Zwei Kinder zeigen Plakate für eine Maskenpflicht an US-Schulen. | AP

US-Kinderärzte schlagen Alarm Immer mehr Covid-Fälle an Schulen

Stand: 05.09.2021 20:12 Uhr

An den Schulen in den USA nehmen die Corona-Infektionen rasant zu. Das liegt auch an der stockenden Impfkampagne. Die Folge ist eine hitzige Diskussion über Rechte und Pflichten von Eltern.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Mehr als 1000 Schulen in den USA haben schon wieder geschlossen, kaum dass nach den Sommerferien der Unterricht begonnen hatte. Tausende Kinder wurden positiv auf das Coronavirus getestet, vor allem in den Bundesstaaten, in denen die Impfquote unter den Erwachsenen besonders niedrig ist.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Beispiele: Im Frühjahr waren 15 Prozent der Covid-Fälle in den USA Kinder. Im August waren es 22 Prozent, Tendenz steigend. In Florida werden derzeit pro Tag mehr als 60 Kinder mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert, die Zahlen haben sich verzehnfacht. Und in Georgia beginnt derzeit jede zweite Corona-Infektion in einer Schule.

Kritik an Impfgegnern

So gehe das nicht weiter, sagt Kinderarzt Paul Offit vom Kinderkrankenhaus in Philadelphia in einem Fernsehinterview. Es sei einfach nur unverantwortlich von den Erwachsenen, wenn sie sich nicht impfen lassen und dann die Kinder leiden: "Du hast als Amerikaner kein Recht darauf, dich zu infizieren und dann das Virus weiter zu verbreiten. Genauso wenig wie du das Recht hast, an einer Kreuzung ein Stoppzeichen zu überfahren", schimpft der Mediziner.

Aber weil die Frage des Impfens insgesamt so politisiert ist, ist sie das auch beim Gesundheitsschutz in Schulen. Floridas Gouverneur Ron DeSantis hatte es Schulen untersagt, eine Maskenpflicht einzuführen, Schulleitern drohte er sogar mit Gehaltskürzungen, wenn sie doch Masken verlangen: "Wenn es um die Gesundheit von Schülern geht, vertraue ich den Eltern mehr als der Regierung", so DeSantis. Der Gouverneur scheiterte vor Gericht - zum Glück, sagt die Leiterin des Schulbezirks von Miami, Vickie Cartwright: "Es geht für uns nicht um Politik, es geht um eine Pandemie", so die Lehrerin.

"Wir müssen unsere Kinder schützen"

Mit Folgen für Kinder wie etwa den zwei Monate alten Junior, der seit drei Wochen in New Orleans im Krankenhaus liegt. Seine Mutter sagt dem Fernsehsender CBS, dass er mit Atemproblemen geboren wurde und deshalb jetzt so krank sei. "Irgendjemand, der das Virus weiter verbreiten kann, hat Junior angesteckt. Wir müssen unsere Kinder schützen", sagt die Mutter. Die seien schließlich die Zukunft.

Noch gibt es bekanntlich keinen zugelassenen Impfstoff um Kinder unter zwölf direkt immunisieren zu könnten. Das dürfe man auch nicht überstürzen, sagt Kinderarzt Offit. Bevor man ihn an Millionen Kinder gibt, müsse klar sein, dass dies auch sicher sei.

Aber bis der Impfstoff für die Kinder da sei, hätten eben die Erwachsenen die Verantwortung, die Kinder vor dem Virus zu schützen, fügt der Arzt hinzu.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. September 2021 um 18:28 Uhr in der Sendung "Informationen am Abend".