Menschen kommen am internationalen Flughafen von Tirana an.

Botschafter in Deutschland Pakistan lehnt weitere Flüchtlingsaufnahme ab

Stand: 31.08.2021 07:16 Uhr

Bundesaußenminister Maas will sich in Pakistan um Kooperation bei der Flüchtlingsaufnahme aus Afghanistan bemühen. Der pakistanische Botschafter in Deutschland hat diesem Ansinnen aber im Vorfeld eine Absage erteilt.

Nach dem Ende der internationalen Evakuierungsmissionen aus Afghanistan hat der pakistanische Botschafter in Deutschland die Aufnahme weiterer afghanischer Flüchtlinge in Pakistan abgelehnt. "Pakistan nimmt keine weiteren Flüchtlinge aus Afghanistan auf", sagte Mohammad Faisal dem "Tagesspiegel". Sein Land unterstütze allerdings mit allen Kräften die Ausreise von Afghanen in andere Länder. Die Grenzen würden vorerst geöffnet bleiben.

Das 220-Millionen-Einwohner-Land Pakistan hat laut Faisal bereits zwischen drei und vier Millionen Afghanen aufgenommen. Jetzt sollten "reichere und größere" Länder Geflüchtete von dort aufnehmen, so der Botschafter weiter. Konkrete Länder wollte er nicht nennen.

Die Lösung des neuen Flüchtlingsproblems liege bei den Staaten, die 20 Jahre in Afghanistan das Sagen gehabt hätten. Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt mit den Taliban sprechen, um eine Lösung zu finden, forderte er. Es müsse einen Dialog geben.

Maas besucht Islamabad

Faisals Absage könnte für Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) zu einem Problem werden. Er reist heute nach Islamabad und will dort über die Lage in Afghanistan und Hilfe für Schutzsuchende aus dem Land sprechen.

Es ist eine weitere Station seiner Reise in fünf Länder, die eine Rolle bei den Bemühungen um die Ausreise von Menschen aus Afghanistan spielen. Vor dem Besuch in Pakistan hatte Maas am Montag Gespräche in Usbekistan und Tadschikistan geführt. Die drei Nachbarländer Afghanistans zählen zu den ersten Anlaufstationen für Menschen, die sich auf dem Landweg vor den militant-islamistischen Taliban in Sicherheit bringen wollen.

Zehntausende Afghanen, die für Deutschland und andere NATO-Staaten während des Afghanistan-Einsatzes tätig waren, konnten trotz politischer Zusagen noch nicht ausreisen. Sie fürchten die Rache der Taliban. Allein Deutschland hat sich verpflichtet, mehr als 40.000 Ortskräfte und Schutzbedürftige aufzunehmen.

Opposition: "Reise kommt zu spät"

Aus der Opposition kam Kritik an Maas' Vorgehen. "Die Reise kommt ein oder zwei Jahre zu spät", sagt Alexander Graf Lambsdorff (FDP) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Gespräche, die man heute führe, hätten schon viel früher geführt werden müssen. "Es wird klar, dass es keine Strategie gab." Deutschland habe sich in Abhängigkeit der Taliban begeben. "Die Taliban haben nun die Entscheidungshoheit darüber, was mit den deutschen Staatsbürgern und den Ortskräften passiert."

Auch Grünen-Politiker Jürgen Trittin äußert Zweifel am Erfolg der Reise. "Heiko Maas möchte mit dieser Reise nachträglich den Eindruck erwecken, dass er etwas tut", sagt Trittin dem RND. "Doch die Versäumnisse, die bei der Evakuierung und der Visa-Erteilung gemacht wurden, kann man nicht mehr aufholen." Die deutsche Regierung habe sich durch ihr Verhalten erpressbar gemacht. "Dieses Versagen hat uns in die Situation gebracht, dass wir nun mit autoritären Herrschern wie Erdogan und den radikalen Taliban verhandeln müssen."

Insgesamt habe Deutschland rund 5000 Menschen ausgeflogen, darunter 138 Ortskräfte. "Private Retter haben rund 300 Menschen ausgeflogen - das heißt, sie haben mehr Menschen gerettet als Heiko Maas."

Über dieses Thema berichteten am 31. August 2021 die tagesschau um 09:00 Uhr und tagesschau24 um 10:00 Uhr.