Eine Luftaufnahme zeigt ein zerstörtes Gebäude im Gazastreifen. | dpa

Waffenruhe in Nahost Erste Hilfsgüter erreichen Gazastreifen

Stand: 22.05.2021 18:40 Uhr

An Tag zwei der Waffenruhe haben erste Transporte mit Medikamenten, Lebensmitteln und Benzin den Gazastreifen erreicht. Die Konfliktparteien führen unter ägyptischer Vermittlung Gespräche, dabei geht es auch um weitere Hilfen.

Nach dem Ende der Raketenangriffe zwischen Israel und radikalen Palästinensern haben erste Hilfsgüter den Gazastreifen erreicht. Wie Nachrichtenagenturen berichteten, kamen Hilfstransporte mit Medikamenten, Lebensmitteln und Benzin über einen Grenzübergang aus Israel an. Von Ägypten aus ist zudem ein Konvoi mit 130 Lastwagen unterwegs, der ebenfalls humanitäre und medizinische Güter liefern soll.

Unterdessen wurden auch die Gespräche zur Festigung der Waffenruhe fortgesetzt. Unterhändler Ägyptens, das die Feuerpause vermittelt hatte, pendelten zwischen Israel und dem Gazastreifen, wie Vertreter der radikal-islamischen Hamas sagten. In den Beratungen gehe es auch um Hilfen für die Palästinenser im Gazastreifen.

Die Vereinten Nationen bemühen sich ebenfalls um die Koordinierung der Hilfe. Die stellvertretende Nahost-Sonderkoordinatorin Lynn Hastings sagte beim Besuch eines besonders stark zerstörten Viertels in Gaza-Stadt, dass nun UN und Hilfsorganisationen beraten müssten, welche Hilfen am dringendsten nötig seien - auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie.

UN: Wasserversorgung teils zerstört

Doch nicht nur medizinische Hilfe wird im Gazastreifen benötigt: Wie das UN-Büro zur Koordinierung Humanitärer Angelegenheiten mitteilte, ist die Wasserversorgung dort fast zur Hälfte zerstört. Das bedeutet, dass etwa 800.000 Menschen keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Leitungswasser haben.

In der elf Tage dauernden militärischen Auseinandersetzung wurden im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben mindestens 248 Menschen getötet und 1910 verletzt. Israel meldete zwölf Tote und mehr als 300 Verletzte.

Die Palästinenser erklärten heute in einer vorläufigen Einschätzung, dass im Gazastreifen mindestens 2000 Wohnungen zerstört und 15.000 weitere beschädigt worden seien. Nadschi Sarhan, Vizeminister des Bauministeriums im Gazastreifen, sagte, die meisten Fabriken im Industriegebiet seien zerstört oder beschädigt. Den finanziellen Schaden durch die Kämpfe bezifferte er auf geschätzte 150 Millionen Dollar (rund 123 Millionen Euro).

Zusammenstöße auf dem Tempelberg

Nach elf Tagen Beschuss von beiden Seiten war der Waffenstillstand zwischen Israels Regierung und der radikal-islamischen Hamas in der Nacht auf Freitag in Kraft getreten. Der Weg zu einem dauerhaften Frieden und damit der Vermeidung eines nächsten Krieges ist hingegen unklarer denn je. US-Präsident Joe Biden sagte dazu, der Konflikt könne nur durch eine Zwei-Staaten-Lösung - also ein unabhängiges Palästina neben Israel - befriedet werden. Auch die Europäische Union sprach sich erneut für zwei Staaten aus.

Trotz der Waffenruhe ist die Stimmung in der Region äußerst angespannt. Am Freitagnachmittag hatte es auf dem Tempelberg in Jerusalem Zusammenstöße gegeben. Palästinensischen Rettungskräften zufolge wurden 15 Menschen behandelt, nachdem die Polizei unter anderem Gummigeschosse eingesetzt hatte. Nach Angaben der Polizei waren Sicherheitskräfte zuvor aus einer Menge Hunderter junger Menschen mit Steinen und einem Brandsatz beworfen worden.

Nach palästinensischen Angaben sollen Dutzende Palästinenser festgenommen worden sein. Von israelischer Seite gab es dazu keine Angaben.

Mit Informationen von Eva Lell, ARD-Studio Tel Aviv

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. Mai 2021 um 18:01 Uhr.