Eine Frau vor einem Lebensmittelgeschäft in Pjöngjang (Archivbild) | AFP

Nordkorea Kim räumt Nahrungsknappheit ein

Stand: 16.06.2021 11:42 Uhr

Corona-Pandemie, Wirbelstürme und Sanktionen: Der nordkoreanische Machthaber Kim hat offen über die "angespannte" Versorgungssituation im Land gesprochen. Beobachter rechnen jedoch nicht mit einer Hungersnot.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hat eine verschlechterte Nahrungsmittelversorgung in seinem Land eingeräumt. Die Landwirtschaft habe im vergangenen Jahr infolge eines Taifuns weniger Getreide produzieren können, sagte Kim laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zum Auftakt einer mehrtägigen Sitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei. Das Volk solle sich daher für Engpässe wappnen. Die Nahrungssituation für die Menschen sei "angespannt", zitierten ihn Staatsmedien.

Die Funktionäre drängte er, Wege zu finden, um die landwirtschaftliche Produktion anzukurbeln. Eine gute Ernte sei die "militante Aufgabe, die unsere Partei und der Staat mit oberster Priorität" erfüllen müsse, sagte Kim, der auch Parteichef ist.

Naturkatastrophen und Misswirtschaft

Nordkorea ist nach mehreren Naturkatastrophen und aufgrund der eigenen Misswirtschaft seit vielen Jahren auf Nahrungsmittelhilfe von außen angewiesen. Im vergangenen Sommer hatten mehrere Wirbelstürme die Situation verschärft: Tausende Häuser wurden zerstört und landwirtschaftliche Flächen überflutet. Nach Schätzung der südkoreanischen Regierung fehlen dem isolierten Nachbarland in diesem Jahr 1,2 bis 1,3 Millionen Tonnen Nahrungsmittel für eine halbwegs ausreichende Versorgung der Bevölkerung.

Beobachter sehen dennoch bisher keine Anzeichen für eine neue Hungersnot wie in den 1990er-Jahren. Damals starben Schätzungen zufolge Hunderttausende Nordkoreaner an Unterernährung.

Kim: Corona-Maßnahmen aufrechterhalten

Neben den bereits bestehenden Schwierigkeiten hat auch die Corona-Pandemie dem Land schwer zugesetzt. Nordkorea schloss seine Grenzen schon früh, was sich stark auf den Außenhandel - besonders mit China - auswirkte.

Auf der Sitzung des Zentralkomitees stimmte Kim die Bürger auf eine Verlängerung der strengen Abschottungsmaßnahmen des Landes gegen die Pandemie ein. Der jetzige "perfekte Anti-Epidemie-Zustand" müsse aufrechterhalten werden. Die weltweite Gesundheitskrise verschärfe sich derzeit, so der nordkoreanische Staatschef.

Experten ziehen einhellig die Behauptung von Nordkoreas Führung in Zweifel, wonach es im Land keinen einzigen Corona-Fall gebe.

Verbesserung der wirtschaftlichen Lage?

Trotz Pandemie und Nahrungsmittelknappheit berichtete Kim von einer angeblichen Verbesserung der wirtschaftlichen Lage: Die Umsetzung des ersten Halbjahresplans habe dazu geführt, dass die Industrieproduktion im Jahresvergleich um 25 Prozent gestiegen sei.

Nordkorea ist wegen seines Atomwaffenprogramms strengen internationalen Sanktionen unterworfen, die die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hemmen. Pjöngjang ignoriert bisher Appelle aus Washington und Seoul, die Atomgespräche wiederaufzunehmen. Die Verhandlungen stocken nun schon seit zwei Jahren, nachdem die ambitionierte Gipfel-Diplomatie von Kim und dem früheren US-Präsidenten Donald Trump scheiterte. Hintergrund sind Differenzen über die von Nordkorea geforderten Lockerungen der von den USA initiierten Sanktionen im Gegenzug für Abrüstungsschritte Pjöngjangs.

Kim hatte das Zentralkomitee den Berichten zufolge einberufen, um eine Zwischenbilanz für die Umsetzung der wichtigsten politischen Vorgaben der Partei und des Staates für dieses Jahr zu ziehen. Bei einem Parteikongress im Januar hatte Nordkorea einen neuen Entwicklungsplan für die nächsten fünf Jahre vorgelegt.