Zahlen der Mitgliedsstaaten

Wieder mehr Asylbewerber in der EU

Stand: 10.06.2019 13:08 Uhr

Jahrelang waren in der EU die Zahlen der Asylbewerber zurückgegangen - jetzt deutet sich laut einem Medienbericht eine Trendwende an. Vor allem aus Venezuela und Kolumbien kommen immer mehr Menschen.

Die Zahl der Asylbewerber in der EU steigt in diesem Jahr wieder deutlich an. Von Januar bis einschließlich April stellten rund 206.500 Menschen erstmals einen Asylantrag in der Europäischen Union - 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Zahlen wurden demnach auf Basis von monatlichen Frühwarnmeldungen der Mitgliedstaaten erstellt.

Damit dürfte sich nach einem mehrjährigen Rückgang der Asylbewerberzahlen nach dem Rekordjahr 2015 in diesem Jahr der Trend umkehren. 2018 war die Zahl der Asylbewerber in der EU beispielsweise noch um elf Prozent zurückgegangen.

Aus Syrien kommen EU-weit immer noch die meisten Aylbewerber - doch die Zahl wird kleiner.

Ein Grund für die Entwicklung ist laut dem Bericht, dass immer mehr Asylbewerber über reguläre Wege und visafrei in die Union einreisen, vor allem aus Lateinamerika und den Westbalkanstaaten. In diesem Jahr bis Ende April stammte demzufolge schon gut jeder vierte Asylantrag von Staatsangehörigen eines Landes, dessen Bürger ohne Visum in die EU-Schengenzone einreisen dürfen - 2018 war der Anteil bereits auf ein Fünftel gestiegen.

So hätten sich in den ersten vier Monaten 2019 die Zahl der visafrei eingereisten Asylbewerber aus Venezuela im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 121 Prozent auf 14.257 erhöht, die aus Kolumbien um 156 Prozent auf 8097. Venezuela sei inzwischen nach Syrien (20.392 erstmalige Asylanträge, ein Minus von acht Prozent) das Hauptherkunftsland von Asylbewerbern in der Europäischen Union. Auf Platz drei liege Afghanistan: Nach den neuen Daten stellten 14.042 Afghanen erstmals einen Asylantrag, 36 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

An den Zuständen beispielsweise im Flüchtlingslager auf Samos gibt es seit langer Zeit viel Kritik.

Der Direktor der EU-Grenzschutzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, bezeichnete die Lage an den Außengrenzen der Union unterdessen als "deutlich verbessert". Insgesamt seien seit Beginn des Jahres rund 30.000 irreguläre Grenzübertritte registriert worden sagte er der "Welt". In der ersten Jahreshälfte 2018 seien es noch rund 60.430 gewesen. Die Ägäis sei derzeit erneut die wichtigste Route, nachdem 2018 bis Juli erstmals die meisten Flüchtlinge und Migranten die westliche Mittelmeerroute über Spanien nutzten. Für die Verschiebung machte Leggeri den Grenzschutz von Spanien und Marokko verantwortlich.

Über die Ägäis waren zuletzt ungeachtet der EU-Vereinbarung mit der Türkei deutlich mehr Flüchtlinge gekommen. Die Zahl der Menschen, die in den Registrierlagern auf den griechischen Inseln ausharren, stieg laut griechischem Migrationsministerium Anfang Juni wieder auf mehr als 16.000. Flüchtlingshelfer kritisieren die Zustände besonders in den Lagern auf Samos und Lesbos als menschenunwürdig. Zudem werden Migranten von Schleppern durch Griechenland geschleust, ohne je im Land registriert zu werden.

Mit einem Ende der illegalen Zuwanderung rechnet Leggeri nach eigenen Worten nicht. Er forderte die EU-Staaten dazu auf, eng mit den Herkunftsländern zusammenzuarbeiten und dort das Leben lebenswerter zu machen: "Politik darf sich nicht nur auf Grenzschutz beschränken."