Menschen mit schützenden Gesichtsmasken in einer U-Bahn-Station in Taipeh (Taiwan) | REUTERS

Corona-Pandemie in Südostasien Neue Ausbrüche in den Vorzeigestaaten

Stand: 12.05.2021 15:12 Uhr

Länder wie Taiwan, Singapur oder Malaysia hatten die Corona-Pandemie bisher gut im Griff. Doch nun verzeichnen sie nach Monaten wieder neue Fälle. Die Regierungen verschärfen die Auflagen - Malaysia geht gar in den Lockdown.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Keine Panik im Kaufverhalten, aber bitte Besorgnis über die Fallzahlen: Das war die Botschaft des taiwanesischen Gesundheitsministers Chen Shih-chung. Die Fernsehnachrichten hatten gemeldet, dass Taiwan zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie lokale Übertragungen von Covid 19 zu verzeichnen habe.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Gestern seien es sieben gewesen, heute sogar 16 lokale Neuinfektionen, teilte Chen Shih-chung mit. Die taiwanesische Börse sei abgestürzt. "Das Land kann in den kommenden Tagen seine Covid-19-Alarmstufe noch weiter erhöhen, kündigte der Minister an.

Quelle des Ausbruchs unklar

Die jetzt schon verschärften Maßnahmen gelten zunächst bis zum 8. Juni. Das bedeutet beispielsweise keine Besuche von Patienten in Krankenhäusern, dafür Maskenpflicht, Kontaktnachverfolgung, Temperaturmessung und Trennwände in Restaurants.

Unternehmen müssen ebenfalls strenge Maßnahmen umsetzen, und wenn sie das nicht können, müssen sie schließen. 1231 Infektionen gab es bisher. Doch was die Behörden an dem jetzigen Ausbruch in Sorge versetzt, ist die unklare Quelle, sagte der Gesundheitsminister.

Gleichzeitig beruhigte die taiwanesische Präsidentin Tsai Ing-wen die Bevölkerung: Es gebe genügend Vorräte an Masken und anderen persönlichen Schutzartikeln. Zudem habe Taiwan die Pandemie bisher durch vorbildlichen Einsatz im Griff gehabt.

Hotelquarantäne bei der Einreise

Auch in anderen Vorzeigeländern führt ein Anstieg der Fallzahlen zu strikten Maßnahmen - so wie in Singapur. "Die Regierung hat die Öffentlichkeit aufgefordert, soziale Aktivitäten einzuschränken und zuhause zu bleiben. Seit Samstag gelten wieder strengere Regeln", hieß es in den Nachrichten des Fernsehsenders Channel News Asia.

Wochenlang hatte es keinerlei oder nur vereinzelte lokale Neuinfektionen gegeben, doch in den vergangenen Wochen waren die Fallzahlen auf bis zu 14 gestiegen. Besonders häufig traten die Neuinfektionen in einem Krankenhaus und am Flughafen Changi auf.

Singapur hat für jegliche Einreisenden drei Wochen Hotelquarantäne verhängt. Der Stadtstaat erlaubt aber bis Anfang Juli keinerlei Einreisen von Ausländern mit Arbeitserlaubnis. Bisher gab es 31 Todesfälle durch Covid-19 in Singapur und rund 60.000 Infektionen. Die strenge Abriegelung hilft gegen die Pandemie. Die Maßnahme macht dem Land jedoch Probleme, das seinen Reichtum auf den Handel begründet.

Zuckerfest wird einsam ausfallen

Am Abend endet der muslimische Fastenmonat Ramadan. Normalerweise ist das ein großes Fest für die Familien. Doch in Singapurs Nachbarland Malaysia mit seiner größtenteils muslimischen Bevölkerung wird Eid Al Fitri, das Zuckerfest, im zweiten Jahr in Folge einsam und ruhig ausfallen. Seit Montag gelten wieder Ausgangsbeschränkungen, da die Fallzahlen gestiegen sind.

"Es ist fast zwei Jahre her, dass ich in meinen Heimatort zurückfahren konnte, um meine Eltern zu besuchen", erzählt dieser junge Mann der Nachrichtenagentur Reuters. Das belaste ihn schwer.