Pommes Frites werden zubereitet | Bildquelle: dpa

Acrylamid-Reduzierung Neue EU-Regeln für Pommes und Chips

Stand: 22.11.2017 14:17 Uhr

Pommes Frites, Chips oder Kekse schmecken vielen Menschen gut - doch sie können Acrylamid enthalten. Es entsteht beim Erhitzen von Stärke und gilt in hohen Konzentrationen als gesundheitsgefährdend. Deshalb hat die EU jetzt strengere Regeln etwa für Imbissbuden erlassen.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Egal, ob es sich um Imbissbuden, Bäckereien oder Lebensmittelhersteller handelt - sie alle müssen sich ab dem kommenden Frühjahr auf neue Auflagen gefasst machen: Ziel der EU ist es, den Acrylamid-Anteil in Lebensmitteln möglichst gering zu halten. Dieser Stoff wurde unter anderem in Pommes Frites, Keksen, Chips, Kaffee oder auch Babynahrung nachgewiesen. Acrylamid entsteht dann, wenn Stärke erhitzt wird.

Möglicherweise krebserregend

Das Problem: In hoher Konzentration gilt es als gesundheitsgefährdend. Jedenfalls beruft sich die EU auf Studien, denen zufolge zu viel Acrylamid im Essen das Krebsrisiko erhöhe. "Keineswegs geht es uns darum, den Verbrauchern den Genuss von Pommes Frites vorzuenthalten, wie hier und da berichtet wurde", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission dem ARD-Studio Brüssel auf Nachfrage. Ähnlich hatte das die Brüsseler Behörde bereits im Sommer formuliert: "Die Kommission hat in keinem Fall vor - ich wiederhole: in keinem Fall - belgische oder irgendeine andere Art von Fritten zu verbieten, erklärte Margaritis Schinas, der Chefsprecher von EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker.

In Belgien fürchtete man in der Tat um die nicht nur hier so beliebten gold-braunen Kartoffelstäbchen. Die EU könnte den Imbiss-Besitzern zu harte Vorschriften machen, wie die ihre Fritten zu brutzeln hätten und sie damit in den Ruin treiben, so die Befürchtung, die auch in anderen EU-Staaten laut wurde. "Les frites - c’est chic." - "Fritten - finden wir toll", versuchte daraufhin die Kommission zu beruhigen.

Die neuen Vorgaben, die ab Frühjahr gelten sollen, sehen unter anderem vor, dass bestimmte Lebensmittel von Restaurants, Bäckereien oder Imbissbuden nicht zu stark erhitzt oder geröstet werden. Lebensmittelhersteller sind angehalten, etwa Kartoffeln mit weniger Stärke-Gehalt zu verwenden.

Pommes Frites werden zubereitet | Bildquelle: REUTERS
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Pommes sind schön kross zwar lecker - gesünder sind sie aber weniger gut frittiert.

Begrenzter Einfluss

Die Möglichkeiten der EU-Kommission, die neue Verordnung auch durchzusetzen, sind allerdings begrenzt: Es liege in den Händen der Mitgliedsstaaten, dies zu tun, erklärte die Sprecherin.

Auf die neuen Vorgaben hatten sich die Einzelstaaten der EU bereits im Sommer geeinigt. 22 EU-Länder stimmten damals dafür, Deutschland enthielt sich. Doch hier hat die Kommission das letzte Wort. Da am Montag eine Einspruchsfrist auslief, ist der Vorschlag nunmehr angenommen. Das bestätigte die EU-Kommission dem ARD-Studio Brüssel, nachdem zuvor die Funke-Mediengruppe darüber berichtet hatte.

Gefährlicher als Glyphosat?

Der CDU-Europa-Abgeordnete Peter Liese, der auch Arzt ist, hält die neuen Regeln für dringend erforderlich: "Nach meiner Einschätzung ist die Gefahr, die von Acrylamid ausgeht, höher als die Gefahr, die von Glyphosat oder Fipronil ausgeht." Auch wenn die letzte Gewissheit fehle, müsse man davon ausgehen, dass hohe Mengen Acrylamid das Krebsrisiko erhöhten, so Liese.

Nun müssten sich große Unternehmen an verbindliche Vorschriften halten, während es richtigerweise Ausnahmen für kleine und mittlere Betriebe gebe.

Neue EU-Vorgaben für Pommes, Kaffee, Babynahrung
Kai Küstner, NDR Brüssel
22.11.2017 12:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete der Bayerische Rundfunk (B5 aktuell) am 22. November 2017 um 06:45 Uhr.

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