängern :-) ag.