Biene

EU berät über Bienenschutz Pestizid-Verbot oder nicht?

Stand: 28.02.2018 14:48 Uhr

Vertreter der EU-Staaten beraten heute erneut über den Schutz von Bienen. Drei Pflanzenschutzmittel sollen verboten werden, die für Bienen hochgefährlich sein könnten. Der Vorschlag ist umstritten. Bleiben die Länder uneins, ist die EU-Kommission am Zug und kann ihren Verbotsvorschlag umsetzen.

Birgit Schmeitzner ARD-Hauptstadtstudio

Von Birgit Schmeitzner, BR-Hörfunkstudio Brüssel

Die erste Abstimmung im März hatte ein Patt ergeben: keine qualifizierte Mehrheit, also kein Beschluss. Der deutsche Vertreter im Ausschuss für Lebensmittelkette und Tiergesundheit hatte sich enthalten - eine Haltung, für die Verbraucherschutzministerin, Ilse Aigner, viel Kritik einstecken musste.

Der Grünen-Europapolitiker, Martin Häusling, sprach von intensiver Lobbyarbeit der Agrarindustrie: "Es arbeiten zwei große Firmen ganz massiv daran, diese Vorlage der Kommission zu verhindern, nämlich Syngenta und Bayer. Und ich glaube, die Bundesregierung hat sich entschieden, diesen Firmen mehr zu helfen als den Imkern und den wichtigen Bienen."

Aigner deutet "Ja" zum Verbotsvorschlag an

Aigners wortreicher Erklärungsversuch für die Enthaltung hob auf die Sorge ab, dass ein europaweites Verbot die bestehenden strengen Regeln in Deutschland aufweichen würde: "Der Bienenschutz steht bei uns sehr hoch im Kurs. Wir haben ein sehr qualifiziertes Verfahren hinsichtlich des Abriebes beim Mais durchgeführt. Es sind noch eine Reihe von offenen Fragen: wie ist es beim Wintergetreide, hier ist der Abrieb für uns noch nicht geklärt."

Biene

Umweltexperten gehen davon aus, dass die Pestizide den Orientierungssinn der Bienen stören können.

Nationale Standards will die EU-Kommission aber gar nicht senken, und so deutet Aigner inzwischen ein deutsches Ja zu dem Verbotsvorschlag an. Es geht um drei Pflanzenschutzmittel, so genannte Neonikotinoide. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, die eigentlich eher als industriefreundlich gilt, sieht Hinweise darauf, dass diese Chemikalien ein akutes und hohes Risiko für Bienen darstellen.

Leinen: Pestizide verwirren den Orientierungssinn der Bienen

Der Umweltexperte der SPD im Europaparlament, Jo Leinen, sagt: "Es hat sich herausgestellt, dass diese Pestizide den Orientierungssinn der Bienen verwirren und sie nicht mehr zurückfinden in ihr Nest." Das wäre zumindest eine Begründung für das mysteriöse Bienensterben, von dem Imker in Europa seit Jahren berichten. Die EU-Kommission will das intensiver überprüfen. Und schlägt deshalb vor, die drei Chemikalien für zwei Jahre zu verbieten - zumindest für die Pflanzen, die für die Bienen am attraktivsten sind. Also etwa Raps und Sonnenblumen.

In Kommissionskreisen hieß es, man halte ein neuerliches Patt bei der Abstimmung für sehr wahrscheinlich. Dann, so sehen es die formalen Regeln vor, kann Verbraucherschutzkommissar, Tonio Borg, allein entscheiden und seinen Verbotsvorschlag umsetzen.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
annelie jauert heisch 6 24257 hohenfelde 29.04.2013 • 16:28 Uhr

Bienenschutz

Wieso ist es nicht selbstverständlich , bei unserem heutigen Informationsstand , das wir das Wissen einfach anwenden das uns zur Verfügung steht . Wieso wird über Dinge verhandelt die eigentlich nach gutem Wissen und Gewissen selbstverständlich sind . Wieso kann einer Lobby gefolgt werden , man muß doch die Sache von allen Seiten betrachten . Wieso ist nicht jeder für die Spätfolgen seines Handelns haftbar. Wieso wird der Verursacher von Umweltschäden nicht zur Kasse gebeten und muß für den entstandenen Schaden aufkommen ? Jeder Einzelne trägt Verantwortung für sein Handeln !!!