Häuser in der südwestlichen Provinz Belutschistan sind von Fluten umgeben. | dpa

Flutkatastrophe in Pakistan Wiederaufbau kostet zehn Milliarden Euro

Stand: 30.08.2022 15:38 Uhr

Durch die heftigen Monsun-Regenfälle in Pakistan sind mittlerweile mehr als 1130 Menschen ums Leben gekommen. Für den Wiederaufbau benötigt das Land etwa zehn Milliarden Euro. Die Vereinten Nationen haben einen Hilfsplan vorgestellt.

Nach den heftigen Überschwemmungen in Pakistan wird langsam das ganze Ausmaß der Katastrophe deutlich. Nach Schätzungen des Planungsministeriums beläuft sich der Schaden für die pakistanische Wirtschaft auf rund zehn Milliarden Euro. Besonders in den Bereichen Telekommunikation, Straßen und Landwirtschaft seien massive Schäden entstanden, sagte Planungsminister Ahsan Iqbal der Nachrichtenagentur AFP.

Zahl der Todesopfer steigt

Derweil stieg die Zahl der Todesopfer an. Mehr als 1130 Menschen sind nach offiziellen Angaben seit Juni durch die ungewöhnlich heftigen Monsun-Regenfälle und ihre Folgen ums Leben gekommen. Fast 400 davon seien Kinder, teilte die Katastrophenschutzbehörde in ihrem jüngsten Bericht mit.

Nach Angaben von Klimaministerin Sherry Rehman steht ein Drittel Pakistans unter Wasser. Mehr als eine Million Häuser wurden demnach beschädigt. Nahezu 3500 Kilometer Straßen seien zerstört und etwa 160 Brücken eingestürzt. Auch zahlreiche landwirtschaftliche Flächen sind betroffen. Insgesamt seien mehr als 33 Millionen Menschen von den Überschwemmungen betroffen, hieß es.

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Flutkatastrophe in Pakistan

UN-Spendenaufruf wegen Überschwemmungen

Die Vereinten Nationen haben zu Hilfe für die Millionen von Betroffenen aufgerufen. Für einen gemeinsam mit der pakistanischen Regierung verabschiedeten Hilfsplan werden rund 160 Millionen Euro benötigt, wie der Sprecher des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe, Jens Laerke, in Genf mitteilte. Es seien die schlimmsten Überschwemmungen in Pakistan seit Jahrzehnten. Die Behörden gehen davon aus, dass die seit Juni anhaltenden schweren Regenfälle sich noch fortsetzen.

Eine halbe Million Menschen sind obdachlos geworden. Viele seien von Verwandten und anderen aufgenommen worden, andere lebten in Camps. Es müssten schnell neue Behausungen gebaut werden, so Laerke.

"Monsun auf Steroiden"

UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einem "Monsun auf Steroiden". Für die mehr als 1000 in den Fluten ums Leben gekommenen Menschen machte er die Klimakrise verantwortlich.

Die Welthungerhilfe warnte derweil vor den langfristigen Folgen der Katastrophe. Sobald das Wasser abgeflossen ist, müsse die Nahrungsmittelproduktion wieder starten, sagte die Pakistan-Programmleiterin Isabel Bogorinsky. "Sonst droht Hunger und damit eine Katastrophe nach der Katastrophe."

Die deutschen HIlfsorganisationen Diakonie, Malteser und die Kindernothilfe baten ebenfalls um Spenden für Hilfsprogramme für das südasiatische Land.

900 Gesundheitseinrichtungen zerstört

Der Hilfsplan sieht unter anderem medizinische Hilfe vor. Dabei geht es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowohl um Verletzungen etwa durch von den Wassermassen mitgerissene Trümmer und Schutt, elektrische Schocks, durch abgerissene Kabel und Infektionen wie Cholera, die sich ausbreiten, wenn mit Fäkalien verseuchtes Abwasser nicht richtig entsorgt wird. Auch chronisch Kranke wie Diabetiker und Schwangere müssten in der Notlage weiter versorgt werden.

Fast 900 Gesundheitseinrichtungen seien zerstört oder beschädigt worden. Pakistan habe schon vor den Überschwemmungen viele mangelernährte Kinder gehabt, berichtete das Kinderhilfswerk UNICEF. Sie müssten jetzt besonders unterstützt werden.

Notstand ausgerufen

Das südasiatische Land mit seinen rund 220 Millionen Einwohnern leidet seit Mitte Juni unter ungewöhnlich starkem Monsunregen. Premierminister Shehbaz Sharif sagte, derart heftige Regenfälle habe es in Pakistan in den vergangenen 30 Jahren nicht gegeben.

Betroffen ist besonders die Region Belutschistan im Südwesten. Doch auch der Nordwesten Pakistans hat wegen der Fluten inzwischen mit großen Schäden zu kämpfen. Am vergangenen Donnerstag hatte die Regierung in Islamabad den Notstand ausgerufen und um internationale Hilfe zur Bewältigung der Katastrophe gebeten.

Anfällig für Klimaveränderungen

Die jährliche Monsun-Periode dauert gewöhnlich von Juni bis September. Für die Landwirtschaft und die Wasservorräte spielt sie eine äußerst wichtige Rolle, doch immer wieder sorgt sie auch für verheerende Überschwemmungen.

Pakistan ist besonders anfällig für Klimaveränderungen. Es steht nach Angaben der deutschen Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch auf Platz acht der am stärksten von extremen Wetterereignissen bedrohten Länder. Naturkatastrophen wie Fluten, Dürren und Erdrutsche haben in Pakistan in den vergangenen Jahren zugenommen. Experten schreiben dies dem Klimawandel zu.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. August 2022 um 13:00 Uhr.